Die ukrainische extreme Rechte und der Vorschlag zum Verbot der Kommunistischen Partei Portugals

Ansichten: 209
Lese­zeit6 min

Mag­Ma ver­öf­fent­lich hier einen von Simo­ne Bir aus dem Spa­ni­schen über­setz­ten Arti­kel vom Mun­do Obre­ro mit Rück­griff auf das bei Set­en­ta e Qua­tro erschie­ne­ne por­tu­gie­si­schen Original.

Vor­be­mer­kung des Mun­do Obre­ro:

Vor ein paar Tagen war die Poli­tik in Por­tu­gal in Auf­ruhr. Im Nach­bar­land leben­de Ukrai­ner stell­ten die Exis­tenz der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Por­tu­gals [PCP] in Fra­ge und schlu­gen ihre Ille­ga­li­sie­rung vor. Die­ser Vor­schlag war Teil der Kri­mi­na­li­sie­rungs­kam­pa­gne, der die PCP aus­ge­setzt ist, weil sie für den Frie­den mobi­li­siert hat und die durch die Inter­ven­ti­on von Zelen­ski erfolg­te Instru­men­ta­li­sie­rung der Ver­samm­lung der Repu­blik für die Anzet­te­lung des Krie­ges ange­pran­gert, an der sie nicht teil­ge­nom­men hat.

Für die por­tu­gie­si­schen Kom­mu­nis­ten sind dies Äuße­run­gen faschis­ti­schen Has­ses, die von einem Füh­rer einer Ver­ei­ni­gung ukrai­ni­scher Flücht­lin­ge gegen die Exis­tenz der Por­tu­gie­si­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei gemacht wur­den, in Über­ein­stim­mung mit den wie­der­hol­ten Äuße­run­gen der Ein­mi­schung des ukrai­ni­schen Bot­schaf­ters und den Äuße­run­gen des ukrai­ni­schen Außen­mi­nis­ters, die sich eben­falls gegen die PCP richten.

Sie waren nicht fehl­ge­lei­tet. Ein kürz­lich in der Zeit­schrift Set­en­ta e Qua­tro ver­öf­fent­lich­ter Bericht des Chef­re­dak­teurs Ricar­do Cab­ral Fer­nan­des, eines Jour­na­lis­ten, der sich der Unter­su­chung der extre­men Rech­ten und ihrer inter­na­tio­na­len Ver­bin­dun­gen ver­schrie­ben hat, ent­hüllt die Ver­bin­dun­gen von Pav­lo Sadokha, dem Vor­sit­zen­den der Ver­ei­ni­gung der Ukrai­ner in Por­tu­gal, zur extre­men Rech­ten in sei­nem Land. Hier ist eine Zusam­men­fas­sung des Artikels.

Wer ist Pavlo Sadokha? Verbindungen mit der ukrainischen rechtsextremen Szene

Er ist der bekann­tes­te Füh­rer der ukrai­ni­schen Gemein­schaft in Por­tu­gal und in den letz­ten Wochen zu einer fes­ten Grö­ße in den por­tu­gie­si­schen Medi­en gewor­den. Aber wer ist Pav­lo Sadokha, der Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung der Ukrai­ner in Por­tu­gal? Und vor allem, wel­che Ver­bin­dun­gen hat er zur ukrai­ni­schen extre­men Rechten?

Er wur­de am 2. Febru­ar 1970 in Lem­berg (West­ukrai­ne) in einer Fami­lie mit reak­tio­nä­rer Tra­di­ti­on gebo­ren, deren Ange­hö­ri­ge in der ultra­na­tio­na­lis­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on Ukrai­ni­scher Natio­na­lis­ten (OUN) von Ste­pan Ban­de­ra aktiv waren. Der aus­ge­bil­de­te Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Pav­lo Sadokha wan­der­te 2001 aus der Ukrai­ne nach Por­tu­gal aus und trat Jah­re spä­ter, 2008, dem Ver­band der Ukrai­ner in Por­tu­gal bei, einem der wich­tigs­ten ukrai­ni­schen Ver­bän­de, der enge Bezie­hun­gen zur ukrai­ni­schen Bot­schaft in Por­tu­gal unter­hält. Seit 2010 ist er Prä­si­dent der Vereinigung.

