Karels Kolumne: Brauchen wir ein Gesindelgesetz?

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Über das Vergleichsverbot im Dienste der Herrschenden

»Falls jemand nach einer Legal­de­fi­ni­ti­on für Gesin­del sucht«, twee­te­te jüngst Moritz Moser, Jour­na­list bei der Neu­en Vor­arl­ber­ger Tages­zei­tung über einen Tweet eines gewis­sen Chad Loder, der das obi­ge Bild so kom­men­tiert: »In Kan­sas tra­gen die Impf­geg­ner bei Gemein­de­ver­samm­lun­gen gel­be Ster­ne und stel­len sich damit auf eine Stu­fe mit den jüdi­schen Opfern des Holo­causts.« In einem wei­te­ren Tweet, der den Vor­arl­ber­ger Moser inspi­riert haben dürf­te, legt Chad Loder dann noch nach: »Die­se Leu­te brau­chen kei­nen ›Geschichts­un­ter­richt‹. Sie brau­chen Kon­se­quen­zen für ihr gefähr­li­ches, hass­erfüll­tes, aso­zia­les Ver­hal­ten. Nen­nen Sie sie beim Namen, beschä­men Sie sie und ver­ban­nen Sie sie aus der ordent­li­chen Gesell­schaft.« Moser geht dabei noch wei­ter. Er sucht offen­bar nach einer Legal­de­fi­ni­ti­on für Men­schen, die er als »Gesin­del« betrach­tet, wünscht sich also 3G oder 2G, also ein Gesetz gegen Gesin­del oder ergo ein Gesindelgesetz.

Wir ken­nen die drei im Bild­vor­der­grund Sit­zen­den mit gel­bem Stern nicht, um uns über sie ein Urteil zu erlau­ben. Auf den ers­ten Blick sehen sie wie anstän­di­ge, von Arbeit gezeich­ne­te Men­schen aus, die, wie ordent­li­che Bür­ger, kon­zen­triert an einer ordent­li­chen, viel­leicht außer­or­dent­li­chen Gemein­de­ver­samm­lung teil­neh­men. Chad Loder, davon kön­nen wir aus­ge­hen, wird die drei kaum gefragt haben, ob sie sich auf »eine Stu­fe mit den jüdi­schen Opfern des Holo­causts« stel­len und was damit über­haupt gemeint sein könn­te, wo der Denun­zi­ant doch Distanz bevor­zugt. Viel­leicht wol­len die drei auf Par­al­le­len hin­wei­sen, auf Gemein­sam­kei­ten, die sie trotz aller Unter­schie­de sehen und die sie mit Sor­ge erfül­len, sodass sie die­ser durch einen von allen ver­stan­de­nen gel­ben Stern Aus­druck ver­lei­hen wol­len. Viel­leicht wol­len sie eben nicht auf einer Stu­fe mit den Opfern des Holo­causts ste­hen, son­dern durch die – für unse­ren Geschmack zuge­ge­be­ner­ma­ßen pie­tät­lo­se – Sym­bo­lik Anstoß erregen?

Hier ist eine Zwi­schen­be­mer­kung ange­bracht. Selbst­ver­ständ­lich kann man heu­te nicht sagen, dass irgend­je­mand die sys­te­ma­ti­sche Ver­nich­tung der »Unge­impf­ten« plant, der­je­ni­gen, die sich nicht unter­wer­fen, denn noch geht es um die tota­le Unter­wer­fung, Gehor­sam und Kon­trol­le. Die­je­ni­gen, die aus oppo­si­tio­nel­ler Sicht den Ver­gleich mit dem Hit­ler­fa­schis­mus (wir ver­wen­den das Wort »Natio­nal­so­zia­lis­mus« des­halb nicht, weil wir anders als die BRD nicht die Goe­b­bels-Pro­pa­gan­da fort­set­zen möch­ten) bemü­hen, ver­wen­den also einer­seits das Stil­mit­tel der Über­trei­bung, ander­seits han­delt es sich um die tra­di­tio­nel­le Ges­te der ethi­schen Pro­phe­tie, die Ten­den­zen in der Gegen­warts­ge­sell­schaft wahr­nimmt oder anti­zi­piert, deren inne­re Logik zu Ende denkt, um durch das An-die-Wand-Malen des dro­hen­den Übels gera­de die­se Ten­denz zu ent­lar­ven und war­nend zu ver­hin­dern. Sol­cher­lei Pro­phe­zei­ung erfüllt ihre Funk­ti­on gera­de dar­in, dass sie nicht eintritt.

