Pandemien und Kriege: Die deutsche Ökonomie vor der Übernahme durch US-Kapital?

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Mag­Ma ver­öf­fent­lich mit die­sem Text von Wal­ter Gro­be einen Arti­kel, der unter dem Titel »Mer­kels ewi­ge Pan­de­mie« am 2. März 2021 zuerst im Frei­en Fun­ken, dem dama­li­gen Organ der Frei­en Lin­ken erschie­nen ist. Was die Beschrei­bung der Coro­na-Pan­de­mie angeht, ist er auf dem Stand von März 2021. Im Haupt­teil sei­nes Arti­kels beschreibt Gro­be jedoch, wie das US-Kapi­tal spä­tes­tens seit 1989 mit unter­schied­li­chen Stra­te­gien ver­such­te, die als bedroh­lich emp­fun­de­ne wirt­schaft­li­che Kon­kur­renz des wie­der­ver­ei­nig­ten Deutsch­lands zu besei­ti­gen. Das ist offen­bar das nor­ma­le Vor­ge­hen der USA gegen­über »Ver­bün­de­ten«, die wirt­schaft­lich zu stark wer­den. Mit dem Pla­za-Abkom­men von 1985 wur­de zum Bei­spiel Japan gezwun­gen, sei­ne Wäh­rung, den Yen, schlag­ar­tig auf­zu­wer­ten. Für eini­ge Jah­re ström­te Spe­ku­la­ti­ons­ka­pi­tal ins Land und bewirk­te eine rie­si­ge Immo­bi­li­en­bla­se, die 1989 plat­ze und Japan in eine schwe­re Wirt­schafts­kri­se stürz­te, von der sich das Land bis heu­te nicht erholt hat. In den 80er Jah­ren galt Japan als auf­stre­ben­de Wirt­schafts­su­per­macht, ver­gleich­bar mit dem heu­ti­gen Chi­na. Nach 1989 war es kaum mehr eine ernst­zu­neh­men­de Mit­tel­macht. Wie Micha­el Hud­son in sei­nem Arti­kel »Der Dol­lar ver­schlingt den Euro« zei­gen konn­te, geht es den USA aktu­ell nicht nur dar­um, Russ­land durch einen Wirt­schafts­krieg in die Knie zu zwin­gen, son­dern auch die euro­päi­sche – beson­ders die deut­sche – Wirt­schaft als Kon­kur­renz zu besei­ti­gen. Damit radi­ka­li­siert Prä­si­dent Joe Biden eine Stra­te­gie, die seit 1989 alle US-Regie­run­gen gefah­ren haben. Das zeigt der nach­ste­hen­de Arti­kel und bestä­tigt damit die Ana­ly­se von Hud­son. Er trägt damit dazu bei, das schein­bar irra­tio­na­le Han­delns des Wes­tens im Rah­men des Ukrai­ne-Krie­ges zu erklären.

Vorbemerkung zur aktuellen Lage (Stand März 2021)

Die Äuße­rung von Ange­la Mer­kel, es müs­se jetzt die gesam­te Welt­be­völ­ke­rung geimpft wer­den und erst dann sei die Pan­de­mie vor­bei, könn­te als flap­si­ger Unsinn gedeu­tet wer­den; wahr­schein­li­cher ist aller­dings, dass der Kanz­le­rin ihre tat­säch­li­chen Vor­stel­lun­gen raus­ge­rutscht sind.

In bei­den Fäl­len liegt hier ein fina­ler Kom­pe­tenz­ver­lust vor.

Die gesam­te Welt­be­völ­ke­rung kann unmög­lich geimpft wer­den, schon ein­mal des­we­gen weil gro­ße Tei­le der Welt nicht unter der Kon­trol­le von Regie­run­gen ste­hen, die zur Durch­imp­fung ihrer Bevöl­ke­run­gen über­haupt wil­lens oder in der Lage sind. Und selbst wenn es anders wäre, wür­de es vie­le Jah­re dau­ern. Mer­kel müss­te die­se inter­na­tio­na­le Gespal­ten­heit eigent­lich gut ken­nen, daher kann ihre Äuße­rung real nur den Wunsch aus­drü­cken, dass die »Pan­de­mie« und ihre eige­ne dar­auf gestütz­te Poli­tik nie mehr enden möge.

Eine sol­che »Pan­de­mie« gibt es nicht. Es gibt kein welt­wei­tes Infek­ti­ons­ge­sche­hen, das es erfor­der­lich machen wür­de, in Kate­go­rien eines der­ar­ti­gen glo­ba­lis­ti­schen Radi­ka­lis­mus zu verfallen.

Die­je­ni­ge glo­ba­le Orga­ni­sa­ti­on, die als ein­zi­ge das for­ma­le Recht zur Behaup­tung besitzt, den Über­blick zu haben, die WHO, hat inzwi­schen das eige­ne frü­he­re Pan­de­mie-Nar­ra­tiv dras­tisch her­un­ter­ge­schraubt. Das ent­las­tet sie nicht von der Ver­ant­wor­tung, an zen­tra­ler Stel­le die Panik mit los­ge­tre­ten zu haben, und es ist wahr­schein­lich, dass sie unter dem Ein­fluss von Gates und Kon­sor­ten sich wei­ter an Ver­su­chen betei­ligt, ein glo­bal mög­lichst umfas­sen­des Sys­tem von Imp­fun­gen und den ent­spre­chen­den sozia­len Kon­trol­len in den Hän­den von (west­li­chen) Impe­ria­lis­ten zu errich­ten. Aber aktu­ell scheint es so zu sein, dass inzwi­schen eine poli­ti­sche Kon­stel­la­ti­on ein­ge­tre­ten ist, die der WHO eine Kor­rek­tur nahe­legt. Sie ist ja nicht nur von US-Ein­flüs­sen, son­dern auch vom riva­li­sie­ren­den Impe­ria­lis­ten Chi­na stark abhän­gig. Medi­zi­nisch war die Behaup­tung einer Pan­de­mie wegen SARS-CoV2 ohne­hin nie vertretbar.

Mer­kel aller­dings will sol­che Signa­le wohl nicht mehr ver­ste­hen, sonst wür­de sie nicht eine der­ar­ti­ge Kon­ti­nui­tät pflegen.

Wahr­schein­lich ist die deut­sche Regie­rung der­ar­tig am Ende ihres Lateins, dass ihre Che­fin nicht mehr steu­ern kann, was sie von sich gibt, und wenn es Kom­plett­blöd­sinn ist. Oder Mer­kel kann nicht mehr anders als die US-Agen­da zur völ­li­gen Rui­nie­rung und Nie­der­wer­fung Euro­pas aufrechtzuerhalten.

Wie konn­te es soweit kom­men, dass an der Spit­ze unse­res Lan­des nur noch Unfä­hi­ge zu fin­den sind, Mer­kels, Söders, Schol­ze, Lau­ter­bä­cher usf., die mit jedem Schritt, mit jeder Äuße­rung nur noch mehr Unheil anrichten?

Ein mar­kan­tes Ergeb­nis der letz­ten mehr als 20 Jah­re poli­ti­scher Tätig­keit von CDU, CSU, SPD, Grü­nen liegt jeden­falls im kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­lust wirt­schaft­li­cher Kom­pe­tenz des Landes.

Man­che Beob­ach­ter sehen es am Ran­de der Über­nah­me durch US-Kon­zer­ne ste­hen, vor allem aus dem Bereich der Daten­kra­ken und Über­wa­chungs­zen­tren, aus dem US-Finanz­ka­pi­tal und Big Pharma.

Mel­dun­gen, die sol­che Ver­mu­tun­gen näh­ren, häu­fen sich in letz­ter Zeit.

Beson­ders mar­kant fand ich in den letz­ten Tagen die Mel­dun­gen1 über den Chip­man­gel in der deut­schen Indus­trie: in der Auto­in­dus­trie bspw. ste­hen mitt­ler­wei­le Bän­der still, da der Nach­schub aus den inter­na­tio­na­len Lie­fer­ket­ten nicht mehr sicher ist. Im Extrem­fall kön­ne es dazu kom­men, dass 8 von 10 Indus­trie­un­ter­neh­men – nicht nur in der Auto­in­dus­trie – die nächs­ten zwei Jah­re nicht überleben.

Die Mer­kel­schen Lock­downs haben gro­ße Tei­le des Han­dels, des Tou­ris­mus, der Gas­tro­no­mie, der Dienst­leis­tun­gen usf. mitt­ler­wei­le in Plei­ten­ä­he gerückt, die Beschäf­tig­ten zum sozia­len Frei­wild erklärt und ihre Markt­an­tei­le zur Über­nah­me durch US-Kon­zer­ne wie Ama­zon frei­ge­ge­ben. Die­se kön­nen nun erfreut fest­stel­len, dass ihnen ähn­li­che Chan­cen auch in der deut­schen Indus­trie eröff­net wer­den, die von den Lock­downs bis­her weni­ger betrof­fen war, aber nun aus ande­ren Grün­den ein­kni­cken könnte.

Der Hin­ter­grund ist eigent­lich bekannt: das deut­sche Kapi­tal hat wis­sent­lich die eige­ne Ent­wick­lung von IT-Hard­ware bereits vor meh­re­ren Jahr­zehn­ten auf­ge­ge­ben (eini­ge Nischen aus­ge­nom­men) und soft­ware­mä­ßig sich der unei­gen­nüt­zi­gen Für­sor­ge der gro­ßen US-Kon­zer­ne anver­traut. Man konn­te die Inves­ti­tio­nen spa­ren – ent­spre­chend fet­ter fie­len die Gewin­ne aus. Wahr­schein­lich gab es auch Druck aus den USA gegen Anma­ßun­gen tech­ni­scher Selb­stän­dig­keit. Dass das inter­na­tio­na­le Umfeld eines Tages in riva­li­sie­ren­de Macht-und Wirt­schafts­blö­cke zer­fal­len könn­te, ja muss, mit den ent­spre­chen­den Fol­gen für die Belie­fe­rung mit stra­te­gi­schen Mate­ria­li­en wie Chips, scheint außer­halb der Vor­stel­lungs­kraft der Eig­ner und Mana­ger gele­gen zu haben. Auch hier wie in der Regie­rung: Spit­zen­kräf­te am Werk!

