Krieg und Sanktionen – wer profitiert?

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Russ­land hat eine Mili­tär­ope­ra­ti­on gestar­tet zum Schutz der Volks­re­pu­bli­ken Donezk und Lug­ansk sowie zur »Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung und Ent­na­zi­fi­zie­rung« der Ukrai­ne, wie sich der rus­si­sche Prä­si­dent Putin aus­drück­te. Eine Beset­zung der Ukrai­ne ist aus­drück­lich nicht vorgesehen.

Putin hat schon vor län­ge­rer Zeit gewarnt, dass eine Offen­si­ve der ukrai­ni­schen Trup­pen auf die Volks­re­pu­bli­ken Donezk und Lug­ansk oder die Inte­gra­ti­on der Ukrai­ne in die NATO zu irrever­si­blen Fol­gen für die ukrai­ni­sche Staat­lich­keit füh­ren wer­den. Bei­des ist nach Ansicht der rus­si­schen Füh­rung eingetroffen.

Einer­seits hat­te Kiew gro­ße Tei­le sei­ner Trup­pen vor den Volks­re­pu­bli­ken zusam­men­ge­zo­gen, den Beschuss in den letz­ten Tagen vor dem rus­si­schen Ein­grei­fen wesent­lich ver­stärkt und an einem Teil­ab­schnitt der Front eine Offen­si­ve gestartet.

Ande­rer­seits hat der Wes­ten jeden Ver­such Russ­lands ver­ei­telt, eine diplo­ma­ti­sche Lösung für sei­ne Sicher­heits­be­dürf­nis­se zu fin­den. Er lehn­te den rus­si­schen Vor­schlag für eine gemein­sa­me euro­päi­sche Sicher­heits­zo­ne rund­her­aus ab. Die­se hät­te unter ande­rem eine neu­tra­le, block­freie Ukrai­ne vor­ge­se­hen. Der Wes­ten dage­gen bestand auf einer Bei­tritts­per­spek­ti­ve der Ukrai­ne in die NATO.

Die­se Ableh­nung der NATO trief­te auch noch vor Über­le­gen­heits­dün­kel. Der Wes­ten hat Russ­land sys­te­ma­tisch in die Ecke gedrängt und stän­dig wei­ter an der Eska­la­ti­ons­schrau­be gedreht. In letz­ter Zeit unter ande­rem durch Waf­fen­lie­fe­run­gen an die Ukrai­ne in Höhe von Mil­li­ar­den Dol­lar, durch Aus­bil­dungs­mis­sio­nen west­li­cher Streit­kräf­te, die de fac­to frem­de Mili­tär­stütz­punk­te dar­stel­len und die wohl­wol­len­de Auf­nah­me der Ankün­di­gung des ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten Selen­ski, sich Nukle­ar­waf­fen beschaf­fen zu wol­len. Hin­zu kamen pro­vo­ka­ti­ve und bewusst belei­di­gen­de Auf­trit­te west­li­cher Poli­ti­ker in Mos­kau, so der deut­sche Außen­mi­nis­te­rin Anna­le­na Baer­bock und der bri­ti­schen Außen­mi­nis­te­rin Liz Truss. Über die west­li­chen Gesell­schaf­ten ergießt sich schon seit Jah­ren ein unend­li­cher Strom an Het­ze gegen Russ­land (MH-17, Skri­pals, Nawalny-»Vergiftung« etc.). Es wur­de eine rich­tig­ge­hen­de Kriegs­hys­te­rie ent­facht, die jetzt ihren Höhe­punkt erreicht.

Die­se gan­zen Aktio­nen sind kein Zufall, sie sind Resul­tat einer bewuss­ten Stra­te­gie der USA, Russ­land so in die Ecke zu drän­gen, dass es kei­nen ande­ren Aus­weg als eine Mili­tär­ope­ra­ti­on in der Ukrai­ne sieht. Pla­ne­rin die­ser Akti­on ist die stell­ver­tre­ten­de US-Außen­mi­nis­te­rin Vic­to­ria »Fuck the EU« Nuland.

Ziel der US-Poli­tik ist es, die Ukrai­ne von Russ­land und Russ­land von Euro­pa zu tren­nen. Hin­ter­grund ist die vom bri­ti­schen Geo­gra­phen Hal­ford Mack­in­der vor 120 Jah­ren ent­wi­ckel­te Herz­land-Theo­rie. Sie besagt, dass die Kon­trol­le des Herz­lan­des, also eines Land­strei­fens, der vom Bal­ti­kum über Zen­tral­russ­land bis zur Nord­küs­te des Schwar­zen Mee­res reicht, ent­schei­dend ist für die Kon­trol­le über die Wel­ten­in­sel. Dar­un­ter ver­steht Mack­in­der die Kon­ti­nen­te der Öst­li­chen Fes­te, also vor allem Euro­pa, Asi­en und Afrika.

Poin­tiert fass­te Mack­in­der sei­ne Theo­rie wie folgt zusammen:

Wer über Ost­eu­ro­pa herrscht, beherrscht das Herzland;

wer das Herz­land beherrscht, beherrscht die Welteninsel;

wer die Wel­ten­in­sel beherrscht, beherrscht die Welt.