Übri­gens bedie­nen sich die Ideo­lo­gen der Herr­schen­den durch­aus aus­gie­big die­ses Mit­tels. Erin­nert sich noch jemand als in Thü­rin­gen der FDP-Abge­ord­ne­te Kem­me­rich mit Stim­men der AfD zum Minis­ter­prä­si­den­ten gewählt wur­de? Die Pres­se hyper­ven­ti­lier­te, selbst in Indi­en berich­te­te man davon, sah bereits das »Vier­te Reich« anbre­chen. Wor­um es den Mono­po­lis­ten des Faschis­mus­ver­gleichs geht, ist in Wahr­heit eben die Mono­pol­si­che­rung zu Zwe­cken pro­ka­pi­ta­lis­ti­scher Apo­lo­ge­tik, zumal sie den Ver­gleich ja selbst nicht sel­ten so ver­wen­den, dass man nur eine völ­li­ge Ver­harm­lo­sung des deut­schen Faschis­mus kon­sta­tie­ren kann.

Nun zurück zum The­ma. Was könn­te aber heu­te so anstö­ßig sein, dass man durch das Anstö­ßig­ma­chen des Ver­gleichs mit dem Völ­ker­mord an den euro­päi­schen Juden den Grund des Anstö­ßi­gen viel­leicht ver­drän­gen und ver­ber­gen will? In Kür­ze eini­ge Ele­men­te, die bei heut­zu­ta­ge nicht anstän­di­gen Zeit­ge­nos­sen Anstoß erre­gen könn­ten: die Zwei­tei­lung der Bevöl­ke­rung nach einem völ­lig will­kür­lich mani­pu­lier­ba­ren Sta­tus mit unter­schied­li­chen Rech­ten sowie der Aus­gren­zung der Ent­rech­te­ten aus Arbeit und Gesell­schaft wie Schu­le und Stu­di­um. Dass die­se Vor­stu­fe an Dis­kri­mie­rungs­dy­na­mik der Ein­füh­rung des »Juden­sterns« 1941 vor­aus­ging, die Vor­be­din­gung zu Pogrom und schlim­me­rem war, das weiß anschei­nend das »Gesin­del« aus Kan­sas, wes­halb Chad Loder ja Recht damit hat, dass sie, anders als er selbst, kei­nen Geschichts­un­ter­reicht mehr benö­tig­ten. Wem die Ähn­lich­kei­ten nicht in die Augen sprin­gen, dem sei­en die Sei­ten 164 bis 197 aus dem ers­ten Band von Raul Hil­bergs bahn­bre­chen­dem Buch Die Ver­nich­tung der euro­päi­schen Juden anemp­foh­len. Was auch hilft, ist ein ein­tä­gi­ger, bes­ser ein­wö­chi­ger Selbst­ver­such als frei­er mas­ken­lo­ser Mensch ohne gewis­se Päs­se, Papie­re oder QR-Codes oder Gesinde.

Die Logik des Lyn­chens droht sich bereits breit zu machen. Dank der Het­ze und dem Schü­ren von Pogrom­stim­mung in Poli­tik und Medi­en auch bei einem deut­schen Leh­rer, für den »Unge­impf­te« unwer­tes Leben dar­stel­len. Sol­cher­lei Bei­spie­le sind lei­der mit Leich­tig­keit zu ver­viel­fäl­ti­gen. Ver­glei­che mit der Het­ze damals ver­bie­ten sich, denn Het­ze ist ja bekannt­lich nicht gleich Het­ze. Es gibt blaue, gel­be, rote oder grü­ne Het­ze, das soll­te man als neun­mal­klu­ger Stür­mers­o­phist schon wis­sen. Doch kom­men wir nun zu eini­gen The­sen zur Sache.