Der Chip­man­gel ist ein ein­zel­nes Indiz, aber lei­der las­sen sich ihm zahl­rei­che und gewich­ti­ge wei­te­re an die Sei­te stellen.

Wie weit ist der Ruin Deutschlands inzwischen fortgeschritten?

Was ist aus den Behaup­tun­gen gewor­den, man blei­be wenigs­tens auf eini­gen gewich­ti­gen öko­no­mi­schen Gebie­ten inter­na­tio­nal noch top – auch wenn man in vie­len ande­ren den Anspruch auf­ge­be – , so doch z.B. im Fahr­zeug­bau, im Flug­zeug­bau (gemein­sam mit Frank­reich), im Maschi­nen­bau, der Robo­tik, der Indus­trie 4.0? Wenn der Haupt­roh­stoff für alle die­se Gebie­te, die IT-Bau­tei­le, von einem kon­kur­rie­ren­den und u. U. feind­li­chen Aus­land nicht mehr gelie­fert wer­den, fal­len die­se Ver­hei­ßun­gen zusam­men und es blei­ben Mit­tel­maß, Bedeu­tungs­lo­sig­keit übrig.

Ich stel­le im Fol­gen­den fünf Schil­de­run­gen zusam­men über Kno­ten­punk­te der Ent­wick­lung der letz­ten 30 Jah­re, in denen die deut­schen Regie­run­gen im Zusam­men­spiel mit den wesent­li­chen Expo­nen­ten des Kapi­ta­lis­mus dem Nie­der­gang, der Deka­denz und der Unfä­hig­keit ein Tor nach dem ande­ren geöff­net haben.

Beschleu­nigt durch die aktu­el­le Coro­na­po­li­tik, ent­wi­ckeln die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen die­ser Fehl­steue­run­gen nun ihre eige­ne destruk­ti­ve Syn­er­gie. Dem Land könn­ten Abstür­ze und sozia­les Leid bevor­ste­hen, wie sie die meis­ten Mit­bür­ger sich bis­lang nicht ein­mal vor­stel­len kön­nen. Der Ruin Deutsch­lands ist das gemein­sa­me Werk sei­ner Spit­zen­ka­pi­ta­lis­ten und sei­ner Regie­run­gen und Parteien.

In 5 Sta­tio­nen ver­su­che ich im Fol­gen­den, den Weg in die neo­li­be­ra­le kapi­ta­lis­ti­sche Deka­denz nach­zu­zeich­nen, der Deutsch­land und ande­re so weit her­un­ter­ge­wirt­schaf­tet hat, dass faschis­ti­sches Regime und öko­no­mi­sche Über­nah­me durch ande­re rea­le aktu­el­le Dro­hun­gen gewor­den sind. Es sind fol­gen­de Komplexe:

  • Kom­plex 1: Das Platt­ma­chen der Öko­no­mie der frü­he­ren DDR nach der Her­stel­lung der deut­schen Ein­heit 1990. Das Erstar­ken der neo­li­be­ra­len Ver­sio­nen von Kapitalismus.

  • Kom­plex 2: Die Poli­tik der sog. Erneu­er­ba­ren Ener­gien, mit denen Kern­ener­gie und fos­sil befeu­er­te Kraft­wer­ke aus der Strom­pro­duk­ti­on ver­drängt wer­den sollen.

  • Kom­plex 3: Neo­li­be­ra­lis­mus und der Geist des (US-)Kapitalismus. Die Hartz-Geset­ze, die Nied­rig­lohn­po­li­tik, die wei­te­re Öff­nung der deut­schen Öko­no­mie für die Finanz­spe­ku­la­ti­on und der Koso­vo­krieg (das Prä­lu­di­um zu aggres­si­ver mili­tä­ri­scher Außenpolitik)

  • Kom­plex 4: Die Betei­li­gung Deutsch­lands an der west­li­chen Poli­tik in der Finanz­kri­se seit 2007 und wie damals noch viel grö­ße­re Finanz­kri­sen in die Wege gelei­tet wurden

  • Kom­plex 5: Der »Ener­gie­po­li­ti­sche Appell« des deut­schen Kapi­ta­lis­mus vom Sept. 2010 und Mer­kels »Fukushima«-Handstreich 2011

Komplex 1:

Das Platt­ma­chen der Öko­no­mie der frü­he­ren DDR nach der Her­stel­lung der deut­schen Ein­heit 1990. Das Erstar­ken der neo­li­be­ra­len Ver­sio­nen von Kapitalismus.

Die deut­sche Ein­heit, abs­trakt betrach­tet längst fäl­lig und unbe­streit­bar, wur­de auf eine Wei­se in der inter­na­tio­na­len Poli­tik her­bei­ge­führt und dann im Innern durch­ge­zo­gen, die viel Ungu­tem zum Durch­bruch ver­hol­fen hat. Sie hat in ihrem kon­kre­ten Ver­lauf den Prak­ti­ken des neo­li­be­ral ent­fes­sel­ten Kapi­ta­lis­mus eine ent­schei­den­de Bre­sche geschla­gen, im Inne­ren Deutsch­lands und Euro­pas, und sie bil­det einen Auf­takt zur inter­na­tio­na­len Sin­fo­nie von hals­ab­schnei­de­ri­scher Öko­no­mie und Kriegs­greu­eln unter Füh­rung der USA, die bis heu­te unse­re Ohren betäubt.

Die Ein­ver­lei­bung der DDR in die BRD wur­de in letz­ter Instanz nicht her­vor­ge­ru­fen und ent­schie­den durch einen viel­leicht unwi­der­steh­li­chen Auf­stand demo­kra­ti­scher Bür­ger der DDR. Das Auf­be­geh­ren spiel­te zwei­fel­los eine gewich­ti­ge Rol­le. Ihre poli­ti­sche Blind­heit hat den Trä­gern aber im wei­te­ren auch vie­le unschö­ne Fol­gen ein­ge­tra­gen. Die »fried­li­che Revo­lu­ti­on« fand im Rah­men von geo­stra­te­gi­schen Manö­vern der USA statt.

Die deutsche Einheit und die Geostrategie der USA

Die Stra­te­gie der USA unter Rea­gan und Brze­zinski ziel­te bereits zu Beginn der 80er Jah­re mit wach­sen­der Strin­genz auf die Liqui­die­rung der noch bis dahin zwei­ten Super­macht, der Sowjet­uni­on, und auf die Been­di­gung der fak­ti­schen Zwei­tei­lung der Welt; fort­an woll­ten die USA der allei­ni­ge Welt­he­ge­mon sein, und die euro­päi­sche Situa­ti­on war der ent­schei­den­de Raum des Umschwungs.

Die bis­he­ri­ge Super­macht­stel­lung der Sowjet­uni­on hat­te wesent­lich beruht auf ihrer Herr­schaft über einen Teil Deutsch­lands, über ganz Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa. Die wirt­schaft­li­che Kraft der DDR, der Tsche­cho­slo­wa­kei und ande­rer hat­te einen gro­ßen Anteil dar­an gehabt, das maro­de wer­den­de öko­no­mi­sche rus­si­sche Sys­tem noch am Lau­fen zu hal­ten, und der War­schau­er Pakt ermög­lich­te der Sowjet­uni­on eine gigan­ti­sche, zeit­wei­lig höchst aggres­si­ve mili­tä­ri­sche Front­stel­lung gegen­über dem übri­gen Europa.

Mit der deut­schen Ein­heit stutz­ten die USA, mit der Hil­fe von bestimm­ten Poli­ti­kern der Sowjet­uni­on wie Gor­bat­schow, die­se Herr­schafts­an­sprü­che der Sowjet­uni­on in Euro­pa und zwan­gen die inner­lich längst unhalt­bar morsch gewor­de­ne Uni­on danach inner­halb kur­zer Zeit zur Selbstauflösung.

Das ver­blei­ben­de Russ­land muss­te sich nicht nur auf eine ver­klei­ner­te, öst­li­che­re Regi­on zurück­zie­hen, son­dern hat­te sich auch inner­lich radi­kal­ka­pi­ta­lis­tisch zu ver­wan­deln. Hier wur­de das Schlech­te der SU-Ver­gan­gen­heit kon­zen­triert ganz nach oben gespült, vor allem die sog Olig­ar­chen, und sie soll­ten dem US-Finanz­ka­pi­tal einen ent­schei­den­den inne­ren Hebel in Russ­land lie­fern, was aller­dings im Wei­te­ren wegen Putin nicht wirk­lich gelun­gen ist.

Die stra­te­gi­sche Kon­trol­le über Eura­si­en, die Grund­for­de­rung der US-Geo­stra­te­gen seit mehr als einem Jahr­hun­dert, hängt aus deren Gesichts­feld ent­schei­dend ab von zwei Spal­tungs­li­ni­en, eine im Wes­ten, eine im Osten.

Die im Wes­ten soll ver­hin­dern, dass Euro­pa, und das heißt wegen sei­ner zen­tra­len Stel­lung und sei­ner Poten­tia­le vor allem Deutsch­land, ein nor­ma­le­res »nach­bar­schaft­li­che­res« Ver­hält­nis zu Russ­land ent­wi­ckelt, Kon­fron­ta­ti­on abbaut und sich mili­tä­ri­scher Geg­ner­schaft zu Russ­land wider­setzt. In zwei Welt­krie­gen war es zuvor den USA gelun­gen, die gewal­ti­gen Kon­fron­ta­tio­nen die­ser bei­den Län­der poli­tisch für sich aus­zu­nut­zen und letzt­lich die Ober­herr­schaft über das west­li­che Euro­pa zu ergattern.