Zbi­gniew Brze­zinski, Natio­na­ler Sicher­heits­be­ra­ter von US-Prä­si­dent Car­ter, galt bis zu sei­nem Tod 2017 als graue Emi­nenz der US-Ame­ri­ka­ni­schen Außen­po­li­tik. Der Rus­sen­has­ser Brze­zinski ver­tritt eben­falls die Herz­land­theo­rie. In sei­nem Buch Die ein­zi­ge Welt­macht schrieb er im Bezug auf die Ukrai­ne: »Die Ukrai­ne, ein neu­er und wich­ti­ger Raum auf dem eura­si­schen Schach­brett, ist ein geo­po­li­ti­scher Dreh- und Angel­punkt, weil ihre blo­ße Exis­tenz als unab­hän­gi­ger Staat zur Umwand­lung Russ­lands bei­trägt. Ohne die Ukrai­ne ist Russ­land kein eura­si­sches Reich mehr.« (Sei­te 79 der deut­schen Aus­ga­be, 2001)

Seit dem Zer­fall der Sowjet­uni­on 1991 ver­such­ten die USA, die Ukrai­ne in den Griff zu bekom­men. Des­halb inves­tier­ten sie 5 Mil­li­ar­den Dol­lar (Nuland) in die Unter­wüh­lung die­ses Staats­we­sens. Des­halb die bei­den »bun­ten Revo­lu­tio­nen«; zuerst die Oran­ge­ne Revo­lu­ti­on 2005 und dann der Mai­dan 2014. Seit die­ser Zeit ist die Ukrai­ne nahe­zu voll­stän­dig von den USA und der EU abhängig.

Der Wes­ten hat schon vor Wochen bru­ta­le, ver­nich­ten­de Sank­tio­nen gegen Russ­land ver­ab­re­det, die nun in Kraft tre­ten. Die­se sehen nach dama­li­gen Medi­en­be­rich­ten unter ande­rem Sank­tio­nen gegen rus­si­sche Ban­ken, ein Embar­go für IT-Pro­duk­te sowie das Abschnei­den Russ­lands vom Inter­ban­ken­sys­tem SWIFT vor, durch das For­de­run­gen der ein­zel­nen ange­schlos­se­nen Ban­ken mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den. Wie das Bei­spiel Iran zeigt, bedeu­tet eine Abkopp­lung vom SWIFT ein tota­les Han­dels­em­bar­go. Russ­land soll öko­no­misch ein­ge­schnürt, aus­ge­hun­gert und auf die Knie gezwun­gen werden.

Wie immer auch die Fol­gen für Russ­land sein wer­den, sicher aber ist, dass die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der ver­nich­ten­den Sank­tio­nen für Euro­pa desas­trös sein wer­den. Die Gas­lei­tung Nord­stream 2 ist bereits Geschichte.

Nach aktu­el­len Medi­en­be­rich­ten steht das Abschnei­den Russ­lands vom SWIFT vor­erst noch nicht auf der Tages­ord­nung der EU und der USA. Soll­te das aber pas­sie­ren, dann wird die EU ihre Gas- und Ölrech­nung an Russ­land nicht mehr bezah­len kön­nen und des­halb wird sich Russ­land gezwun­gen sehen, sei­ne Lie­fe­run­gen ein­stel­len. Der rus­si­sche Anteil an der deut­schen Gas- und Ölver­sor­gung beträgt jeweils etwa 40%. Ein Aus­fall die­ser Men­gen hät­te extrem gra­vie­ren­de Folgen.

Bereits die ande­ren Sank­tio­nen sind schlimm genug. Jetzt sind die deut­schen Gas­spei­cher nur noch zu weni­ger als 30% gefüllt. Wegen sei­nes irr­wit­zi­gen gleich­zei­ti­gen Aus­stiegs aus Kern­ener­gie und Koh­le ist Deutsch­land viel stär­ker auf Erd­gas ange­wie­sen als sei­ne Nach­bar­län­der. Es wird nicht nur zum Hei­zen benö­tigt, son­dern auch zur Strom­erzeu­gung. Wenn nicht end­lich gro­ße Gas­men­gen aus Russ­land gelie­fert wer­den, sind Black­outs nahe­zu unver­meid­lich. Die Lie­fer­ket­ten wer­den noch viel stär­ker zusam­men­bre­chen und es kann gut sein, dass bald auch eine Lebens­mit­tel­knapp­heit ein­tritt. Denn bereits heu­te fah­ren die Dün­ger­pro­du­zen­ten wegen der hohen Ener­gie­prei­se ihre Pro­duk­ti­on zurück. Weiß­russ­land und bald auch Russ­land, die ein­zi­gen ver­blie­be­nen Groß­pro­du­zen­ten, wer­den mit ver­nich­ten­den Sank­tio­nen belegt.