Zum Vergleichsverbot und seiner Funktion 

Durch das Ver­gleichs­ver­bot sichert die sys­tem­sta­bi­li­sie­ren­de Syko­phan­ten-Jour­nail­le die gegen­wär­ti­ge welt­wei­te neo­fa­schis­ti­sche Macht­über­nah­me, indem sie jede noch so offen­sicht­li­che Ana­lo­gie oder struk­tu­rel­le Ähn­lich­keit zum Tabu erhebt und so den legi­ti­men Wider­stand lähmt. Durch das Ver­gleichs­ver­bot wird genau das behin­dert, was eigent­lich Kon­sens sein soll­te, näm­lich der gerecht­fer­tig­te Wider­stand gegen in man­cher­lei Hin­sicht ver­gleich­ba­res, aber natür­lich nicht genau glei­ches Übel. Die­ser Kon­sens wird inner­halb der Lin­ken meist auf die Paro­le »nie wie­der Krieg, nie wie­der Faschis­mus« gebracht.

Man ver­gleicht in der Regel Ver­schie­de­nes, bei genau Iden­ti­schem käme man kaum auf die Idee, außer eben um Iden­ti­tät fest­zu­stel­len. Man stellt dann Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de fest. Es gibt natür­lich Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de zwi­schen damals und heu­te. Die mar­kan­te Unter­schied­lich­keit der sys­te­ma­ti­schen Juden­ver­nich­tung durch den Hit­ler­fa­schis­mus von ande­ren geno­zi­da­len Pro­zes­sen kann offen­kun­dig auch erst über einen Ver­gleich eta­bliert werden.

War­um aber leh­nen dann die Ver­fech­ter des Ver­gleichs­ver­bots Ver­glei­che mit der Ver­nich­tung der euro­päi­schen Juden ab? Sie tun dies in der Tat, weil sie die­ses an Abgrün­dig­keit kaum über­biet­ba­re Ver­bre­chen impli­zit abso­lut set­zen. Das Abso­lu­te kann nicht ver­gli­chen wer­den, es gibt nichts außer ihm. Es ist los-gelöst [ab-solu­tus] und somit in der Tat unver­gleich­lich. Jeder Ver­gleich – ein­mal statt­ge­ge­ben – wür­de die­sen Sta­tus gefähr­den. Dies erin­nert an den Fre­vel der Blas­phe­mie. In der Tat wird, wer doch Ver­glei­che zieht, schnell zum »Leug­ner« erklärt, was ja absur­der nicht sein könn­te, da man ja gera­de die Exis­tenz bei­der zu Ver­glei­chen­der vor­aus­set­zen muss. Ganz ähn­lich wie bei »Coro­na«, wo, wer die­ses mit der Grip­pe ver­gleicht auch ganz schnell zum »Coro­nal­eug­ner« wird, wovon vor allem in Leip­zig-Con­ne­witz tat­säch­lich, so absurd es klin­gen mag, manch­mal nur ein klei­ner Schritt zum »Holo­caust­leug­ner« ist. Als ob, am Ran­de bemerkt, die­se gro­tes­ke Ver­bin­dung eines geläu­fi­gen Erkäl­tungs­vi­rus mit einem unsäg­li­chen Men­scheits­ver­bre­chen nicht dies­mal tat­säch­lich eine gera­de­zu sit­ten­wid­ri­ge Ver­harm­lo­sung darstellt.

