Nazi-Vorwurf an die Freie Linke Österreich: Offener Brief an »Der Standard«

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Sehr geehr­ter Stan­dard, sehr geehr­te Redaktion!

Bes­tens unter­hal­ten konn­te uns Ihr Arti­kel »Coro­na-Demos: Unter gefähr­li­chen Flag­gen« vom 12. Febru­ar. Da fra­gen Sie sich nicht nur, was denn an uns jetzt »links« sei – die Fra­ge geht hier­mit ein­mal umge­kehrt an Sie zurück; Sie unter­stel­len uns gar, eine »Fal­se-Flag-Akti­on von Neo­na­zis« zu sein. Wir dach­ten doch immer, Sie wür­den sich Ver­schwö­rungs­theo­rien verwehren.

Wenn Sie schon nicht fair berich­ten – bestimmt nicht aus Unwis­sen­heit, Nai­vi­tät oder Ideen­lo­sig­keit –, dann soll­ten Sie wenigs­tens das Nazi-Framing im Zusam­men­hang mit der Frei­en Lin­ken sein lassen.

In »der Lin­ken« kennt man uns also nicht? Und des­halb dürf­ten wir eine »irre­füh­ren­de Fal­se-Flag-Akti­on« von »Neo­na­zis« sein? Wie gut haben Sie denn recherchiert?

War­um hat nie­mand aus Ihrer mit üppi­gen Regie­rungs­gel­dern finan­zier­ten Redak­ti­on Kon­takt mit uns auf­ge­nom­men? Weil es den Redak­teu­ren in ihrem schi­cken, hei­me­li­gen Home-Office, von wo aus man seit bald zwei Jah­ren krank­haft Hygie­nis­mus und gehäs­si­gen Mora­lis­mus betreibt, viel­leicht doch zu kom­for­ta­bel ist? Oder dach­te sich die Redak­ti­on, dass eine Kon­takt­auf­nah­me ohne­hin unmög­lich wäre, weil die bestimmt alle zu den »Unge­impf­ten« gehö­ren, mit denen man sich nicht mehr tref­fen darf?

Einen unse­rer Akti­vis­ten in die Aus­la­ge zu stel­len, bestä­tigt uns auch in einem wei­te­ren Punkt: Aktu­ell soll­te man sich vor­ran­gig auf­grund von beson­ders flei­ßi­gen Jour­na­lis­ten und den »Genos­sen« von der Anti­fa das Gesicht ver­hül­len, und erst zweit­ran­gig auf­grund des Ver­fas­sungs­schut­zes. Staats­i­cher­heit­li­che Arbeitsteilung?

Wie 1914 wur­de die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit der Lin­ken zum gro­ßen Ver­rä­ter. Hal­ten wir kurz fest: Die bes­ten Tei­le der Lin­ken, etwa die Gra­zer KPÖ, sind höchs­tens auf­rich­ti­ge Sozi­al­de­mo­kra­ten, die schlimms­ten Tei­le der Lin­ken, die Anti­fa und pro­gres­si­ve Kul­tur­kämp­fer, sind Ver­tei­di­ger des Status-Quo.

Was an uns »links« ist, wol­len Sie nun wis­sen? Wir hal­ten fest an der staats- und kapi­tal­kri­ti­schen Tra­di­ti­on der Lin­ken. Wir ste­hen für mate­ria­lis­ti­sche Ana­ly­se statt für idea­lis­ti­sche Luft­schlös­ser, für wis­sen­schaft­li­che Skep­sis statt für szi­en­tis­ti­schen Reli­gi­ons­er­satz. Wir wol­len uns ehr­lich und pro­fund Rechen­schaft dar­über able­gen, was wir als Scha­den und Beläs­ti­gung wahr­neh­men und kei­ne staat­li­che Not­la­ge oder Pan­de­mie kann an der Rich­tig­keit die­ser Metho­de etwas ändern.

Es liegt nicht an uns, dass die Lin­ke in der auto­ri­tä­ren Trom­mel des Staa­tes mit­ein­ge­stimmt hat, und For­de­run­gen von Demo­kra­tie und Grund­rech­ten plötz­lich als Gefahr von »rechts« iden­ti­fi­ziert. Es liegt eher an der »Lin­ken« selbst, die sich zum gro­ßen Teil bes­tens in die­sen auto­ri­tä­ren Struk­tu­ren ein­ge­rich­tet hat. Dem­entspre­chend gering ist ihr Wil­le, aktu­el­le Aus­wüch­se des Kapi­tal­ver­hält­nis­ses grund­le­gend anzu­ge­hen. Die Lin­ke ist so ver­schmol­zen mit dem neo­li­be­ra­len Kapi­tal, dass wir der Teil der Lin­ken sind, die es zur Auf­ga­be hat, jene Tra­di­tio­nen zu ret­ten, die sie selbst ver­ges­sen hat.