Briefe zur Verteidigung von Stepan Bandera und Svoboda

Im Janu­ar 2010 ver­lieh der dama­li­ge ukrai­ni­sche Prä­si­dent Vik­tor Juscht­schen­ko dem Kol­la­bo­ra­teur von Nazi-Deutsch­land, Ste­pan Ban­de­ra (1909 – 1959), post­hum den Titel eines Hel­den der Ukrai­ne. Die Ent­schei­dung wur­de jedoch vom Euro­päi­schen Par­la­ment nicht begrüßt, das sie am 25. Febru­ar 2010 in einer Ent­schlie­ßung scharf kri­ti­sier­te.

Pav­lo Olek­si­yo­vych Sadokha, der Vor­sit­zen­de der Ver­ei­ni­gung der Ukrai­ner in Por­tu­gal, ist ein sehr akti­ver Rechts­ex­tre­mist mit ent­spre­chen­den Mit­teln. Foto von 2017 (Wiki­pe­dia CC BY-SA 4.0)

Meh­re­re füh­ren­de Ver­tre­ter der ukrai­ni­schen Dia­spo­ra waren mit der Posi­ti­on der euro­päi­schen Insti­tu­ti­on nicht ein­ver­stan­den. Einer von ihnen war Pav­lo Sadokha, der Erst­un­ter­zeich­ner eines offe­nen Brie­fes gegen die EP-Ent­schlie­ßung. »Als einer der bril­lan­tes­ten Kämp­fer des unab­hän­gi­gen und kon­zi­lia­ren Staa­tes der Ukrai­ne ist [Ste­pan Ban­de­ra] ein Sym­bol der unab­hän­gi­gen Ukrai­ne«, heißt es in dem Brief, der von füh­ren­den Ver­tre­tern ukrai­ni­scher Ver­bän­de in Por­tu­gal, Deutsch­land, Ita­li­en, Spa­ni­en und Grie­chen­land unter­zeich­net wurde.

Sadokha beließ es nicht bei loben­den Wor­ten für Ban­de­ra. Der Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung der Ukrai­ner in Por­tu­gal gehör­te zu einer Grup­pe von Ukrai­nern, die im Okto­ber 2019 das Grab des ukrai­ni­schen Rechts­ex­tre­mis­ten in Mün­chen, Deutsch­land, besuch­ten und ihm die letz­te Ehre erwie­sen. Auf sei­nen sozia­len Medi­en sind Fotos zu sehen, auf denen er Ban­ner mit dem Gesicht von Ban­de­ra schwenkt.

Wenn das Lob und die Leug­nung der Ver­bre­chen von Ste­pan Ban­de­ra die ukrai­ni­sche extre­me Rech­te durch­zieht, so machen Sadokhas Ver­bin­dun­gen zur extre­men Rech­ten damit nicht Halt. Zwi­schen 2012 und 2014 war Pav­lo Sadokha Bera­ter des Svo­bo­da-Abge­ord­ne­ten Yuriy Syro­ti­uk, der bei den Par­la­ments­wah­len 2012 gewählt wur­de und frü­her Pres­se­spre­cher der rechts­ex­tre­men Par­tei war. Syro­ti­uk war damals eine der wich­tigs­ten Figu­ren in Svoboda.

Verbindung zum Neonazi-Bataillon »Sich«

Ende 2013 began­nen die Euro­mai­dan-Pro­tes­te gegen die Regie­rung Janu­ko­witsch, bei denen Akti­vis­ten der rechts­ex­tre­men Par­tei Svo­bo­da eine Schlüs­sel­rol­le spiel­ten. Obwohl die extre­me Rech­te eine Min­der­heit unter den Demons­tran­ten dar­stell­te, haben es ihre Mili­tan­ten durch orga­ni­sier­tes Vor­ge­hen erreicht, Gewinn aus dem Cha­os des sich anbah­nen­den poli­ti­schen Umbruchs zu zie­hen, in des­sen Ver­lauf sie pro­eu­ro­päi­sche Demons­tran­ten, die sie kri­ti­sier­ten, kri­mi­na­li­sier­ten und verfolgten.