Nun war, schlimm genug, die Juden­ver­nich­tung tat­säch­lich ein irdi­sches und geschicht­li­ches Ereig­nis, das eben lei­der nicht außer­halb von Raum und Zeit statt­fand, son­dern bekannt­lich mit­ten hier »bei uns« in Euro­pa. Es hat­te Ursa­chen. Es gab Ver­ant­wort­li­che. Und lei­der gab es durch­aus Ver­bre­chen, wo sich ein Ver­gleich auf­drängt, auch wenn die »geno­zi­da­le Logik« wie der Faschis­mus unter­schied­li­che For­men annahm, gibt es doch neben gra­vie­ren­den Unter­schie­den auch struk­tu­rel­le Gemein­sam­kei­ten und Ent­wick­lungs­dy­na­mi­ken, die neben der Geschichts­for­schung auch die »Ver­glei­chen­de Völ­ker­mord­for­schung« her­aus­ar­bei­tet, die hier aber nicht näher the­ma­ti­siert wer­den können.

Durch die unwis­sen­schaft­li­che, mys­ti­fi­zie­ren­de Qua­si-Ver­ab­so­lu­tie­rung des Holo­causts dro­hen sei­ne Ursa­chen in Kapi­ta­lis­mus und Impe­ria­lis­mus als Vor­aus­set­zung für den Faschis­mus aus dem Blick zu gera­ten und so das Ethos des »Nie wie­der« und des »Weh­ret den Anfän­gen« zu unter­lau­fen. Über­haupt ist die Behaup­tung der Ein­zig­ar­tig­keit von geschicht­li­chen Ereig­nis­sen, und frei­lich ist jedes sol­ches Ereig­nis im tri­via­len Sin­ne ein­zig­ar­tig, eine alte Bas­ti­on der bür­ger­li­chen wie reak­tio­nä­ren Geschichts­auf­fas­sung, die damit jedem Ver­such, all­ge­mei­ne Mus­ter oder gar Gesetz­mä­ßig­kei­ten zu fin­den, bereits meist metho­do­lo­gisch einen Rie­gel vorschiebt.

Man mag ja über­haupt den Ein­druck gewin­nen, dass es nur erlaubt wäre von einer Wie­der­kehr des Faschis­mus zu spre­chen, wenn er sich als exak­te Wie­der­ho­lung des Hit­ler­fa­schis­mus abspiel­te, was eine eini­ger­ma­ßen absur­de Vor­stel­lung ist, die den jahr­zehn­te­lan­gen anti­fa­schis­ti­schen Kampf der DDR oder der west­deut­schen und welt­wei­ten Anti­fa­schis­ten obso­let gemacht hät­te und damit über­haupt den akti­ven Anti­fa­schis­mus, zumal per Defi­ni­ti­on sich kein geschicht­li­ches Ereig­nis sich exakt wie­der­ho­len kann. Die­ses obsku­ran­tis­ti­sche Denk­mus­ter, das die Ver­tei­di­ger des Ver­gleichs­ver­bots impli­zit anzu­neh­men schei­nen, kann somit nur auf eine völ­li­ge Ver­harm­lo­sung aktu­el­ler faschis­ti­scher Ten­den­zen hin­aus­lau­fen und muss von ernst­haf­ten Anti­fa­schis­ten daher vehe­ment kri­ti­siert werden.

Auch vie­le ande­re Ver­bre­chen, meist ver­übt von euro­päi­schen Impe­ria­lis­ten an Afri­ka­nern, Asia­ten, Ara­bern und ande­ren Völ­kern mit Mil­lio­nen an Opfern gera­ten ob der Sin­gu­la­ri­täts­me­ta­phy­sik der Juden­ver­nich­tung all­zu oft in Ver­ges­sen­heit oder wer­den in der Tat über­mä­ßig rela­ti­viert, da sie ja eben nicht ver­gleich­bar, also eben »weni­ger schlimm« sei­en. Das brach­te in den 1950ern schon Aimé Césaire zur Behaup­tung, dass das wahr­haft Skan­da­lö­se an Hit­ler für den Wes­ten dar­in läge, dass er mit­ten in Euro­pa, unter den »Zivi­li­sier­ten« und »Her­ren­men­schen« die tra­di­tio­nel­len Mit­tel der Kolo­nia­lis­ten erst­mals auf Wei­ße ange­wandt hät­te, wäh­rend man der­lei »Prak­ti­ken« gegen­über ande­ren »Ras­sen« ja eben in der Regel durch­aus nicht sel­ten befür­wor­te­te oder zumin­dest dar­über Still­schwei­gen bewahr­te, zumal sie ja weit weg vor der Haus­tür ver­bro­chen wurden.