Die Spal­tungs­li­nie im Osten soll eine tie­fe­re Alli­anz Chi­nas mit Russ­land ver­hin­dern, wel­che vor allem ange­sichts des noch immer gewal­ti­gen rus­si­schen Waf­fen­parks die inter­na­tio­na­le mili­tä­ri­sche Domi­nanz der USA aus­he­beln könnte.

Den »Eurasien«-Interessen der USA ent­spre­chend ist gera­de die deut­sche Ent­wick­lung nach 1989 ein fort­ge­setz­tes hef­ti­ges, jedoch fast nie an die Ober­flä­che und ins all­ge­mei­ne Bewusst­sein tre­ten­des Rin­gen gewe­sen, den deut­schen Zuwachs an Poten­ti­al, die deut­schen Ansprü­che auf selb­stän­di­ge­re Poli­tik und nament­lich auf enge­re Anknüp­fung mit Russ­land zu unterbinden.

Die DDR-Ökonomie plattmachen – eine Schande mit Nachwirkungen

Ein Schlüs­sel­er­eig­nis der wei­te­ren Ent­wick­lung war die öko­no­mi­sche Über­nah­me der DDR durch die BRD unter inter­na­tio­na­ler kapi­ta­lis­ti­scher Kon­trol­le 1990 ff. Sie ent­wi­ckel­te sich zu einem wüs­ten Schau­spiel des Platt­ma­chens, der kapi­ta­lis­ti­schen Gau­ne­rei­en und der Ernied­ri­gung der Bevöl­ke­rung, und in den west­li­chen Bun­des­län­dern wur­den Bil­lio­nen dem Wohl­stand der Bevöl­ke­rung und der Ver­bes­se­rung der Infra­struk­tu­ren ent­zo­gen, um den west­li­chen Kon­zer­nen, den Spe­ku­lan­ten und Oppor­tu­nis­ten auf dem ehe­ma­li­gen DDR-Gebiet das Leben zu ver­sü­ßen. Das nann­te sich »Soli«.

Die­se Vor­gän­ge haben ent­schei­dend bei­getra­gen, ungu­te Prin­zi­pi­en, aso­zia­le Strö­mun­gen und mie­se Indi­vi­du­en nach oben zu spü­len – in Wirt­schaft, Poli­tik und Kultur.

Wie seitens der USA immer um die politische und mentale Inferiorität Deutschlands gekämpft wurde

Der inter­na­tio­na­le, vor allem der west­li­che Druck, der Druck der USA auf das ver­ei­nig­te Deutsch­land ist bis heu­te immer in enor­mer Här­te auf­recht­erhal­ten worden.

Alle Kräf­te, die eine selb­stän­di­ge­re Außen­po­li­tik, eine inne­re Kon­so­li­die­rung und eine Rei­ni­gung von Öko­no­mie und Poli­tik ins Auge zu fas­sen gewagt hat­ten, beka­men immer wie­der sehr klar gezeigt, dass das für sie böse endet. Auch Ansprü­che auf mehr inter­na­tio­na­les Gewicht wur­den kupiert.

Ohne Ein­zel­hei­ten zu nen­nen ver­wei­se ich auf die spek­ta­ku­lä­ren Mor­de an Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten wie Herr­hau­sen und Roh­wed­der im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit der deut­schen Ein­heit, und auf die Ver­ei­te­lung aller Ver­su­che (noch unter Kohl und Gen­scher), den Zer­fall Jugo­sla­wi­ens auf dem Bal­kan für eine Ver­stär­kung deut­scher Ein­flüs­se dort zu nut­zen. Statt­des­sen erkämpf­ten sich die USA dort, nament­lich durch den Bos­ni­en­krieg, die Domi­nanz, mach­ten Wit­ze über die mili­tä­ri­sche Nul­lig­keit nicht nur Deutsch­lands, son­dern des gan­zen übri­gen Euro­pa, und zwan­gen dann Deutsch­land sogar zur Teil­nah­me an dem Angriffs­krieg gegen Ser­bi­en 1999.

Schließ­lich ist zu nen­nen der ziem­lich erfolg­rei­che Kampf vor allem der USA um immer mehr finan­zi­el­len, digi­tal­ka­pi­ta­lis­ti­schen und kul­tu­rel­len Ein­fluss gera­de in Deutsch­land und in Euro­pa über­haupt. Es geht um dau­er­haf­te Infe­rio­ri­tät Deutsch­lands und Euro­pas ins­ge­samt gegen­über dem Kapi­ta­lis­mus und Impe­ria­lis­mus der USA.

Komplex 2:

Die Poli­tik der sog. Erneu­er­ba­ren Ener­gien, mit denen Kern­ener­gie und fos­sil befeu­er­te Kraft­wer­ke aus der Strom­pro­duk­ti­on ver­drängt wer­den sollen.

Hier muss der Beschluss zum Aus­stieg aus der Kern­ener­gie2 und der Errich­tung eines Strom­erzeu­gungs­sys­tems mit­tels sog. Erneu­er­ba­rer Ener­gien noch ein­mal einer ana­ly­ti­schen Nach­be­trach­tung unter­zo­gen wer­den. Die­ser »Kon­sens« wur­de im Jah­re 2000 von der Regie­rung Schrö­der (SPD) und Fischer (Grü­ne), gestützt auf jahr­zehn­te­lan­ge irra­tio­na­le und von den Super­mäch­ten geför­der­te Anti-Kern­ener­gie-Kam­pa­gnen und in merk­wür­di­gem Ein­ver­neh­men mit den deut­schen kapi­ta­lis­ti­schen Spit­zen­ver­bän­den erzielt und dann in Geset­zes­form gebracht.

Im Jah­re 2021 ste­hen nun Deutsch­land und gro­ße Tei­le Euro­pas in beglü­cken­der Erwar­tung zuneh­men­der Black­outs und der ent­spre­chen­den wei­te­ren Ver­wüs­tun­gen im gesell­schaft­li­chen Leben dank des bil­lio­nen­schwe­ren jahr­zehn­te­lan­gen Umrüs­tens auf die »Erneu­er­ba­ren«. Sol­che Tief­schlä­ge wür­den sich pass­ge­nau zusam­men­fü­gen mit den durch die Coro­na­po­li­tik vom Zaun gebro­che­nen gesell­schaft­li­chen Schäden.

Zum Kern des Aus­stiegs­be­schlus­ses gehör­te die Eröff­nung einer unge­ahn­ten Flut von Pro­fi­ten in die Taschen der gro­ßen Strom­kon­zer­ne, mit der ihnen der Wider­stand gegen die Ver­schrot­tung des­je­ni­gen Teils ihrer Basis abge­kauft wur­de, der wis­sen­schaft­lich-tech­nisch und öko­no­misch der fort­ge­schrit­tens­te war. Es wur­de ihnen erlaubt, sich zu markt­be­herr­schen­den Mono­po­len mit Extrem­prei­sen zu for­mie­ren, in einer Gegen­be­we­gung zur damals wach­sen­den preis­sen­ken­den euro­pa­wei­ten Kon­kur­renz; die sog. Libe­ra­li­sie­rung des Strom­mark­tes war damals ein wesent­li­ches EU-Pro­jekt gewe­sen und wur­de nun von Deutsch­land konterkariert.

Ein wei­te­rer Aspekt: Alle Garan­tie­mäch­te der deut­schen Eini­gung, die USA, Russ­land sowie die zu den Welt­kriegs-Sie­ger­mäch­ten gezähl­ten euro­päi­schen Kon­kur­ren­ten Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en ent­wi­ckeln die kern­phy­si­ka­li­sche Wis­sen­schaft und die ent­spre­chen­den Tech­no­lo­gien selbst­ver­ständ­lich zu öko­no­mi­schen wie mili­tä­ri­schen Zwe­cken wei­ter und zogen aus Tscher­no­byl und Fuku­shi­ma kei­ne brem­sen­den, son­dern vor­an­trei­ben­de Kon­se­quen­zen,- Chi­na, Indi­en und eine gan­zen Rei­he ande­rer klei­ne­rer Staa­ten sowie­so. Deutsch­land aber muss­te dar­auf ver­zich­ten, obwohl es gera­de in der zivi­len Kern­tech­nik bereits in den 70er Jah­ren nicht nur mit gewöhn­li­chen Leicht­was­ser­re­ak­to­ren, son­dern auch Wie­der­auf­ar­bei­tung und der Tech­nik von Brut- und Hoch­tem­pe­ra­tur­re­ak­to­ren an der Welt­spit­ze ange­langt war.

Der Ver­zicht Deutsch­lands auf Kern­waf­fen ist aus­drück­lich im 2+4‑Vertrag über die deut­sche Ein­heit ver­an­kert; der Ver­zicht auf die wis­sen­schaft­li­che Wei­ter­ent­wick­lung und die wirt­schaft­li­che Nut­zung der Kern­ener­gie nicht, aber er war ver­mut­lich in den Jah­ren vor 1989, als auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne die deut­sche Ein­heit bereits wesent­lich son­diert wur­de, schon ins­ge­heim den USA etc. kon­ze­diert wor­den.3

Im Gefol­ge die­ses Aus­stiegs­be­schlus­ses wur­den erheb­li­che Tei­le der deut­schen wis­sen­schaft­li­chen Kom­pe­tenz und welt­weit nach­ge­frag­ter Tech­nik liqui­diert. Es hat­te bspw. auch eini­ge wich­ti­ge Län­der der Drit­ten Welt gege­ben, Argen­ti­ni­en, Bra­si­li­en und Iran, die sich von Deutsch­land ent­wi­ckel­te kern­tech­ni­sche Anla­gen errich­ten las­sen woll­ten, um damit auch die ernied­ri­gen­de Abhän­gig­keit von den west­li­chen Ölmo­no­po­len zu min­dern. Das war bereits zuvor an rabia­ten poli­ti­schen Inter­ven­tio­nen der USA etc. gescheitert.