Anna­le­na »Marie-Antoi­net­te« Baer­bock hat bru­ta­le Sank­tio­nen bereits ange­kün­digt: »Wir wer­den das vol­le Paket mit mas­sivs­ten Sank­tio­nen gegen Russ­land auf den Weg brin­gen. Wenn wir jetzt nicht ent­schlos­sen dafür ein­tre­ten, wer­den wir einen noch viel höhe­ren Preis zahlen.«

Damit hat sie de fac­to ange­kün­digt, die deut­sche Wirt­schaft stark zu schä­di­gen und setzt die deut­sche Bevöl­ke­rung dem Risi­ko von Strom­ab­schal­tun­gen, Hei­zungs­dros­se­lun­gen und einem Sonn­tags­fahr­ver­bot aus. Schein­bar kommt die­se Ent­wick­lung den neo­li­be­ra­len Grü­nen gera­de recht. So wird CO2 ein­ge­spart, die ver­hass­te Gro­ße Indus­trie abge­wi­ckelt und die bereits jetzt lei­den­den Arbei­ter und Arme sei­en ohne­hin alles »Rech­te«.

Damit haben die USA auf gan­zer Linie gewon­nen. Russ­land und die EU wer­den wirt­schaft­lich dau­er­haft getrennt und öko­no­misch geschwächt. Zugleich wird die deut­sche Gesell­schaft wei­ter abge­wrackt, was ganz im Sin­ne des Gre­at Reset des World Eco­no­mic Forums ist. Inso­fern ist es nicht ver­wun­der­lich, dass Baer­bock zu den größ­ten Hard­li­nern in Deutsch­land gehört. Denn sie ist ein Young Glo­bal Lea­der jenes World Eco­no­mic Forums und ver­tritt damit unmit­tel­bar die Inter­es­sen der west­li­chen Olig­ar­chen um Bill Gates und Co.

Gut mög­lich, dass das Regime die nun abseh­bar aus­bre­chen­den Unru­hen zur Ver­hän­gung des Aus­nah­me­zu­stan­des nutzt und die Res­te der bür­ger­li­chen Demo­kra­tie voll­stän­dig abräumt. Dafür gibt es Vor­bil­der. So wur­de ein sol­cher Aus­nah­me­zu­stand ange­sichts der Tru­cker­pro­tes­te in Kana­da ver­hängt. Auch der kana­di­sche Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau ist ein Young Glo­bal Leader.

In der gegen­wär­ti­gen Kriegs­hys­te­rie gerät der­weil völ­lig aus dem Blick­feld, dass das Coro­na-Nar­ra­tiv immer grö­ße­re Ris­se bekommt. So wur­de heu­te bekannt, dass laut dem BKK-Dach­ver­band der Betriebs­kran­ken­kas­sen im Jahr 2021 weit­aus mehr Men­schen wegen Impf­ne­ben­wir­kun­gen als wegen Coro­na zum Arzt gegan­gen sind. In der gegen­wär­ti­gen Kriegs­hys­te­rie mit ihren auf­ge­peitsch­ten Emo­tio­nen wird aber abseh­bar das Coro­na-Nar­ra­tiv ver­drängt und kri­ti­sche Stim­men gelan­gen noch sel­te­ner an die Öffent­lich­keit. Des­halb ist es für das Regime umso ein­fa­cher, die all­ge­mei­ne Impf­pflicht zuguns­ten von Bio­n­tech und Bill Gates durchzudrücken.

Was aber pas­siert in der Ukrai­ne sel­ber? Bei dem jet­zi­gen Stand kann das nicht genau vor­her­ge­sagt wer­den. Wenn erst mal der Druck der Armee und der Nazi-Batail­lo­ne weg­fällt, kann es gut sein, dass sich noch wei­te­re ost- und süd­ukrai­ni­sche rus­sisch­spra­chi­ge Oblas­te vom Zen­tral­staat abspal­ten. Denn eth­ni­sche Rus­sen wur­den seit dem Mai­dan-Putsch als Men­schen zwei­ter Klas­se behan­delt, zuletzt auch durch ein »Volks­grup­pen­ge­setz«, das an die berüch­tig­ten Nürn­ber­ger Geset­ze erin­nert. Die Indus­trie und die ukrai­ni­sche Arbei­ter­klas­se kon­zen­trie­ren sich in die­sen Gebie­ten. Übrig blie­be dann ein weit­ge­hend agra­ri­scher Rumpf­staat im Wes­ten der Ukrai­ne, wo die ein­hei­mi­schen Faschis­ten tra­di­tio­nell beson­ders stark sind. Oder aber Polen und Rumä­ni­en nut­zen die güns­ti­ge Gele­gen­heit und ver­lei­ben sich die­se Gebie­te ein, die sie bereits bean­spru­chen. Eines ist wohl sicher: Der ukrai­ni­sche Staat in sei­ner bis­he­ri­gen Form ist Geschichte.

Bild: Nord-Krim-Kanal, 24.02.2022. Nach acht­jäh­ri­ger völ­ker­rechts­wid­ri­ger ver­such­ten Aus­trock­nung der Halb­in­sel Krim durch die ukrai­ni­schen Poli­ti­ker fließt wie­der Süßwasser.

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