Wen wun­dert es also, dass die Olig­ar­chen­pres­se und ihre Hand­lan­ger so auf die­sem asym­me­tri­schen Ver­gleichs­ver­bot behar­ren? Asym­me­trisch, weil die Syko­phan­ten-Jour­nail­le eben durch­aus Ver­glei­che mit dem Nazis­mus im täg­li­chen Menü auf­tischt. Oft­mals eher ver­harm­lo­sen­de Ver­glei­che, wo jeder wir­re Dorf­depp gleich zum neu­en Hit­ler hoch­ge­schrie­ben wird, selbst dann, wenn er gegen Krieg und für ech­te Demo­kra­tie demons­triert, wäh­rend die Arme­en in der Frem­de mor­den und daheim die Dik­ta­tur instal­liert wird.

Wir selbst fin­den per­sön­lich das Anbin­den von gel­ben Ster­nen tat­säch­lich äußerst grenz­wer­tig und mil­de for­mu­liert etwas unge­ho­belt, aber dar­um geht es nicht, son­dern dar­um, zu ver­ste­hen, was die­sen Bezug moti­viert und wo er her­rüh­ren könn­te. Lei­der unter­füt­tert, wie ange­deu­tet und über­all sicht­bar, die Logik der Ereig­nis­se die­sen Bezug, und dann kommt sozu­sa­gen die Fra­ge des meta­pho­ri­schen Inven­tars dazu. Womit sonst ver­glei­chen? Klar, man kann es mit der Apart­heid und ande­rem ver­glei­chen. Die Geschich­te ist bedau­er­li­cher­wei­se nicht arm an Mög­lich­kei­ten, nur womit wird denn die ver­bil­de­te Mas­se seit Jahr­zehn­ten über­zo­gen? Mit der Juden­ver­nich­tung. Sehr sel­ten sind die Ver­bre­chen der CIA an indo­ne­si­schen Kom­mu­nis­ten The­ma oder die der Kolo­ni­al­mäch­te in ihren Kolo­nien. Nicht nur in Kan­sas kom­men Bür­ger, für Moser das ein­fäl­ti­ge zu stra­fen­de »Gesin­del«, eben fast wie von allei­ne dar­auf. Und das sagt nun wirk­lich mehr als alle Wor­te aller Ein­falts­pin­sel, Affen­pin­scher und Moserer.

Die »bil­dungs­fer­ne«, wie heu­ti­ge Snobs zu reden pfle­gen, Unter­schicht eines im Inter­es­se der Bour­geoi­sie sys­te­ma­tisch unge­bil­de­ten Ame­ri­kas macht, was die euro­päi­sche Intel­li­genz in bei­na­he zwei Jah­ren nicht fer­tig­brin­gen will. Sie ver­gleicht und zieht Schlüs­se. Kurz­um: sie denkt und han­delt ent­spre­chend wider­stän­dig, agiert also ratio­nal. Sie hat die Zei­chen der Zeit erkannt, mag ihre Gedan­ken­welt noch so stumpf und wirr sein, noch so von reak­tio­nä­ren Dem­ago­gen und Ideo­lo­gen des Kapi­tals ver­ne­belt. Dass dem so ist, muss sich ohne­hin die Lin­ke sel­ber anlas­ten, ob dies­seits oder jen­seits des Tei­ches, und gera­de nicht den Men­schen, um deren Bil­dung und Auf­klä­rung sie sich wenig bis gar nicht bemüht hat, wo es ihr zu oft doch zumeist selbst um Plät­ze in der Rie­ge der arschle­cken­den Syko­phan­ten-Jour­nail­le geht.