Man unter­schrieb in Gestalt des Aus­stiegs­be­schlus­ses auch die wei­te­re poli­ti­sche Unter­ord­nung unter die, die vor lan­ger Zeit ein­mal Sie­ger­mäch­te gewe­sen waren, und zur Beloh­nung wur­de das Land bzw. bestim­me Groß­un­ter­neh­men mit einer nar­ko­ti­sie­ren­den, sedie­ren­den Geld­flut über­schwemmt. Wenn ein sol­cher Vor­gang nicht tie­fe mora­li­sche Spu­ren hin­ter­lässt, die wei­te­re Käuf­lich­kei­ten vor­be­rei­ten, was sonst?

Komplex 3:

Neo­li­be­ra­lis­mus und der Geist des (US-)Kapitalismus. Die Hartz-Geset­ze, die Nied­rig­lohn­po­li­tik, die wei­te­re Öff­nung der deut­schen Öko­no­mie für die Finanz­spe­ku­la­ti­on und der Koso­vo­krieg (das Prä­lu­di­um zu aggres­si­ver mili­tä­ri­scher Außenpolitik)

Der US-ame­ri­ka­ni­sche Kapi­ta­lis­mus hat tra­di­tio­nell sei­ne eige­nen Vor­stel­lun­gen über die gesell­schaft­li­chen Auf­ga­ben der Wirt­schaft, über Erfolg, Glück und Moral; die­se Vor­stel­lun­gen unter­schei­den sich erheb­lich von den meis­ten tra­di­tio­nel­len euro­päi­schen und ent­sprin­gen auch bestimm­ten reli­giö­sen Tra­di­tio­nen, die in Euro­pa nie­mals so domi­nant wer­den konn­ten wie auf der ande­ren Sei­te des Atlantik.

Ganz kurz und grob for­mu­liert ist dort seit jeher typisch die Auf­fas­sung, der Sinn der Wirt­schaft sei es, den Men­schen so viel Geld ein­zu­brin­gen wie mög­lich, dem­entspre­chend geht es dar­um, der größ­te Mil­li­ar­där zu wer­den und man soll­te sol­chen Vor­bil­dern nach­ei­fern statt sie zu kritisieren.

Wenn Men­schen nicht so erfolg­reich sind, dann ist es ihre eige­ne Schuld und sie wer­den zu Recht für ihre indi­vi­du­el­le Schwä­che mit wirt­schaft­li­chem Miss­erfolg bestraft. Wem das Leid der Armen Sor­gen berei­tet, der kann sich durch Für­sor­ge, durch Phil­an­thro­pie see­lisch ent­las­ten; Gesell­schaf­ten aber, die etwa Sys­te­me der sozia­len Absi­che­rung für die Mas­sen her­vor­brin­gen, hän­gen bloß wie Blei­ge­wich­te an die Fer­sen der eigent­li­chen Macher.

Was man seit eini­gen Jahr­zehn­ten als Neo­li­be­ra­lis­mus bezeich­net, ist in die­sem Sin­ne nicht neu, es gehört zum kul­tu­rel­len Selbst­ver­ständ­nis der USA, genau­er gesagt ihrer füh­ren­den Schich­ten, reicht aber wohl bis hin­un­ter zum klei­nen Unter­neh­mer und in tie­fe­re sozia­le Schichten.

Vie­le Grün­der der bri­ti­schen Kolo­nien in Nord­ame­ri­ka gehör­ten zu bestimm­ten reli­giö­sen Rich­tun­gen, vor­wie­gend des Cal­vi­nis­mus, der im 16. Jahr­hun­dert in Euro­pa in Kon­kur­renz zu ande­ren refor­ma­to­ri­schen Rich­tun­gen wie der luthe­ri­schen ent­stan­den war. Er ent­wi­ckel­te sich haupt­säch­lich in den­je­ni­gen Län­dern stark, die früh­ka­pi­ta­lis­tisch, mit inter­na­tio­na­lem Han­del, Kolo­nien, Skla­ven­wirt­schaft und Pira­te­rie sich damals an die Welt­spit­ze kämpf­ten. Das waren die Nie­der­lan­de und Eng­land. Man­che Kul­tur­his­to­ri­ker wei­sen dar­auf hin, dass der Cal­vi­nis­mus ein beson­ders har­tes Gewinn­stre­ben mit inspi­riert haben dürf­te auf der Grund­la­ge sei­ner reli­giö­sen Dok­trin der Prädestination.

Gewis­se hals­ab­schnei­de­ri­sche Ten­den­zen, aus­ge­prägt vor allem bei den Angel­sach­sen nach der Degra­die­rung der Nie­der­lan­de im Ver­lauf des 17. Jahr­hun­derts, las­sen sich mühe­los gera­de in der neo­li­be­ra­len Gegen­wart wie­der­erken­nen, so z.B. in der Domi­nanz des Finanz­ka­pi­tals, in der es um nichts geht als um die Her­aus­pres­sung von noch mehr Geld aus dem gesam­ten gesell­schaft­li­chen Sys­tem, egal wie unpro­duk­tiv und/​oder kri­mi­nell es gewor­den sein mag. Wie einer der fet­tes­ten Expo­nen­ten – Blank­fein von Gold­man Sachs – dann 2009 mit­ten in der Finanz­kri­se sagen soll­te: Wir Ban­ker tun Got­tes Werk.

Zwar ist es dem US-Finanz­ka­pi­ta­lis­mus in der Kri­se ab 2007 gelun­gen, Kon­kur­ren­ten wie den euro­päi­schen fast nie­der­zu­wer­fen, aber um den Preis, dass die extre­me Miss­wirt­schaft gemein­sam noch gestei­gert wur­de und heu­te selbst von Gott nicht mehr geret­tet wer­den kann.

Die ers­ten gro­ßen Vor­stö­ße der Schrö­de­r/­Fi­scher-Regie­rung rasch nach ihrer Amts­über­nah­me im Okto­ber 1998 waren der Kern­ener­gie-Aus­stieg, die wei­te­re Öff­nung Deutsch­lands für inter­na­tio­na­les und über­haupt für spe­ku­la­ti­ves Finanz­ka­pi­tal (bspw. mit­tels der Öff­nung des Ren­ten­sys­tems für pri­va­te Finanz­un­ter­neh­men) und die Aus­wei­tung der Arbeit­neh­mer-Recht­lo­sig­keit und des Nied­rig­lohn­sek­tors, nament­lich durch die Hartz-und Leih­ar­beits­ge­set­ze. Die­se Din­ge hän­gen unter­ein­an­der zusam­men und folg­ten weit­ge­hend auch US-Forderungen.

Die­se Folg­sam­keit drück­te sich sehr dras­tisch auch dar­in aus, dass die aus den tra­di­tio­nell »pazi­fis­tisch« argu­men­tie­ren­den Par­tei­en Grü­ne und SPD zusam­men­ge­setz­te Regie­rung 1999 beflis­sen an dem Angriffs­krieg gegen Rest-Jugo­sla­wi­en teilnahm.

Zwar war es bereits 2002 dann mit der Kriegs­ge­folg­schaft erst ein­mal vor­bei, Deutsch­land und Frank­reich in einer Abspra­che mit Russ­land erklär­ten ihre Nicht­teil­nah­me am zwei­ten Irak­krieg der USA, aber die Zer­set­zung der inne­ren öko­no­mi­schen und sozia­len Struk­tu­ren Deutsch­lands wur­de wei­ter­ge­trie­ben. Die gro­ßen deut­schen Gewerk­schaf­ten Metall und Öffent­li­cher Dienst erklär­ten ihre Zustim­mung zu den Hartz-Geset­zen, Gewerk­schaf­ter Ries­ter war für die Pri­va­ti­sie­run­gen im Ren­ten­be­reich zuständig.

Die Schrö­de­r/­Fi­scher-Regie­rung wur­de 2005 von einer Gro­ko Mer­kel-SPD abge­löst, womit schon deut­lich wur­de, dass die von der Mas­se mit­tels Wahl ange­streb­te Abwen­dung von der oben skiz­zier­ten Poli­tik von SPD/​Grünen nicht statt­fin­den würde.

Was ich Mer­kel vor­wer­fe, ist ihre Unfä­hig­keit oder sogar ihr man­geln­der Wil­le, sich den skiz­zier­ten Trends ent­ge­gen­zu­stel­len und für ande­re, posi­ti­ve­re, auch von bes­se­ren euro­päi­schen Tra­di­tio­nen inspi­rier­te Gesell­schafts­mo­del­le zu kämp­fen. Es mag sein, dass staats­bü­ro­kra­ti­sche, aus bestimm­ten DDR-Prak­ti­ken her­rüh­ren­de Nei­gun­gen ihre Men­ta­li­tät mit prä­gen; viel tref­fen­der dürf­te sie aber mit ihrer Füg­sam­keit gegen­über dem Neo­li­be­ra­lis­mus, über­haupt gegen­über der Reduk­ti­on des gesell­schaft­li­chen Den­kens auf Geld­flüs­se, mit Affi­ni­tät zum US-Den­ken beschrie­ben wer­den. Soviel zu dem rech­ten Gela­ber, ihre Poli­tik sei »sozia­lis­tisch«.

Sie ist für die ent­spre­chen­de Umwand­lung Deutsch­lands, das von sei­ner geschicht­li­chen Her­kunft und sei­nen Struk­tu­ren her eigent­lich einen ziem­lich ande­ren Cha­rak­ter hat und einen har­ten Bro­cken dar­stellt, beson­ders geeig­net gewe­sen. Sie hat es bis­her meist geschafft, die Öffent­lich­keit mit gespiel­ter Für­sorg­lich­keit »für alle« und einem per­ma­nen­ten Her­un­ter­spie­len poli­ti­scher Wider­sprü­che ein­zu­lul­len, wäh­rend sie hin­ter den Kulis­sen jeden gekonnt fer­tig­macht, der aus der Spur gehen könn­te – das behaup­ten jeden­falls ande­re Beobachter.