Dass die Freie Lin­ke Öster­reich in der lin­ken Sze­ne nicht bekannt zu sein scheint – umso schlim­mer für die lin­ke Sze­ne – hat somit wohl damit zu tun, dass die soge­nann­te lin­ke Sze­ne in punc­to Coro­na-Maß­nah­men­the­ma­tik so weit von einem dia­lek­tisch-kri­ti­schen Zugang zu den Ereig­nis­sen abge­rückt ist, dass sie sich in den mit­ti­gen Stau an maß­nah­men­be­zo­ge­ner Evi­denz­be­freit­heit und der Ver­ken­nung sozio­öko­no­mi­scher bzw. sozi­al­po­li­ti­scher Lang­zeit­fol­gen ein­ge­reiht hat.

Dass der Stan­dard – hät­te es ihn damals schon gege­ben – 1914 die all­ge­mei­ne Kriegs­trom­me­lei in der ers­ten Rei­he ange­führt hät­te, wis­sen wir spä­tes­tens seit 2020 gewiss. Aus dem »Burg­frie­den« wur­de der »Natio­na­le Schul­ter­schluss«. Und wie er heu­te gegen die »Kri­sen­ver­län­ge­rer«, die soge­nann­ten »Unge­impf­ten«, hetzt, so hät­te er 1914 über die »Kriegs­ver­län­ge­rer«, über jene ver­blie­be­nen Auf­rich­ti­gen, die sich dem all­ge­mei­nen Wahn wider­set­zen konn­ten und gegen die Kriegs­kre­di­te oppo­niert haben, agitiert.

Doch Brü­che, wie wir sie seit 2020 auf vie­len Ebe­nen erle­ben, haben auch jede Men­ge gute Sei­ten. So for­dert der Stan­dard zwar vehe­ment die Mas­kie­rung der Men­schen mit gesund­heits­schä­di­gen­den Mas­ken, dafür sind die eige­nen Mas­ken end­lich gefal­len. Der Stan­dard hat sich end­lich allen Lesern als das offen­bart, was er wirk­lich ist: Ein Blatt, im Dienst von Kapi­tal und Herr­schaft, voll mit Ekel gegen­über den Abge­häng­ten und angeb­lich Unge­bil­de­ten und Abscheu gegen­über den Arbeiterklassen.

Mit frei­en lin­ken Grüßen!

Die Freie Lin­ke Österreich

PS: Soll­te die­ser Brief nicht für Ihre gewünsch­ten Framing-Ver­su­che tau­gen, stel­len wir Ihnen noch einen zwei­ten Text zur Ver­fü­gung, um dem »Mys­te­ri­um« Freie Lin­ke, wie Sie in ihrem amü­san­ten Arti­kel über uns schrei­ben, gerecht zu werden.

Lie­ber Stan­dard, wer­te Redaktion!

Wir sind eine Hand­voll Män­ner und Frau­en, denen fad war und die eigent­lich nur als Min­der­heit eine Mehr­heit tyran­ni­sie­ren woll­ten. Wir waren zu faul, uns einen eige­nen Namen aus­zu­den­ken. Drum haben wir Goog­le Trends nach einem shit­ty links klin­gen­den Namen durch­sucht. Zack Zack: die Freie Lin­ke. Nun gibt es uns auch in Österreich!

Wie sie sicher schon mit­be­kom­men haben, ist an uns, mit Aus­nah­me des Namens, nicht viel links. Wie kommt’s? Nun: Wie ihnen bestimmt schon auf­ge­fal­len ist, haben wir uns extra bemüht, erst auf Demos auf­zu­tau­chen, nach­dem der Vor­wurf laut wur­de, dass Neo­na­zis die Demos orga­ni­sie­ren. Es begab sich so:

Als wir eines Nachts am 20. April 2021 wie­der mal mit Gott­fried Küs­sel in unse­rem Kel­ler in der Stall­burg­gas­se 7 saßen und unse­re NS-Devo­tio­na­li­en polier­ten, sag­te Küs­si (wie wir ihn lie­be­voll nen­nen), nach­dem er sei­nen drit­ten Hum­pen Voll­wei­zen­bier ges­layt hat: »Bur­schen, måcht‘s an Fal­se Flag!« Wir waren alle so: »Kannst nicht brin­gen, Friedl! (Einer bei uns darf ihn auch Friedl nen­nen.) Das wär ur hin­ter­fot­zig und betra­yal +100.« Aber er hat sich nur so die Hän­de gerie­ben und wahn­wit­zig gelacht und war so: »1337, 1312!«.

So war es. Wer was ande­res behaup­tet, lügt!