Zurück nun zum Gesin­del von oben. Ob nun die Mose­rer oder die Fami­lie aus Kan­sas dazu erko­ren wird, dar­über mag der Leser befinden.

3 thoughts on “Karels Kolumne: Brauchen wir ein Gesindelgesetz?

  1. »Dass die­se Vor­stu­fe an Dis­kri­mie­rungs­dy­na­mik der Ein­füh­rung des »Juden­sterns« 1941 vor­aus­ging, die Vor­be­din­gung zu Pogrom und schlim­me­rem war, das weiß anschei­nend das »Gesin­del« aus Kan­sas«. Wir wis­sen das heu­te, im nach­hin­ein. Nur des­halb ist es heu­te mög­lich, die Juden­ver­nich­tung zu ver­wen­den, um Ver­glei­che der Juden­ver­fol­gung mit der Ver­fol­gung von Maß­nah­me­kri­ti­kern und Unge­impf­ten als wirr oder men­schen­feind­lich oder was auch immer zu dif­fa­mie­ren. Doch wie die­se heu­ti­ge Ver­fol­gung Anders­den­ken­der enden wird, ist heu­te eben­so unbe­kannt wie es in den Jah­ren nach 1933 bis 1941 nicht bekannt war, daß die Juden­ver­fol­gung in der Juden­ver­nich­tung enden wür­de. Wir aber wis­sen heu­te, wie eine ähn­li­che Situa­ti­on wie zwi­schen 1933 und 1941, in der wir »ver­fol­gungs­tech­nisch« gegen­wär­tig sind, enden kann. Des­halb hal­te ich sol­che Ver­glei­che für zulässig.

  2. Es gab tat­säch­lich auch Ver­su­che von bekann­ten Neo-Nazis durch die Ver­bin­dung von »Ungeimpft«-Schrift auf einem gel­ben Stern vor dem Holo­caust-Mahn­mal in Ber­lin die plan­mä­ßi­ge Ermor­dung von Mil­lio­nen von Juden in Euro­pa zu ver­harm­lo­sen. Es geht um die­se Art Ver­harm­lo­sung des Holo­caust, die kri­tisch zu betrach­ten ist. Es han­delt sich näm­lich manch­mal um eine Stra­te­gie von Neo-Nazis, durch eine sol­che Kon­tex­tua­li­sie­rung (Dis­kri­mi­nie­rung von Unge­impf­ten = Holo­caust = so schlimm war der Holo­caust nicht) zur Rela­ti­vie­rung des Holo­causts beizutragen.
    Trotz­des­sen ist für mich der ent­schei­de­ne Aspekt des Tex­tes rich­tig: »Durch das Ver­gleichs­ver­bot sichert die sys­tem­sta­bi­li­sie­ren­de Syko­phan­ten-Jour­nail­le die gegen­wär­ti­ge welt­wei­te neo­fa­schis­ti­sche Macht­über­nah­me, indem sie jede noch so offen­sicht­li­che Ana­lo­gie oder struk­tu­rel­le Ähn­lich­keit zum Tabu erhebt und so den legi­ti­men Wider­stand lähmt.« Zu ergän­zen wäre noch: Die Lin­ke des Kapi­tals bläst ins glei­che Honrn!
    Denn wenn wir den Gedan­ken fort­füh­ren, dass, egal wel­ches Ereig­nis in Deutsch­land gesche­he, es NIE­MALS mit dem Hit­ler­fa­schis­mus ver­gli­chen wer­den dür­fe, dann könn­te (kann!) der neue Faschis­mus vor unser aller Auge ent­ste­hen, ohne das jemals ein Ver­gleich gezo­gen wür­de. Dann hät­ten wir also in einer sol­chen Situa­ti­on einen Faschis­mus, der – auf­grund der Unver­gleich­bar­keit mit dem Holo­caust – NIE­MALS als Faschis­mus bezeich­net wer­den dürf­te. Das wäre die tota­le Per­ver­tie­rung des ursprüng­li­chen Gedan­kens von Ador­no, »dass Aus­sch­witz sich nie wiederhole«

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