Viel­leicht fin­det jemand mal Zeit und Lust, die Rol­le von bestimm­ten »Think­tanks« wie der Ber­tels­mann-Stif­tung bei der Ein­imp­fung des neo­li­be­ra­len, am abso­lu­ten Prin­zipat des Geld­in­ter­es­ses ori­en­tier­ten »Den­kens« über die Jahr­zehn­te hin­weg zu beleuch­ten. Wahr­schein­lich hängt deren Trei­ben auch mit so etwas wie dem »World Eco­no­mic Forum« (Klaus Schwab, Davos) zusam­men, jeden­falls inhaltlich.

Komplex 4:

Die Betei­li­gung Deutsch­lands an der west­li­chen Poli­tik in der Finanz­kri­se seit 2007 und wie damals noch viel grö­ße­re Finanz­kri­sen in die Wege gelei­tet wurden

Hier möch­te ich, kurz zusam­men­fas­send, auf eini­ge schon ander­wei­tig geäu­ßer­te Ein­schät­zun­gen zurück­kom­men und repro­du­zie­re eine län­ge­re Pas­sa­ge aus mei­nem Bei­trag »Der Ruin Deutsch­lands, Sys­tem und Ziel« vom 10. Juli 2011. Der fol­gen­de Text bis zum neu­en Abschnitt »Kom­plex 5: Der ›Ener­gie­po­li­ti­sche Appell‹…« ist also ein Zitat aus 2011, mit eini­gen klei­nen For­mu­lie­rungs­be­gra­di­gun­gen oder Anschärfungen.

Die welt­wei­te Finanz­kri­se wur­de 2007 aus­ge­löst durch das Auf­flie­gen kri­mi­nel­ler Schnee­ball­sys­te­me, die vor allem die inter­na­tio­na­len »Invest­ment­ban­ken« der USA, Groß­bri­tan­ni­ens und ande­rer Län­der, auch Deutsch­lands, auf­ge­zo­gen hat­ten. Die­se Machen­schaf­ten, das bei wei­tem größ­te Betrugs- und Ent­eig­nungs­un­ter­neh­men der bis­he­ri­gen Welt­ge­schich­te, waren ihrer­seits Aus­druck der Wider­sprü­che in den welt­wei­ten kapi­ta­lis­ti­schen Bezie­hun­gen über­haupt. Außer auf per­ma­nen­te Fak­to­ren wie die kapi­ta­lis­ti­sche Über­pro­duk­ti­on und die Unter­kon­sum­ti­on der Mas­sen in der Welt möch­te ich hier hin­wei­sen auf die mehr oder weni­ger weit gehen­de Ent­lee­rung der ent­wi­ckel­ten Län­der von der indus­tri­el­len Pro­duk­ti­on (eine Kern­for­de­run­gen gera­de der grü­nen Rich­tung seit Mit­te der 70er Jah­re), auf die dem­entspre­chen­de Kon­zen­tra­ti­on einer neu­en inter­na­tio­na­len Arbei­ter­klas­se in Chi­na und ande­ren, v.a. gleich­falls asia­ti­schen, Län­dern, sowie auf die höchst ein­sei­ti­ge Kon­zen­tra­ti­on der Finanz­strö­me in den USA etc.

Nach den unver­meid­li­chen (und von höchs­ten Stel­len wohl auch als Knal­ler insze­nier­ten) Bank­rot­ten der Jah­re 2007 ff. mach­ten sich Regie­run­gen wie die der USA, Groß­bri­tan­ni­ens und auch Deutsch­lands dar­an, die Ver­lus­te der Groß­spe­ku­lan­ten aus ihren fik­ti­ven For­de­run­gen in rea­les Geld umzu­mün­zen. Statt sie zu bestra­fen und ihre Staa­ten unab­hän­gi­ger zu machen, haben sie den Gau­nern die höchs­ten Orden, die der »Sys­tem­re­le­vanz« umge­hängt (was sagt das über das Sys­tem?) und die Wirt­schafts­kraft ihrer Län­der an die Sanie­rung und die künf­ti­gen Pro­fi­te der eigent­li­chen Bank­rot­teu­re ver­pfän­det, in einem Maße, das jen­seits aller Rea­li­sie­rungs­chan­cen und selbst der Vor­stel­lungs­kraft der Betei­lig­ten liegt.

Wenn die Staats­haus­hal­te der USA, Deutsch­lands etc. in den kom­men­den Jahr­zehn­ten die Sum­men auf­brin­gen sol­len, die sie in der Kri­se in Form von wei­te­ren Schul­den an das Finanz­ka­pi­tal auf­ge­häuft haben, um die­ses nicht nur zu »ret­ten«, son­dern noch fet­ter zu machen, dann ist ein Groß­teil der Welt­be­völ­ke­rung schon heu­te plei­te. Die Kri­se hat durch die­se ihre sog. Bewäl­ti­gung erst rich­tig begonnen.

Wenn es eine Regie­rung gibt in kapi­ta­lis­ti­schen Län­dern, die ihre Ver­ban­de­lung mit dem inter­na­tio­na­len Finanz­ka­pi­tal in der Kri­se noch stär­ker bewie­sen und ver­stärkt hat als die deut­sche der Mer­kel, Stein­brück, Schäub­le, Wei­de­mann, Asmus­sen etc., dann bit­te mel­den. Ich glau­be, die ist Spit­ze in die­ser Beziehung.

Bereits vor Aus­bruch der Kri­se 2007 war der deut­sche Staats­haus­halt in einem Maße über­schul­det, dass nie­mand ange­ben konn­te, wie er sich jemals vom Tropf des Finanz­ka­pi­tals wie­der wür­de lösen kön­nen. Die – offi­zi­el­le – Ver­schul­dung allein der poli­ti­schen Haus­hal­te (Bund, Län­der, Kom­mu­nen) betrug bereits damals um die 1500 Mrd. €, von der Unfi­nan­zier­bar­keit des künf­ti­gen Ren­ten­sys­tems und ande­ren Las­ten ein­mal abge­se­hen. Vor allem die Ent­in­dus­tria­li­sie­rung der frü­he­ren DDR im Gefol­ge ihres Anschlus­ses an die BRD, die einen Groß­teil der dor­ti­gen Bevöl­ke­rung in Wohl­fahrts­emp­fän­ger ver­wan­del­te, hat­te der Staats­ver­schul­dung enor­me wei­te­re Schü­be ver­lie­hen. Zuvor schon hat­te die Poli­tik der Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­run­gen seit Mit­te der 70er Jah­re mit der kon­ti­nu­ier­lich wach­sen­den Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit zum stän­di­gen Schul­den­zu­wachs geführt. Kom­bi­niert mit der wach­sen­den Unfi­nan­zier­bar­keit der künf­ti­gen Ren­ten und der zuneh­men­den Über­al­te­rung der Bevöl­ke­rung waren bereits damals künf­ti­ge Zusam­men­brü­che wahr­schein­lich geworden.

Das alles ist jetzt mit der Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung in der Finanz­kri­se poten­ziert worden.

Nicht zufäl­lig wur­de ins­be­son­de­re die Deut­sche Bank in all die­sen Zei­ten immer wie­der sicht­bar in drei oder vier mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Rol­len: als Garant der Staats­ver­schul­dung, als ein wich­ti­ger Akteur der inter­na­tio­na­len Schnee­ball­sys­te­me, als wesent­li­che Platt­form der orga­ni­sier­ten Steu­er­hin­ter­zie­hung der Rei­chen und als poli­tisch-öko­no­mi­scher Chef­be­ra­ter der deut­schen Regie­run­gen. Man soll­te sich dar­an erin­nern, daß der Kern­ener­gie-Aus­stiegs­be­schluß der Schrö­der-Fischer-Regie­rung von 2000 von Gut­ach­ten der Deut­schen Bank (und mei­ner Erin­ne­rung nach auch ande­rer Spit­zen­in­sti­tu­te der deut­schen Finanz­welt) flan­kiert wur­de, wor­in die Liqui­die­rung der Kern­ener­gie und die Umrüs­tung auf sog. erneu­er­ba­re Ener­gien,….. , als öko­no­misch mach­bar erklärt wurden.

Auch auf der Ebe­ne der Lan­des­ban­ken, klei­ne­ren, aber mit immer­hin Hun­der­ten von Mil­li­ar­den Plei­te­bi­lan­zen gleich­falls ruhm­voll her­vor­tre­ten­den Akteu­ren der Finanz­spe­ku­la­ti­on, war die Ver­fil­zung des Staats­ap­pa­ra­tes mit die­sen Kräf­ten sicht­bar, hier in direk­ter insti­tu­tio­nel­ler Weise.

Finanzkapital und Nation

Es ist in gewis­ser Wei­se gesetz­mä­ßig, unver­meid­lich, dass die inter­na­tio­na­len Akteu­re des Finanz­ka­pi­ta­lis­mus, zu denen in Deutsch­land ins­be­son­de­re die Deut­sche Bank gehört, ein beson­ders distan­zier­tes Ver­hält­nis zu den ein­zel­nen Natio­nen haben. Sie inter­es­siert in ers­ter Linie, ob das inter­na­tio­na­le kapi­ta­lis­ti­sche Sys­tem, von dem sie den Rahm abschöp­fen und des­sen Ent­wick­lung sie maß­geb­lich mit­be­stim­men, wei­ter funk­tio­niert, und wel­che poli­ti­schen Rah­men­ent­schei­dun­gen fal­len, damit dies auch zukünf­tig so wei­ter­geht. Sie inter­es­siert dar­über hin­aus, auf einer noch höhe­ren Ebe­ne, sehr die Fra­ge, wie die kapi­ta­lis­ti­sche Epo­che his­to­risch mög­lichst lang aus­ge­dehnt wird. Natür­lich sind sie ande­rer­seits mit einem bestimm­ten Land, den USA, in beson­de­rer Wei­se ver­bun­den, das als ein­zi­ges über einen Mili­tär­ap­pa­rat ver­fügt, der ihnen welt­wei­te Siche­rung ihrer Aus­beu­ter­in­ter­es­sen ver­spricht; inso­fern gibt es in der Tat eine Nati­on, der sie sich ver­bun­den füh­len und der sie die natio­na­le Exis­tenz­be­rech­ti­gung zuschrei­ben, die sie im Grun­de allen ande­ren (Isra­el viel­leicht aus­ge­nom­men) ver­wei­gern. Die übri­gen Natio­nen und Län­der, auch die »eige­nen«, sind ihnen mehr oder weni­ger Mate­ri­al im welt­wei­ten Spiel.