Lei­der mach­ten sie uns mit Ihrer Erwäh­nung im Arti­kel »Coro­na-Demos: Unter gefähr­li­chen Flag­gen« vom 12. Febru­ar einen Schmiss durch die Rech­nung. Unser wohl­ge­hü­te­tes Pro­jekt »Mys­te­ri­um« ist der gnei­ßen­den Strahl­kraft ihres inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus’ zum Opfer gefal­len. Denn in der lin­ken Sze­ne kann­te uns bis­her nie­mand. Sie ver­ste­hen schon: Wir sind mit denen nicht so, nun ja — sagen wir: ver­netzt. Fort­an wol­len wir offen rechts sein. Äh, links. War­te. Wel­ches war noch­mal das mit dem Mitarbeitsplus?

*checks moral pri­vi­le­ge: rechts = dumm, links = Friedensnobelpreis*

Mit stram­mem Gruß,

Die Freie Lin­ke Österreich

15 thoughts on “Nazi-Vorwurf an die Freie Linke Österreich: Offener Brief an »Der Standard«

    1. Wis­sen­schafts­feind­li­che Pief­ke mit einem Öster­reich-Able­ger auf einer rus­si­schen domain. Dan­ke für euren Bei­trag zur Zer­stö­rung der zivi­li­sier­ten Welt.

  1. Wer­den die Euren offe­nen Brief auch veröffentlichen?

    Dann lasst die Spie­le beginnen.

    Ansons­ten? Na dann ist es wie wenn ein Schwein/​alle Kri­ti­ker sich an einem Baum/​MSM krazt. Net Amol igno­riert werden.

    Immer­hin typisch österr Ant­wort. Mit Schmäh, Bravo

  2. Wie üblich erkennt Die Lin­ke nicht den wah­ren »Feind«. Für die im Spek­trum sehr links muss »rechts« der Feind sein. Ihr Genos­sen bemerkt nicht, dass der wah­re Feind uns alle aus­spielt. Ihr seid in eurer Ideo­lo­gie so fest­ge­fah­ren, dass es weh­tut zuzu­se­hen. Schüt­teln möch­te man euch und »Wach auf!« rufen. Euer links/​rechts Modell ist so ver­al­tet. Wenigs­tens scheint ihr den Unter­schied zwi­schen »Nazi« (den es nicht mehr gibt) und Neo­na­zi (wei­ter­ge­führ­te Ideo­lo­gie des drit­ten rei­ches) zu ken­nen. Plus­punkt dafür! Und auch einer dafür, dass ihr erkennt, dass der Stan­dard ein Bobo-Schund­blatt ist! Ihr denkt, jeder, der die geschicht­li­che Nie­der­schrift des 2. WK hin­ter­fragt, ist ein sol­cher NN? Oder schon jeder, der ein MRNA-Präpe­rat hin­ter­fragt? Junge*innen! Recher­chiert doch mal ergeb­nis­of­fen, dann wird’s auch was mit der Wahr­heit. Traut euch.

  3. Der Stan­dard war im ers­ten hal­ben Jahr sei­nes Erschei­nens eine gute Zei­tung, danach ging es rasch den Scheiß­bach hin­un­ter. Das konn­te ich live und in Far­be als einer der Abon­nen­ten der ers­ten Stun­de erle­ben. Ein Abo, das ich nach dem ers­ten Jahr natür­lich nicht ver­län­gert habe. Heu­te ist das Blatt schlich­ter­dings unge­nieß­bar – wie alle übri­gen geblie­be­nen öster­rei­chi­schen Zei­tun­gen, höchs­tens noch im Gra­tis-Abo jeden 10. Sonn­tag mit Kopf­schüt­teln durch­zu­blät­tern. Ein Glück, es gibt mitt­ler­wei­le Feind­sen­der und im Inter­net gar manch Spannendes !

  4. Gibt also doch noch leu­te die geschichts­verstnd­nis haben und das den­ken noch nicht ganz verlernt;
    Aber vor allem eines habe ich bei leu­ten nicht erwar­tet, die sich nach wie­vor als »links« bezeich­nen: guten humor!
    ich sag nur­mehr, nennt mich gern kom­mu­nist aber mit lin­ken will ich nichts zu tun haben 🙂

  5. es ist schon fas­zi­nie­rend zu beob­ach­ten wenn bür­ger­li­che medi­en( für mich immer reak­tio­när oder zumin­dest sys­tem­im­ma­nent) eine bewe­gung der stra­ße als rechts unter­wan­dert bezeich­nen noch­mals laut auf­heu­len wenn dann end­lich genü­gend lin­ke aus der bewe­gung auf­ste­hen und auf­zei­gen: die­se bewe­gung ist gar nicht rechts.

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