Frau Sauerbrey sieht den Westen in Gefahr?

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Eine Meinung zu einem Kommentar

Frau Anna Sauer­brey ließ sich am 23. Febru­ar 2022 in ihrem Kom­men­tar in der Zeit dazu her­ab das »arme« lesen­de Publi­kum an ihrer begriff­li­chen Ver­wir­rung teil­ha­ben zu las­sen (1). Der Arti­kel, zum Glück hin­ter einer Bezahl­schran­ke ver­steckt, erreich­te ver­mut­lich vor­wie­gend die Jubel­per­ser ihrer noch zah­lungs­fä­hi­gen Blase.

Putin soll jetzt Anar­chist sein? Was ler­nen die­se Leu­te heu­te eigent­lich in ihren selbst­ge­fäl­li­gen Zir­keln der Eli­te­unis so? Den Zustand, den sie durch Putin weg­be­rei­tet für ihr Abend­land befürch­tet, ohne Ord­nung – in Regel­lo­sig­keit, nennt man Ano­mie und nicht Anar­chie. Ist die­se Zur­schau­stel­lung von Unwis­sen­heit Dumm­heit oder Absicht? Ver­mut­lich letz­te­res, will man sich sei­nen Lor­beer als ver­läss­li­cher Satrap (altper­sisch für »Schüt­zer der Herr­schaft«) ver­die­nen muss man der­art Dümm­li­ches und Fal­sches wohl bringen.

Aber der Irrun­gen bei Frau Sauer­brey ist noch lan­ge nicht genug. In typisch pro­pa­gan­dis­ti­scher Manier geht die Ver­dre­hung der Ereig­nis­se wei­ter. Jetzt, erklärt sie, sei das Mins­ker Abkom­men durch Putin auf­ge­kün­digt. Die­ses Abkom­men regel­te in sei­nen 13 Punk­ten durch wel­che Schrit­te in wel­chem Zeit­rah­men die Kon­flikt­si­tua­ti­on in der Ukrai­ne bei­gelegt wer­den soll­te. Wären all die­se Punk­te, wie im Mins­ker Abkom­men ver­ein­bart, 2015 umge­setzt wor­den, wäre der Bür­ger­krieg Ende 2015 vor­bei gewe­sen. Da die­ser Zeit­rah­men längst abge­lau­fen ist darf die­ses Abkom­men schon seit Jah­ren als geschei­tert ange­se­hen wer­den. Ein Schei­tern die­ses Abkom­mens jetzt allei­nig Putin anzu­las­ten ist fern jeder Rea­li­tät, die Ver­ant­wort­li­chen in Kiew und sonst wo wer­den gehö­ri­gen Anteil dar­an gehabt haben. Über­haupt wird die Ver­ant­wor­tung des Wes­tens für die Bür­ger­kriegs­si­tua­ti­on in der Ukrai­ne völ­lig außer Acht gelas­sen. Wie viel Geld und ande­re Unter­stüt­zun­gen flos­sen in die Ukrai­ne und zu derer kor­rup­ten Admi­nis­tra­ti­on? Nun inzwi­schen sind auch direk­te Waf­fen­lie­fe­run­gen aus Deutsch­land geplant.

Ein Anar­chist ist Putin sicher nicht, ein auto­ri­tä­rer Herr­scher­typ hin­ge­gen schon. Und ja, er und die Ver­ant­wort­li­chen in Russ­land grei­fen jetzt zur Gewalt und das ist zu ver­ur­tei­len aber waren es nur ihre Ent­schei­dun­gen, die in die­se Situa­ti­on führ­ten oder steht das nicht viel­mehr am bis hier­hin vor­läu­fi­gen Ende einer Ent­wick­lung die durch die geo­stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen der Nato, also in ers­ter Linie der USA und ihrer Bünd­nis­treu­en, durch die mitt­ler­wei­le wie­viel­te Wel­le der Nato-Ost­erwei­te­rung her­bei­ge­führt wur­de. Wel­che Wege blei­ben denn Russ­land noch, wenn man die­sem ukrai­ni­schen Regime den NATO-Bei­tritt in Aus­sicht stellt und die offen natio­na­lis­ti­sche Regie­rung der Ukrai­ne in ihrer Rus­sen­feind­lich­keit ankün­digt wie­der Atom­waf­fen besit­zen zu wol­len. Man möch­te die USA nicht in einer ähn­li­chen Situa­ti­on, vor der eige­nen Haus­tür, erle­ben. Ach ja, das gab es ja schon mal in der Kuba­kri­se 1962 als die Welt ganz knapp am Atom­krieg vorbeischrammte.