Es mag durch­aus sein, dass der Auf­stieg Chi­nas und viel­leicht auch ande­rer Län­der in Zukunft zu grö­ße­ren Ris­sen und Gegen­sät­zen in der inter­na­tio­na­len Finanz­welt und im Mili­tär­we­sen füh­ren wird, d.h. auch zu stär­ke­ren Block­bil­dun­gen inner­halb der Finanz­welt. Der­zeit, auch ange­sichts der aktu­el­len glo­ba­len mili­tä­ri­schen Macht­ver­hält­nis­se und der in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren auf­ge­bau­ten, noch immer höchst engen Ver­flech­tung Chi­nas mit dem Staats­haus­halt der USA, d.h. in beträcht­li­chem Maße auch mit der Finan­zie­rung des US-Mili­tär­ap­pa­rats, kann man den Weg, den die Geschich­te kon­kret gehen wird, nicht vor­her­se­hen, wenn­gleich meh­re­re »Sze­na­ri­en« inter­es­san­ten Dis­kus­si­ons- und Ent­schei­dungs­stoff geben. [NB: dies wie auch das Fol­gen­de ist noch Teil mei­nes Tex­tes von 2011; inzwi­schen hat sich Eini­ges geän­dert in den Bezie­hun­gen USA-China.]

Dass die Inter­es­sen der Deut­schen Bank mit Deutsch­land als Nati­on ver­bun­den wären, das anzu­neh­men ver­bie­tet sich jeden­falls. Deutsch­land ist für sol­che finanz­ka­pi­ta­lis­ti­schen Insti­tu­te ein Nähr­bo­den für Pro­fi­te wie ande­re Stel­len des Glo­bus auch, und Pro­fi­te kön­nen auch aus Raub­bau gezo­gen werden.

Deut­sche Regie­run­gen wie die von Schrö­der-Fischer oder die Mer­kel­schen Regie­run­gen mit der SPD oder FDP muss man wohl in ers­ter Linie in der Ver­pfän­dung ihrer Poli­tik an das inter­na­tio­na­le Finanz­ka­pi­tal sehen und beur­tei­len. Dort aber sind Inter­es­sen an der Bele­bung und Ent­fal­tung der wis­sen­schaft­lich-tech­ni­schen öko­no­mi­schen Poten­zen Deutsch­lands ande­ren Inter­es­sen unter­ge­ord­net. Stö­ren­de Kon­kur­ren­zen, eigen­stän­di­ge Pro­duk­tiv­kraft-Ent­wick­lun­gen, öko­no­mi­sche und poli­ti­sche Block­bil­dun­gen gegen­über der US-Vor­herr­schaft: sol­ches zu bän­di­gen und ggf. zu unter­mi­nie­ren, das ist alle­mal ein höhe­rer Gesichts­punkt in die­sem inter­na­tio­na­len System.

Bemer­kens­wer­ter­wei­se fin­det sich die Geg­ner­schaft zu einer stär­ke­ren Ent­fal­tung des wis­sen­schaft­lich-indus­tri­el­len Poten­ti­als Deutsch­lands außer­dem auch bei einer ganz bestimm­ten Spe­zi­es urdeut­scher Fun­da­men­tal-Reak­tio­nä­re. Hier wird über die Jahr­zehn­te hin­weg immer wie­der Hor­ror vor der Ent­fal­tung der Pro­duk­tiv­kräf­te der eige­nen Nati­on bekun­det. Sol­che Ten­den­zen fin­den sich in den Par­tei­en, in Krei­sen von His­to­ri­kern und Gesell­schafts­theo­re­ti­kern, in den Küns­ten wie der schö­nen Lite­ra­tur, in Film und ande­ren Medien.

Inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang ist auch das Phä­no­men der sog. »Anti­deut­schen«. Sie tei­len mit den deutsch-öko­lo­gis­ti­schen Wur­zelzwer­gen und Kreis­lauf­theo­re­ti­kern (wie ÖDP und MLPD) die Feind­se­lig­keit gegen­über den moder­nen Pro­duk­tiv­kräf­ten und kom­bi­nie­ren sie mit einer direk­ten Par­tei­nah­me für die inter­na­tio­na­len Aggres­sio­nen der USA. Sie repro­du­zie­ren gegen­über der deut­schen Nati­on den »Umerziehungs«-Katechismus der USA aus der Zeit nach 1945.

Die Öko­lo­gi­sie­rung Deutsch­lands, d.h. die Behin­de­rung sei­ner wirt­schaft­li­chen Expan­si­on und tech­ni­schen Qua­li­täts­stei­ge­rung, vor allem mit­tels inter­na­tio­na­ler Ener­gie­ab­hän­gig­kei­ten, der Ener­gie­ver­teue­rung für sei­ne Indus­trie und des Ban­nes über gan­ze Wirt­schafts­zwei­ge hat in dem inter­na­tio­na­len finanz­ka­pi­ta­lis­ti­schen Sys­tem einen ihrer wich­tigs­ten Anker. Was in der Zeit vor dem Ers­ten Welt­krieg gera­de in Krei­sen Groß­bri­tan­ni­ens und der USA als »stö­rend« an Deutsch­land emp­fun­den wur­de, war die Ent­wick­lungs­dy­na­mik sei­ner Wis­sen­schaf­ten und Indus­trie, ihre inter­na­tio­na­le Kokur­renz­fä­hig­keit und die damit ver­bun­de­nen poli­ti­schen Ansprü­che. Es ist bekannt, wie die außen­po­li­ti­schen Ansprü­che von der mili­ta­ris­ti­schen und ver­blen­de­ten deut­schen poli­ti­schen Füh­rung in pro­vo­ka­ti­ver impe­ria­lis­ti­scher Wei­se über­stei­gert wur­den; weni­ger beach­tet wer­den heu­te in der Geschichts­dis­kus­si­on die sozia­len Ansprü­che der dama­li­gen in Deutsch­land hoch­ent­wi­ckel­ten Arbei­ter­be­we­gung, die durch­aus auch eine star­ke inter­na­tio­na­lis­ti­sche Kom­po­nen­te hat­te. Der Kapi­ta­lis­mus stei­ger­te in der kon­kre­ten deut­schen Ent­wick­lung der dama­li­gen Zeit mit den Pro­duk­tiv­kräf­ten auch die grund­sätz­li­che Infra­ge­stel­lung der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schafts­ord­nung von innen heraus.

Der­ar­ti­ge Kom­ple­xe von öko­no­mi­scher Ent­fal­tung und sozia­ler Aus­ein­an­der­set­zung gedenkt das inter­na­tio­na­le kapi­ta­lis­ti­sche Sys­tem auch in ihren heu­ti­gen kon­kre­ten Aus­for­mun­gen wei­ter­hin unter Kon­trol­le zu hal­ten. Sol­che Prin­zi­pi­en tre­ten in der inter­na­tio­na­len Poli­tik zuwei­len recht deut­lich hervor.

Als der dama­li­ge Chef der Deut­schen Bank, von Herr­hau­sen, im Jah­re 1989 in der Situa­ti­on der her­auf­zie­hen­den inter­na­tio­na­len Umbrü­che, der mög­li­chen deut­schen Ein­heit etc., einen grö­ße­ren Anspruch sei­nes Insti­tuts im inter­na­tio­na­len Rah­men anmel­de­te und für die Regie­rung Kohl an Plä­nen für die inne­re deut­sche Poli­tik mit­ar­bei­te­te, wur­de er ermor­det. Dass die so genann­te RAF als Täter ein Tarn­be­griff für eine geheim­dienst­li­che Akti­on war, kann heu­te als sicher gelten.

Ähn­li­ches gilt für den ers­ten Chef der Treu­hand­be­hör­de, Roh­wed­der, der wohl einer teil­wei­sen Erhal­tung des indus­tri­el­len Poten­ti­als der DDR zuneig­te und damit einem öko­no­mi­schen Macht­zu­wachs Deutsch­lands, der nicht mehr in den Rah­men pass­te, den die USA, Groß­bri­tan­ni­en und ande­re der ver­grö­ßer­ten Bun­des­re­pu­blik zuzu­ge­ste­hen bereit waren. Auch Roh­wed­der fiel sehr rasch einem sog. RAF-Atten­tat zum Opfer. Sei­ne Nach­fol­ge­rin, Bir­git Breu­el, voll­zog eine radi­ka­le Wen­de, erklär­te die gesam­te Öko­no­mie der DDR zu Schrott, lei­te­te ihre Liqui­die­rung, ver­stärk­te somit die Des­in­dus­tria­li­sie­rung der BRD und die Abhän­gig­keit des Staats­haus­halts von den Strö­men des Finanz­ka­pi­tals. Seit­dem backt die deut­sche Füh­rung über­haupt nur noch klei­ne­re Bröt­chen, sie hat die War­nun­gen verstanden.