Prä­si­dent Janu­ko­witsch wur­de abge­setzt und Svo­bo­da war eini­ge Mona­te lang Teil der Koali­ti­ons­re­gie­rung, bis Neu­wah­len orga­ni­siert und abge­hal­ten wur­den. Rus­sisch wur­de als zwei­te Amts­spra­che ver­bo­ten, eine der pro­gram­ma­ti­schen Maß­nah­men von Svo­bo­da, und die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei der Ukrai­ne, die als rus­si­sche fünf­te Kolon­ne galt, wur­de ver­bo­ten, was Svo­bo­da eupho­risch stimmte.

Der Krieg brach aus und wur­de zunächst inten­siv, dann als Kon­flikt nied­ri­ger Inten­si­tät im Don­bass fort­ge­setzt, bis Russ­land am 24. Febru­ar 2022 in die Ukrai­ne ein­mar­schier­te. Im Jahr 2014 nutz­ten die Rechts­ex­tre­men die Kämp­fe im Osten des Lan­des (die von den Ukrai­nern als »Anti-Ter­ror-Ope­ra­ti­on« bezeich­net wur­den), um meh­re­re Batail­lo­ne zu bilden.

Svo­bo­da schuf ein eige­nes Batail­lon, das Sich-Batail­lon, des­sen Logo aus einem Kosa­ken (in Anleh­nung an das Kosa­ken­dorf Sapo­rischsch­ja, das für sei­nen Mut und sei­ne Tap­fer­keit bekannt ist) und der Buch­sta­ben­zah­len­kom­bi­na­ti­on C14 besteht, die sich auf den neo­na­zis­ti­schen Aus­spruch des US-ame­ri­ka­ni­schen ›White Supre­macist‹ David Lane, »Wir müs­sen die Exis­tenz unse­res Vol­kes und eine Zukunft für die wei­ßen Kin­der sichern«, beziehen.

Im Jahr 2014 wur­de das Batail­lon Teil der frei­wil­li­gen Sicher­heits­kräf­te Kiews und benann­te sich in »4. Sich-Kom­pa­nie des Kie­wer Regi­ments« um, eine Spe­zi­al­ein­heit der Poli­zei. Dies hin­der­te sie jedoch weder dar­an, öffent­li­che Unter­stüt­zung von Svo­bo­da zu erhal­ten noch enge Ver­bin­dun­gen mit der Par­tei zu unter­hal­ten, indem sie z. B. Ver­pfle­gung empfing.

Eine der Per­so­nen, die im Okto­ber 2014 nach Kiew kamen, um dem Sich-Batail­lon Muni­ti­on, Medi­ka­men­te und Lebens­mit­tel zu lie­fern, war Pav­lo Sadokha, berich­te­te Svo­bo­da auf ihrer Web­site. Auf dem Sofia-Platz in der Haupt­stadt sprach Sadokha, der als Bera­ter des Svo­bo­da-Abge­ord­ne­ten und Ver­tre­ter der ukrai­ni­schen Gemein­schaft in Por­tu­gal auf­trat, Sei­te an Sei­te mit Ver­tre­tern der rechts­ex­tre­men Partei.

Dies war jedoch nicht das ein­zi­ge Tref­fen mit Svo­bo­da, an dem er teil­nahm. Der Vor­sit­zen­de der Ver­ei­ni­gung [Ukrai­ner in Por­tu­gal] traf am 23. August 2016 mit dem Regio­nal­rat der rechts­ex­tre­men Par­tei in Lem­berg zusam­men, um die Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem loka­len Gre­mi­um und den ukrai­ni­schen Dia­spo­ra­ge­mein­schaf­ten zu erör­tern. Einer der Teil­neh­mer des Tref­fens war Ivan Vovk, Prä­si­dent der Ukrai­ni­schen Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung in Volia, Spa­ni­en, und das wich­tigs­te Gesicht von Svo­bo­da auf spa­ni­schem Boden, schrieb die Tages­zei­tung Publi­co.