Vor dem Rück­zug der sowje­ti­schen Trup­pen aus den Gebie­ten des ehe­ma­li­gen War­schau­er Pak­tes wur­den sei­tens der Ver­ant­wort­li­chen der Nato-Sie­ger­mäch­te Zusi­che­run­gen gemacht, an die man sich spä­ter mein­te, nicht mehr hal­ten zu müs­sen. Mitt­ler­wei­le gibt es vie­le Nato-Stütz­punk­te an den Gren­zen Russ­lands. Wer ist hier der Aggres­sor und spielt mit dem Feu­er, in dem er eine Atom­macht bedrängt.

Frau Sauer­brey beschert uns dann auch noch ein schö­nes Oxy­mo­ron – »… auto­ri­tä­ren Anar­chie …«. So umschreibt sie die unter­stell­te Ziel­set­zung Putins. Die­se sich eigent­lich wider­spre­chen­de Wort­schöp­fung besteht im ers­ten Teil aus dem Wort auto­ri­tär, was unbe­ding­ten Gehor­sam for­dernd bedeu­tet und dem Wort Anar­chie, was aus dem alt­grie­chi­schem kom­mend frei von Herr­schaft bedeu­tet. Die­ser eigent­lich ins Auge sprin­gen­de Wider­spruch küm­mert sie jedoch nicht, die pro­pa­gan­dis­ti­sche Absicht der Her­ren­men­schen war es schon immer die bes­te aller idea­lis­tisch gedach­ten Uto­pien zu ver­un­glimp­fen und in ihr Gegen­teil zu ver­keh­ren. Was meint denn nun Frau Sauer­brey mit die­ser dreis­ten Unmög­lich­keit? Das Putin selbst­be­stimmt die Inter­es­sen Russ­lands über die Inter­es­sen ande­rer Natio­nen stellt und sich nicht den geo­stra­te­gi­schen Vor­stel­lun­gen der Hege­mo­ni­al­macht USA und sei­ner Ver­bün­de­ten in der Nato unter­ord­net? Als treue Trans­at­lan­ti­ke­rin darf sie der­glei­chen nicht sehen, ja kann es viel­leicht nicht ein­mal. Ord­nung, das ist für sie allei­nig die Ord­nung des Wes­tens und wer sich hier nicht an die durch den Wes­ten defi­nier­ten Regeln hält, wählt in ihren Augen das Cha­os. Dabei ist es genau die­se über­heb­li­che her­ab­schau­en­de Art des Wes­tens die in der Ver­gan­gen­heit schon so fata­le Fol­gen für so vie­le hat­te. War­um wei­gert sich der Wes­ten die berech­tig­ten Sicher­heits­in­ter­es­sen Russ­lands wahr­zu­neh­men und die­se aner­ken­nend in einen gleich­wer­ti­gen Dia­log mit der Atom­macht Russ­land zu tre­ten. Nur so lie­ße sich viel­leicht dau­er­haft Frie­den auf die­sem Stück Welt sicherstellen.