Es ist aus den Umstän­den der Jah­re 1987 – 90 auch als wahr­schein­lich zu ver­mu­ten, dass im Zuge der inter­na­tio­nal beauf­sich­tig­ten deut­schen Eini­gung die deut­sche Regie­rung auch gehei­me Zusi­che­run­gen über die Dros­se­lung und viel­leicht sogar über die letzt­end­li­che Liqui­die­rung der eige­nen Kern­ener­gie gege­ben hat, die mög­li­cher­wei­se noch heu­te wirk­sam sind. Der­ar­ti­ge Grund­satz­ent­schei­dun­gen fie­len jeden­falls bereits genau in die­sen Jah­ren, wie der Ver­zicht auf die eige­ne Wie­der­auf­ar­bei­tungs-Tech­nik, auf wis­sen­schaft­lich und öko­no­misch hoch­in­ter­es­san­te Reak­tor­ty­pen wie den Schnel­len Brü­ter und den Hoch­tem­pe­ra­tur-Reak­tor, auf die mit allen Wei­ter­ent­wick­lun­gen ver­bun­de­ne Brenn­ele­men­te-Tech­nik und sogar auf den Neu­bau ganz gewöhn­li­cher Druck­was­ser- oder Siedewasserreaktoren.

Der Natur der hier ange­spro­che­nen Vor­gän­ge und mut­maß­li­chen Hin­ter­grün­de ent­spre­chend, kann ich in die­sem Abschnitt wenig mehr als Ver­mu­tun­gen, Schluss­fol­ge­run­gen aus Beob­ach­tun­gen, all­ge­mei­ne Gesetz­mä­ßig­kei­ten anfüh­ren. Wie plau­si­bel sie sind, über­las­se ich gern dem Leser und wei­te­ren Unter­su­chun­gen zu ent­schei­den. Jedoch möch­te ich an die­ser Stel­le den Akzent in vol­ler Absicht dar­auf legen, dass die poli­ti­schen Par­tei­en Deutsch­lands in den letz­ten rund 20 Jah­ren einer ver­stärk­ten Ver­ban­de­lung mit dem inter­na­tio­na­len Finanz­ka­pi­tal, über­haupt mit den Kräf­ten der Nie­der­hal­tung der deut­schen Nati­on unter­lie­gen, die sie nach innen hin selbst exe­ku­tie­ren. Wenn die inter­na­tio­na­len Wider­sprü­che sich erneut inten­si­vie­ren wie in den letz­ten Jah­ren, ver­stär­ken auch die poli­ti­schen Par­tei­en Deutsch­lands den Druck nach innen, gegen das eige­ne Volk. Sie sind in ers­ter Linie Reprä­sen­tan­ten der inter­na­tio­na­len kapi­ta­lis­ti­schen Ord­nung, nicht des eige­nen Vol­kes (das wird bereits an ihrer Ent­ste­hung als Orga­ne der Besat­zungs­mäch­te nach 1945 deutlich).

Die Eig­ner und Mana­ger der füh­ren­den deut­schen Kon­zer­ne ver­fol­gen seit Jahr­zehn­ten eine Poli­tik der Inter­na­tio­na­li­sie­rung ihrer Inves­ti­tio­nen. Eine sol­che Poli­tik ist heut­zu­ta­ge unver­meid­lich und hat fort­schritt­li­che Sei­ten, aber auch gro­ße Schat­ten­sei­ten und Gefah­ren. Wenn sie in einem Maße und einer Art betrie­ben wird, die zur Ero­si­on der natio­na­len indus­tri­el­len Basis, zur Ent­in­dus­tria­li­sie­rung, Über­al­te­rung, Über­flüs­sig­ma­chung und Ver­dum­mung der eige­nen Bevöl­ke­rung führt, wie das hier­zu­lan­de auf der Hand liegt, erreicht der Kapi­ta­lis­mus Gren­zen und muss die Gren­zen nach­drück­lich auf­ge­zeigt bekom­men. Wer meint, zuhau­se den not­wen­di­gen sozia­len Umge­stal­tun­gen im Sin­ne der Mas­sen ent­kom­men zu kön­nen, indem er sei­ne inter­na­tio­na­len Inves­ti­tio­nen gegen sie aus­spielt, wird das Objekt von Brü­chen der glo­ba­len Wirt­schafts­ord­nun­gen, von Krie­gen, Ent­eig­nun­gen durch Regie­run­gen der Gast­län­der etc. Die ideo­lo­gi­schen Scheu­klap­pen die­ser Krei­se, die sie sol­che Gesetz­mä­ßig­kei­ten miss­ach­ten und anschei­nend an die Per­ma­nenz der rela­tiv fried­li­chen Zustän­de der letz­ten 20 Jah­re glau­ben las­sen, sind beträcht­lich. Auch hier ein Regime des Selbst­be­trugs, das mit den Vor­stel­lun­gen des poli­ti­schen Öko­lo­gis­mus eine Alli­anz ein­ge­gan­gen ist.

Der Radi­kal­öko­lo­gis­mus von Mer­kel, Rött­gen, See­hofer und Kon­sor­ten, mit dem sie gleich­zei­tig die Res­te deut­schen Kon­ser­va­tis­mus (nicht aber die ultrare­ak­tio­nä­re Strö­mung) in ihren Par­tei­en beer­di­gen und damit den Rest von Legi­ti­ma­ti­on für die­se Par­tei­en selbst, wird erheb­lich auch aus den finanz­ka­pi­ta­lis­ti­schen und den poli­ti­schen inter­na­tio­na­len Ver­bin­dun­gen gespeist. Er ist gleich­zei­tig Aus­druck einer fei­gen ver­in­ner­lich­ten Selbst­be­schrän­kung, wie sie im öko­lo­gis­ti­schen Schuld­be­wusst­sein exem­pla­risch zum Aus­druck kommt und in der deut­schen Klein­bür­ger- und Spieß­bür­ger­men­ta­li­tät sowie der Psy­cho­lo­gie der welt­ge­schicht­li­chen Nie­der­la­gen der deut­schen Bour­geoi­sie his­to­risch ver­an­kert ist. Natür­lich sind auch mehr­heit­lich die Kir­chen, schon immer beson­de­re Advo­ka­ten der Sünd­haf­tig­keits- und Selbst­be­schul­di­gungs­men­ta­li­tät, bei den For­de­run­gen nach tech­ni­schem Zurück mit von der Partie.

[Ende des aus mei­nem Bei­trag von 2011 über­nom­me­nen und nur leicht über­ar­bei­te­ten Textes]

Komplex 5:

Der »Ener­gie­po­li­ti­sche Appell« des deut­schen Kapi­ta­lis­mus vom Sept. 2010 und Mer­kels »Fukushima«-Handstreich 2011

Einen wenig beach­te­ten Mei­len­stein in der wei­te­ren kor­rup­ti­ven Ent­wick­lung des deut­schen Kapi­ta­lis­mus bil­det die Erklä­rung der Creme der deut­schen Eigen­tü­mer und Mana­ger v. 5.8. 2010, nun­mehr mit der Regie­rung d’accord zu gehen und die Strom­erzeu­gung künf­tig den sog. Erneu­er­ba­ren Ener­gien anzu­ver­trau­en. »Die öko­lo­gi­sche Aus­rich­tung unse­rer Ener­gie­ver­sor­gung ist rich­tig. Erneu­er­ba­ren und CO2 frei­en Ener­gien gehört die Zukunft«. Zwar wird hier appel­liert, den Pro­zess nicht zu über­stür­zen, Kern- und Koh­le­strom v.a. aus Kos­ten­grün­den noch wei­ter zu nut­zen, doch wird dies der genann­ten »Zukunft« unter­ge­ord­net. (vgl. »Mut und Rea­lis­mus für Deutsch­lands Ener­gie­zu­kunft«, Han­dels­blatt vom 05. August 2010. Man beach­te die hoch­ka­rä­ti­ge Unter­zeich­ner­lis­te von A bis W, Josef Acker­mann – Deut­sche Bank – bis Mat­thi­as Wiß­mann, damals BDI-Vizepräsident.)

Die Posi­ti­on wird kon­kre­ti­siert in einem Inter­view, das der dama­li­ge RWE-Chef Jür­gen Groß­mann (der aus der Stahl­in­dus­trie kam) und sicher zu den maß­geb­li­chen Mit­un­ter­zeich­nern des »Appells« gehört, der FAZ gege­ben hat. (vgl. »Lauf­zeit­ver­län­ge­run­gen um 20 Jah­re am bes­ten«, FAZ vom 05. Sep­tem­ber 2010) Hier wird der Wunsch vor­ge­bracht, den deut­schen Kern­kraft­wer­ken noch 20 Jah­re Lauf­zeit zu gestat­ten, das sei pro­fit­mä­ßig das Güns­tigs­te. Am sel­ben Tag noch ver­ein­bar­ten Mer­kels Minis­ter Brü­der­le (FDP) und Rött­gen (CDU) dann die Regie­rungs­li­nie, durch­schnitt­lich 12 Jah­re zu gewäh­ren, und es dau­er­te nicht lan­ge, bis Mer­kel ohne wei­te­re Kon­sul­ta­tio­nen im Früh­jahr 2011 die Kata­stro­phe von Fuku­shi­ma nutz­te, um die Lauf­zei­ten auto­ri­ta­tiv noch wei­ter zu kürzen.

Wahr­schein­lich hat­ten eini­ge Kapi­tal­funk­tio­nä­re noch 2010 gehofft, mit einem gestreck­ten Kern­ener­gie-Aus­stieg eine Brü­cke in eine Zukunft bau­en zu kön­nen, in der eine ande­re Regie­rung weni­ger Anti-Atom-Fana­tis­mus zei­gen und eine Revi­si­on des Aus­stiegs­be­schlus­ses erlau­ben wür­de. Sie hat­ten sich in Mer­kel getäuscht. Aber gera­de die Füh­run­gen der Unter­neh­men wie RWE und VEBA, denen die meis­ten Kern­kraft­wer­ke gehör­ten, hat­ten sich sel­ber schon lan­ge zuvor als gesell­schaft­lich ver­ant­wor­tungs­los, nur am Gewinn inter­es­siert erwie­sen und nie ernst­haf­tes Inter­es­se an einer gesell­schaft­li­chen Gegen­be­we­gung gegen die Aus­stiegs­po­li­tik gezeigt. Sie haben Zehn­tau­sen­de von enga­gier­ten Wis­sen­schaft­lern, Tech­ni­kern und Arbei­tern der kern­tech­ni­schen Indus­trien ins Kal­te gesetzt, Hun­der­te von Mil­li­ar­den Anla­gen­ka­pi­tal ver­nich­tet und es sich dop­pelt und drei­fach vom Bür­ger wie­der­ge­holt, den der Staat durch das Hoch­trei­ben der Strom­prei­se enteignet.

