Größte Demos der Zweiten Republik in Österreich: So lief das Wochenende

Ansichten: 340
Lese­zeit2 min

Eine unübersehbare Protestbewegung hat sich in Österreich formiert. Auch dieses Wochenende waren zehntausende Menschen auf der Straße. Die größte Demo war in Graz, in St. Pölten erlebte man eine übergriffige Polizei.

Seit Jahr­zehn­ten hat Öster­reich nicht mehr sol­che Demons­tra­tio­nen gese­hen. Nach der Groß­de­mons­tra­ti­on in Wien am 20. Novem­ber mobi­li­sier­ten die­ses Wochen­en­de die Bun­des­län­der. Tkp​.at hat mit Demo­teil­neh­mer aus Graz, St. Pöl­ten und Salz­burg über ihre Ein­drü­cke gesprochen.

Grazer Demo

Die größ­te Demons­tra­ti­on fand die­ses Wochen­en­de in Graz statt. Selbst nach Poli­zei­an­ga­ben gin­gen 30.000 Men­schen auf die Stra­ße. Seit 1945 dürf­te Graz nicht mehr eine sol­che Kund­ge­bung erlebt haben. »Die Demo war defi­ni­tiv lau­ter als die in Wien«, sagt eine Demons­tran­tin zu tkp​.at. Von Jung bis Alt sei alles dabei gewe­sen, im hin­te­ren Bereich habe es auch eine Kin­der­de­mo gegeben.

Eine der Ver­an­stal­te­rin­nen, Maria Hub­mer-Mogg, eine füh­ren­de Ärz­tin der Initia­ti­ve »Wir zei­gen Gesicht«, wies in ihrer Abschluss­re­de auf Öster­reichs his­to­ri­sche Mög­lich­keit hin, nun eine Vor­rei­ter­rol­ler gegen den neu­en Kon­zern-Faschis­mus zu prä­gen. Gera­de ange­sichts der öster­rei­chi­schen Nazi­ver­gan­gen­heit, soll­te die­ser Moment genutzt werden.

Die Poli­zei sei in Graz äußerst zurück­hal­tend geblie­ben und kom­men­tier­te die Demo abschlie­ßend gar als »fried­lich«.

Polizeigewalt in St. Pölten

In St. Pöl­ten, eine Stadt die kaum Erfah­rung mit Demos hat, ent­wi­ckel­te sich die Sache anders. Dort berich­te­ten meh­re­re Teil­neh­mer von grö­be­rer Poli­zei­ge­walt. So soll der stadt­be­kann­te St.Pöltner Poli­zei­kom­man­dant mit einer Anzei­ge kon­fron­tiert sein. Per Video sei auf­ge­zeich­net wor­den, wie er unver­hält­nis­mä­ßi­ge Gewalt gegen eine älte­re Dame ein­ge­setzt habe.

Zudem habe die Poli­zei außer­or­dent­lich aggres­siv die FFP2-Mas­ken­pflicht durch­set­zen wol­len. Wegen feh­len­der Mas­ke kam es sogar zu Ver­haf­tun­gen. Ein Teil­neh­mer erzähl­te tkp​.at dass er »drei gewalt­sa­me Abfüh­run­gen« mit­be­kom­men habe, allei­ne wegen feh­len­der Mas­ke. Auch eine Mas­ken­be­frei­ung hät­te nicht geholfen.

Auch die St. Pölt­ner Demo orga­ni­sier­te eine Pri­vat­per­son. Der 19-jäh­ri­ge Lukas Wür­rer initi­iert schon seit län­ge­rem Demos gegen das Coro­na-Regime. Rück­halt bekam er vom bekann­ten »Honk for Hope« Alex­an­der Ehr­lich, der in St. Pöl­ten anwe­send war und auch eine Rede gehal­ten hat­te. Auch die gro­ße tür­ki­sche Com­mu­ni­ty der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­haupt­stadt sei zahl­reich ver­tre­ten gewe­sen. Die Demo sei »sehr bunt« gewe­sen, Fami­li­en mit Kin­dern, »alt bis jung«, erzählt ein Teilnehmer.

Demo­zug durch die St. Pölt­ner Innenstadt

»So viel Diver­si­tät gibt’s auf kei­ner LGBTQ-Demo oder bei Fri­days for Future«, beschreibt Mateo die Demons­tra­ti­on in Salz­burg am Sonn­tag, »Kin­der, Men­schen mit Beein­träch­ti­gung oder mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, es war total bunt.« Dort sprach die Poli­zei von 3.000 Teil­neh­mern, was er nur belä­cheln kön­ne: »An die 10.000 waren wir sicher«.

Auf Twit­ter wur­de der Zug festgehalten.

In Salz­burg zog man fried­lich am Jus­tiz­ge­bäu­de, der Arbei­ter­kam­mer und dem Schloss Mira­bell vor­bei. Die Poli­zei blieb auch in Salz­burg im Hintergrund.

Jetzt wieder Wien

Schon am Frei­tag mobi­li­sier­te die FPÖ meh­re­re Tau­send Men­schen in Vöck­la­bruck, um gegen die dro­hen­de Impf­pflicht und den Lock­down zu pro­tes­tie­ren. Am Sams­tag mobi­li­sier­te die Grup­pe »Stu­den­ten ste­hen auf« in Inns­bruck erneut meh­re­re Tau­send Men­schen. Auch in Kla­gen­furt kam es zu Protesten.

Bemer­kens­wert sind zudem die Kund­ge­bun­gen in meh­re­ren Klein­städ­ten: In Gleis­dorf (bereits seit meh­re­ren Wochen) und Amstet­ten wird pro­tes­tiert. Am Sonn­tag zog dann auch noch ein gro­ßer Demo­zug durch die 40.000-Einwohnerstadt Steyr.

Die­sen Sams­tag will die Bewe­gung erneut Wien bela­gern, am Mitt­woch, den 1. Dezem­ber 2021 soll es zu Warn­streiks kommen.

Die­ser Arti­kel erschien zuerst bei TKP​.at und wird hier mit freund­li­cher Geneh­mi­gung veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.