Wirk­lich sicher wird die Welt aber wohl erst wenn genug Men­schen erken­nen das es die Staa­ten selbst sind, wel­che die größ­te Bedro­hung für ihre Sicher­heit sind. Die­se Staats­ge­bil­de sind Werk­zeug der Olig­ar­chen die­ser Erde, geführt durch Eli­ten, die selbst nur sel­ten auf den Schlacht­fel­dern blu­ten aber ver­ach­tungs­wür­di­ges Pres­ti­ge und rei­chen Lohn nur zu ger­ne ein­ste­cken. Erst die­se Staats­ge­bil­de ermög­li­chen die Orga­ni­sie­rung von Gewalt in einem Aus­maß, das heu­te die Exis­tenz des Men­schen auf dem Pla­ne­ten Erde bedroht. Ich für mei­nen Teil möch­te die­se Macht Nie­man­den zugestehen.

Putin will den Wes­ten spal­ten? Was hält ihn denn zusam­men? Es sind die gemein­sa­men Kapi­tal­in­ter­es­sen sei­ner Olig­ar­chen, in des­sen Diens­ten die lie­be Frau Sauer­brey so wenig gekonnt schreibt und natür­lich die Mili­tär­macht mit hege­mo­nia­lem Anspruch der Ober­ko­lo­ni­al­her­ren aus Über­see der USA, der schlimms­ten aller pseu­do­de­mo­kra­ti­schen Molo­che überhaupt.

Mei­nen Dank gibt es für das »chao­ti­sie­ren«, das ich mir vor­ge­nom­men habe in mei­nen Sprach­ge­brauch auf­zu­neh­men. Ich mei­ne unbe­dingt wir soll­ten alle viel mehr chaotisieren!

Dann schreibt sie noch von »Tagen der Zäsur«. Völ­ker­recht­lich ist letz­te­res aber schon ein paar Jah­re her als ihr wohl geord­ne­ter Wes­ten Jugo­sla­wi­en bom­bar­dier­te und das Selbst­be­stim­mungs­recht des Koso­vo gegen die zuvor als unver­letz­lich gel­ten­den Gren­zen eines sou­ve­rä­nen Lan­des durch­setz­te. Glei­ches darf jetzt wohl für die nach Unab­hän­gig­keit stre­ben­den Regio­nen mit hohem rus­si­schen Bevöl­ke­rungs­an­teil in der Ukrai­ne nicht gelten.

Da habe ich auch gleich das »Ost­ko­ka­i­ne« (O‑Ton) unse­rer bril­lie­ren­den Außen­mi­nis­te­rin im Ohr, naja irgend­wie muss man ja ver­su­chen in die­sen düs­te­ren Zei­ten die Stim­mung hochzuhalten.

Wo waren wir? Ach ja, die Zäsur. Aber leben wir nicht alle seit Coro­na in einer epo­cha­len Zäsur, die­ser Virus-Plan­de­mie mit der man die Bevöl­ke­run­gen des Wes­tens kriegs­reif ter­ro­ri­siert hat aber jetzt, wie es scheint über den Som­mer eine Pau­se erlaubt. Eine Pau­se von Coro­na? Ja. Aber doch nicht von Angst und Panik­ma­che. Nein dafür kommt der »chao­ti­sie­ren­de« Putin gera­de recht. Man muss ja stau­nen das ihm die­se dem lin­ken Spek­trum sonst vor­be­hal­te­ne Bezeich­nung zuteil­wur­de. Nach deut­scher Main­stream-Les­art müss­te er ja, der sich nicht in’s Gefü­ge des Wes­tens ein­pas­sen will, ein Nazi sein, so wie die ande­ren Abweich­ler, Anders- und Quer­den­ker auch. Aber so weit hat sich Frau Sauer­brey wohl nicht getraut zu gehen, weiß sie gar um die ech­ten Nazis vom Asow Regi­ment oder Pra­wyj Sek­tor in der Ukrai­ne, denen Putin ja nun offen den Kampf ange­sagt hat und mit denen der Wes­ten in den letz­ten Jah­ren unver­ständ­li­cher­wei­se so ger­ne pak­tier­te. Hier­nach müss­te man eigent­lich ver­mu­ten das die Desta­bi­li­sie­rung die­ser Regi­on ein Pro­jekt des Wes­tens war und ist. Ist es etwa der Wes­ten der hier chaotisiert?