Wechsel zum Rechten Sektor

Ab 2016 ver­schlech­ter­ten sich die Bezie­hun­gen zwi­schen Sadokha und Svo­bo­da. Der Vor­sit­zen­de der Ver­ei­ni­gung ent­wi­ckel­te Bezie­hun­gen zur Regie­rung von Prä­si­dent Petro Poro­schen­ko, und »eini­ge Leu­te von Svo­bo­da« beschul­dig­ten ihn des Aus­ver­kaufs. Heu­te »haben wir kei­ne Ver­bin­dun­gen mehr«, erklär­ten Quel­len der rechts­ex­tre­men Partei.

Doch bis der Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung der Ukrai­ner in Por­tu­gal und die rechts­ex­tre­me Par­tei sich den Rücken zukehr­ten, unter­stütz­te ers­te­rer die rechts­ex­tre­men Batail­lo­ne, sobald der Krieg in der Ost­ukrai­ne im Jahr 2014 begann. »Der Ver­ein setzt sich direkt mit den Mili­zen in der Ukrai­ne in Ver­bin­dung, um die in Por­tu­gal gesam­mel­ten Hilfs­gü­ter zu ver­sen­den. Wir haben kei­ne neo­na­zis­ti­sche Aus­rich­tung«, sag­te Sadokha, zitiert vom Express am 16. Juli 2015.

In den zwei Jah­ren nach Kriegs­be­ginn belie­fer­te Sadokha das ultra­na­tio­na­lis­ti­sche Batail­lon Rech­ter Sek­tor, des­sen Sym­bol der ukrai­ni­sche Drei­zack auf einer rot-schwar­zen Flag­ge ist, eine Anspie­lung auf die Nazi­pa­ro­le. Er tat dies min­des­tens zwei­mal, im Juli 2015 und im Juli 2016, und zwei Akti­vis­ten der rechts­ex­tre­men Grup­pe dank­ten ihm in einem Video, das auf der Web­site der Ver­ei­ni­gung der Ukrai­ner in Por­tu­gal ver­öf­fent­licht wurde.

Doch der Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung der Ukrai­ner in Por­tu­gal ging noch wei­ter: Er fuhr sogar einen Kran­ken­wa­gen mit Hilfs­gü­tern von Lis­sa­bon nach Mariu­pol in der Ost­ukrai­ne, beglei­tet von zwei Jour­na­lis­ten der Wochen­zei­tung Expres­so. »Damals haben wir auch Asow und den Rech­ten Sek­tor besucht, wir waren in Mariu­pol. Wir sind dort­hin gegan­gen, um Asow etwas zu lie­fern«, sag­te Sadokha gegen­über Set­en­ta e Qua­tro. Der Kran­ken­wa­gen blieb dort, Sadokha kehr­te zu einem spä­te­ren Zeit­punkt nach Por­tu­gal zurück.

Mit dem Aus­bruch des Krie­ges zwi­schen der Ukrai­ne und Russ­land haben die Medi­en der ukrai­ni­schen Gemein­schaft, die in ver­schie­de­nen Län­dern lebt, beson­de­re Auf­merk­sam­keit geschenkt. Die­ses The­ma wur­de von Sadokha genutzt, um sei­ne rechts­ex­tre­men Pro­kla­ma­tio­nen zu lan­cie­ren, aber auch, um über die­sen Laut­spre­cher um Hil­fe zu bit­ten, die bei den rechts­ex­tre­men und nazis­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen in sei­nem Land landet.

Bild: Dar­stel­lung einer gehei­men Dru­cke­rei der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Por­tu­gals von José Dias Coelho

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.