Pla­ka­tiv for­mu­liert: die Spit­zen des deut­schen Kapi­ta­lis­mus haben zusam­men mit den deut­schen Par­tei­en durch­ge­setzt, dass wir im Bereich der Strom­erzeu­gung high­tech, die funk­tio­nier­te, auf den Müll gewor­fen und Low­tech, die nicht ein­mal funk­tio­niert, mit vie­len hun­der­ten von Mil­li­ar­den auf­ge­baut haben.

Gäbe es in Deutsch­land einen Wett­be­werb wie: »Wer ist am meis­ten grün-ver­si­fft?«, dann müss­ten eigent­lich die meis­ten Unter­zeich­ner des »Ener­gie­po­li­ti­schen Appells« vorn mit dabei sein.

An die Vor­gän­ge von 2010/11 knüpft sich eine gan­ze Ket­te von absur­den Erschei­nun­gen gera­de in der Strom­wirt­schaft, als jüngs­te z.B. die stän­dig stei­gen­de Gefahr von schwe­ren, u. U. euro­pa­wei­ten Black­outs, oder z.B. der Gesetz­ent­wurf von Wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­may­er, der den schwer umwor­be­nen und schwer sub­ven­tio­nier­ten Besit­zern von E‑Autos ankün­digt, dass sie lei­der hin und wie­der schon mal an einer toten Steck­do­se hän­gen wer­den, weil näm­lich die Strom­pro­duk­ti­on unzu­rei­chen­der und wack­li­ger wird. Mit der einen Hand macht die Mer­kel-Regie­rung gro­ße Wer­bung für E‑Autos, mit der ande­ren schreckt sie Inter­es­sen­ten gründ­lich ab. Oder all­ge­mei­ner: man quas­selt vom tech­ni­schen Fort­schritt und einem bes­se­ren Leben (oder was man dafür hält), rui­niert aber ziel­stre­big genau die pro­duk­ti­ven Grund­la­gen der Zivilisation.

Zu einigen politischen Schlussfolgerungen

Am Anfang die­ser Aus­füh­run­gen hat­te ich gefragt, ob Mer­kel und ihre poli­ti­schen Part­ner, vor allem die Par­tei­en CDU/CSU, SPD und Grü­ne, am Ende ihres Lateins sind, nach­dem sie die öko­no­mi­schen Poten­zen, die indus­tri­el­le Basis, die Exis­tenz­be­din­gun­gen eines gro­ßen Teils der Arbeit­neh­mer, die gesell­schaft­li­che Moral die­ses Lan­des sys­te­ma­tisch der­art her­un­ter­ge­wirt­schaf­tet haben, dass eine Über­nah­me durch US-Kapi­tal in die Nähe des Mög­li­chen rückt.

Ja.

Völ­lig pes­si­mis­tisch bin ich jedoch nicht.

Ein Jahr Coro­na­po­li­tik hat doch eini­ges an poli­ti­schem Auf­wa­chen erzeugt. Zwar ver­sucht man die Wagen­burg der herr­schen­den Par­tei­en incl. der »Lin­ken« noch enger zu schlie­ßen und stei­gert die Machen­schaf­ten und Dro­hun­gen, um das eben­so rui­nö­se wie auto­ri­tä­re Regime zu ver­län­gern und noch zu ver­schär­fen, aber der Gegen­wind wird stärker.

Unter den Lin­ken unter­schied­lichs­ter Tra­di­tio­nen zei­gen sich Wider­stands-Ansät­ze. Zahl­rei­che Wis­sen­schaft­ler, Medi­zi­ner und Gesell­schafts­wis­sen­schaft­ler wider­spre­chen der Coro­na­po­li­tik. Es hat bereits vie­le Demons­tra­tio­nen, auch Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen gege­ben, an denen sich ein Quer­schnitt der Gesell­schaft betei­ligt. Auch unter Rech­ten und Kon­ser­va­ti­ven gibt es dezi­dier­te begrün­de­te Ableh­nung. Selbst in der offi­zi­el­len Medi­en­land­schaft, die seit einem Jahr völ­lig von akti­ven Jasa­gern und debi­len Nach­plap­pe­rern okku­piert schien, zei­gen sich nun­mehr Spaltungen.

Man muss befürch­ten, dass die Regie­rung unter Umstän­den mit roher Gewalt gegen pro­tes­tie­ren­de Mas­sen und geziel­tem Fer­tig­ma­chen gegen­über Men­schen und Grup­pen vor­geht, die ihr im Weg sind, denn der west­li­che Kapi­ta­lis­mus und Impe­ria­lis­mus unter Füh­rung der USA hat sich in eine Kri­se hin­ein­ge­wirt­schaf­tet, zu deren Bewäl­ti­gung ihnen nichts mehr ein­fällt als Mas­sen­un­ter­drü­ckung und Mas­sen­ver­elen­dung, Krie­ge und Militärdiktaturen.

Es scheint aber ande­rer­seits nicht aus­ge­schlos­sen, dass Tei­le des west­li­chen Kapi­ta­lis­mus, ins­be­son­de­re euro­päi­sche, ver­su­chen der Fal­le zu ent­ge­hen, die für sie sel­ber, und eben vor­ran­gig für Euro­pa, von den Haupt­scharf­ma­chern der Coro­na­dik­ta­tur vor­be­rei­tet wird. Teil­nah­me am Kriegs­kurs der USA, der sich abzeich­net, wür­de mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit zur Ver­wüs­tung Euro­pas füh­ren. Die noch wei­ter­ge­hen­de Aus­lie­fe­rung der eige­nen euro­päi­schen, noch vor­han­de­nen wirt­schaft­li­chen Poten­tia­le an die kra­ken­haf­ten Super­kon­zer­ne der USA wie Ama­zon, Goog­le, Micro­soft oder ihre über­mäch­ti­gen Finanz­fir­men wie Black­rock dürf­te für Tei­le der euro­päi­schen Mil­li­ar­därs­schich­ten schwe­re Her­ab­stu­fun­gen mit sich brin­gen. Die Hoff­nun­gen auf Ret­tung durch die USA könn­ten leicht in den Kon­fron­ta­tio­nen zwi­schen den USA und Chi­na, even­tu­ell unter Betei­li­gung Russ­lands, zer­rie­ben werden.

Für die Wider­stands­be­we­gung ist es mei­ner Ansicht nach wich­tig, sich auch mit sol­chen über­ge­ord­ne­ten kor­rup­ti­ven Trends aus­ein­an­der­zu­set­zen, wie ich sie hier par­ti­ell und ver­suchs­wei­se beschrie­ben habe. Die öffent­lich täti­gen und medi­al irgend­wie eta­blier­ten Kräf­te mit lin­kem Anspruch, von der par­la­men­ta­ri­schen Lin­ken über die zahl­rei­chen klei­ne­ren Grup­pen bis hin zu Anar­chis­ten, die fast alle in unter­schied­li­chem Maße in kor­rup­ti­ve Trends sich bis­her lei­der haben ein­bin­den las­sen, soll­ten auch ihre eige­ne Ent­wick­lung in die Ana­ly­se einbeziehen.

Die Wider­stands­be­we­gung soll­te auch kei­ne unüber­wind­li­chen Berüh­rungs­ängs­te kul­ti­vie­ren, wenn Kapi­tal­ver­tre­ter Ten­den­zen erken­nen las­sen, sich zu der faschis­ti­schen und mili­ta­ris­ti­schen Ein­heits­front des west­li­chen Kapi­ta­lis­mus auf Distanz zu bege­ben. Wich­tig ist es auch, die oppo­si­tio­nel­len Ten­den­zen in den USA zu sehen und genau zu beob­ach­ten, ob die rus­si­sche und die chi­ne­si­sche Poli­tik uns even­tu­ell hilft.

Viel­leicht ent­wi­ckeln sich aus dem not­wen­di­gen Kampf gegen den deka­den­ten Grund­trend, den ich hof­fent­lich eini­ger­ma­ßen zutref­fend beschrie­ben habe, auch Initia­ti­ven zu einer rela­ti­ven Gesun­dung der gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen. Die euro­päi­sche Kul­tur ist noch immer außer­or­dent­lich reich und kei­nes­wegs bloß eine Sache der Vergangenheit.

Die aktu­el­le Ent­wick­lung regt unver­meid­lich das fast ein­ge­schla­fe­ne Den­ken über grund­sätz­lich ande­re Gesell­schafts­for­men wie­der an. Zwar kann es viel­leicht gelin­gen, den auto­ri­tä­ren, faschis­ti­schen und kriegs­träch­ti­gen Angriff des Kapi­ta­lis­mus jetzt zu brem­sen, doch Kapi­ta­lis­mus bleibt Kapi­ta­lis­mus und schnei­det von sei­nem Wesen her der über­wie­gen­den Mehr­heit der Mensch­heit die Wege der Eman­zi­pa­ti­on ab. Wenn Lin­ke jetzt sich zum Wider­stand ent­schlie­ßen, haben sie auch unbe­dingt die Auf­ga­be, den Kapi­ta­lis­mus erneut fun­da­men­tal in Fra­ge zu stel­len und neue Gesell­schafts­kon­zep­te zu entwickeln.

Verweise

2 Hart­mut Dicke, Die Bedeu­tung des soge­nann­ten Kon­sen­ses über die Stil­le­gung der Kern­ener­gie, 07.07.2000, im Inter­net: http://​neue​-ein​heit​.com/​d​e​u​t​s​c​h​/​m​e​m​o​/​i​s​2​0​0​0​-​1​7​.​htm, abge­ru­fen am 29.09.2021.

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