Kom­men wir zum Lieb­lings­pro­jekt der Trans­at­lan­ti­ker, Nord-Stream 2 oder genau­er des­sen Ver­hin­de­rung. Bünd­nis­treue beweist sich auch für die­se selbst beru­fe­ne Hof­schran­ze dar­in, dass die deut­sche Eli­te schon mal die bezahl­ba­re Ener­gie­si­cher­heit der deut­schen Bevöl­ke­rung in Fra­ge stellt. Nein, spal­ten las­sen wol­len sich die west­li­chen Eli­ten nicht aber ihre eige­ne Bevöl­ke­rung ver­ar­men und viel­leicht auch bald ein biss­chen frie­ren las­sen das geht schon. Der gro­ße Bru­der aus Über­see wird uns sicher ger­ne mit sei­nem über­teu­er­ten und öko­lo­gisch desas­trö­sen Fracking Gas belie­fern, das Frau Sauer­brey uns, nebst noch mehr Wind­rä­dern und Solar­an­la­gen, für­sorg­lich an’s Herz legt.

Zum Schluss kom­men die bit­te­ren Pil­len – »… Zumu­tun­gen aus­hal­ten …« – schreibt Sie uns. Man darf schon auf kom­men­de Armuts­be­rich­te gespannt sein aber eigent­lich soll­te jedem klar sein: wenn Eli­ten von Zumu­tun­gen schrei­ben, kann die Bevöl­ke­rung und da beson­ders der ärme­re Teil des­sel­ben den Gür­tel enger schnal­len. Wie immer wer­den die, die kei­ne Lob­by haben in die­sem Land die Zeche zah­len. Es wer­den ihre Söh­ne und Töch­ter sein, die man an kom­men­den Fron­ten ver­heizt oder als immer mili­tan­ter auf­tre­ten­de Poli­zei­ein­hei­ten auf die reni­ten­ten Tei­le der eige­nen Bevöl­ke­rung hetzt, wie wir es unter dem Zei­chen der über­grif­fi­gen »Gesund­heits­für­sor­ge” bei Coro­na auch schon erle­ben muss­ten. Digi­ta­le Über­wa­chung, digi­ta­le Iden­ti­tät, die Abschaf­fung des Bar­gelds und ent­spre­chen­de Sank­tio­nen bei man­geln­der Kon­for­mi­tät. Dies und der­glei­chen mehr dürf­te mit Zumu­tun­gen gemeint sein. Kurz­um, gemeint ist tota­le Kon­trol­le. Die­ses neue Nor­mal ist eine Zumu­tung die wir nicht akzep­tie­ren dür­fen. Der immer auto­ri­tä­rer auf­tre­ten­de Staat des Wes­tens ist in faschis­ti­sche Gefil­de auf­ge­bro­chen, Jeder der bei Impf­apart­heit, Zen­sur und Poli­zei­ge­walt noch die Augen ver­schlie­ßen konn­te, soll­te nun erken­nen wie die Kriegs­pro­pa­gan­da trei­ben­de Rei­se neu­er­lich an die Ost­front führt. Die Etats für Rüs­tung und Mili­ta­ri­sie­rung wer­den über­all stei­gen, so wie es der »ich kann mich nicht erinnern”-Scholz schon ankün­digt. Ich befürch­te es kom­men dunk­le Zei­ten auf uns zu in denen Lie­be, Glück und Frei­heit es noch schwe­rer haben werden.

Lasst uns die­se Kata­stro­phe ver­hin­dern! Erkennt den Men­schen im Ande­ren und habt den Mut zur Friedfertigkeit!

Nie wie­der Faschismus!

Nie wie­der Krieg!

Verweise

(1) Wla­di­mir Putin: Der Anar­chist | ZEIT ONLINE

Seht auch hier rein: https://t.me/FreieLinkeAnarchisten

Zuerst erschie­nen auf https://​words​mith​.social/​f​r​e​i​e​l​i​n​k​e​a​n​a​r​c​h​i​s​t​en/

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