Sand im Getriebe der ukrainischen Propagandamaschine

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Die nor­ma­ti­ve Kraft des Fak­ti­schen in Gestalt der unaus­weich­li­chen Nie­der­la­ge der Ukrai­ne: Wie das Sys­tem der Nega­tiv­aus­le­se für Spit­zen­jobs in Poli­tik und Medi­en die west­li­che Kriegs­hys­te­rie und Unter­wer­fung unter das US-Dik­tat begünstigt.

Die Ideo­lo­gie des Neo­li­be­ra­lis­mus hat in den letz­ten 30 Jah­ren wie ein Virus alle Lebens­be­rei­che der west­li­chen Gesell­schaf­ten durch­drun­gen und erfüllt damit das Kri­te­ri­um des Tota­li­ta­ris­mus. Als Neben­ef­fekt die­ser tota­li­tä­ren Gesell­schafts­ideo­lo­gie ist es bei der Aus­wahl von Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten egal in wel­chen gesell­schaft­li­chen Berei­chen zu einer Ent­wick­lung gekom­men, die einer Nega­tiv­aus­le­se den Vor­rang gibt: Nur noch die mie­ses­ten, kor­rup­tes­ten und pro­fes­sio­nell unfä­higs­ten Jasa­ger, aber dafür die größ­ten Schaum­schlä­ger kom­men in die Top-Posi­tio­nen. Wer dar­an zwei­felt, schaue sich doch nur ein­mal die Regie­rungs­ver­tre­ter in den west­li­chen Staa­ten an und wel­che Knall­tü­ten sich an der Spit­ze solch gehei­lig­ter, aber alles ande­re als demo­kra­ti­sche gewähl­ter Insti­tu­tio­nen wie EU, NATO oder Euro­päi­scher Zen­tral­bank (EZB) tummeln.

Wenn man sich umschaut, könn­te man glau­ben, dass sich in den Län­dern des NATO-Impe­ri­ums ein Poli­ti­ker erst durch nach­weis­li­che Unfä­hig­keit und/​oder star­ke kri­mi­nel­le Ener­gie für ein hohes Regie­rungs­amt qua­li­fi­ziert. Aber war­um ist das die Vor­aus­set­zung für eine poli­ti­sche Kar­rie­re? Weil das US-geführ­te neo­li­be­ra­le Sys­tem der »regel­ba­sier­ten Welt­ord­nung« mit inte­gren Men­schen nichts anfan­gen kann, denn die sind nicht oder nur weni­ger gut erpress­bar. Aber wer soll­te sie denn erpres­sen? Das sind die Leu­te, die Kurt Tuchol­sky mein­te, als er von den Poli­ti­kern schrieb: »Sie dach­ten, sie sei­en an der Macht, dabei waren sie nur an der Regie­rung.« Für wen genau die Poli­ti­ker die Regie­rung stel­len, lässt Tuchol­sky unausgesprochen.

Aber ganz gewiss ist es nicht das Volk, das die Macht hat, denn auch hier gilt mit mathe­ma­ti­scher Prä­zi­si­on die alte poli­ti­sche Glei­chung aus bür­ger­li­chen Demo­kra­tien, näm­lich: Geld = Macht, und sehr viel Geld = sehr viel Macht. Und sehr viel Geld haben nur 0,01 Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Und den­noch gau­keln uns West­po­li­ti­ker und ‑medi­en stän­dig vor, wir leb­ten in einer Demokratie.

Weil wir in einer doch so her­vor­ra­gen­den Demo­kra­tie leben, ist die gro­ße Mehr­heit der neo­li­be­ra­len deut­schen Eli­ten, also die Schlimms­ten der Schlim­men aus allen Gesell­schafts­be­rei­chen, ohne das gegen Krieg ein­ge­stell­te deut­sche Volk zu fra­gen, freu­dig auf den Kriegs­tross der US-Ame­ri­ka­ner in Rich­tung Russ­land auf­ge­sprun­gen. Als wil­li­ge Hel­fer waren vor allen ande­ren die Grü­nen bereit, den Wün­schen Washing­tons mit deut­schen Waf­fen­lie­fe­run­gen an die Ukrai­ne nach­zu­kom­men, um dort »die Rus­sen aus­zu­blu­ten«. Genau das hat­te US-Kriegs­mi­nis­ter Lloyd Aus­tin bei sei­nem Besuch in Kiew unvor­sich­ti­ger­wei­se als das wah­re Kriegs­ziel von USA/NATO benannt.

In den ers­ten zwei, drei Mona­ten glaub­ten sich die selbst­ge­rech­ten west­li­chen »Eli­ten« auf dem rich­ti­gen Damp­fer, denn die Medi­en über­schlu­gen sich mit Schlag­zei­len in die­sem Stil: »Die Ukrai­ne gewinnt«, »Die Ukrai­ne gewinnt«, »Die Ukrai­ne gewinnt«, »Die Rus­sen haben Nach­schub­pro­ble­me«, »Die Rus­sen haben rie­si­ge Ver­lus­te«, »Den Rus­sen gehen die Rake­ten aus«, »Die Rus­sen müs­sen sich vor einem Angriff der Ukrai­ne zurück­zie­hen«, »Die Ukrai­ne ist stär­ker als ange­nom­men«, »Putin muss und wird die­sen Krieg verlieren«.

Solan­ge sol­che Schlag­zei­len die Medi­en und den poli­ti­schen Dis­kurs im Wes­ten bestimm­ten, hat­ten die herr­schen­den Kriegs­trei­ber in der Ber­li­ner Regie­rung das gute Gefühl, in die­sem neu­en Krieg gegen Russ­land end­lich mal auf der Gewin­ner­sei­te zu ste­hen. Aber sie hät­ten sich bes­ser an die war­nen­den Wor­te erin­nert, die schon vor über hun­dert Jah­ren der dama­li­ge Reichs­kanz­ler Otto von Bis­marck aus­ge­spro­chen hat­te, näm­lich auf kei­nen Fall einen Krieg gegen Russ­land zu unternehmen.

Nach dem drit­ten Monat der rus­si­schen Son­der­ope­ra­ti­on in der Ukrai­ne begann die nor­ma­ti­ve Kraft des Fak­ti­schen, sich lang­sam gegen das vom Washing­to­ner Impe­ri­um der Lügen genähr­te Gespinst aus Fake-Sie­ges­mel­dung aus Kiew durchzusetzen.

Selbst soge­nann­te Ses­sel­stra­te­gen, die in den TV-Nach­rich­ten und Talk­shows vor weni­gen Wochen noch den Sieg der Ukrai­ne als gege­ben ansa­hen, sor­gen sich nun über einen bevor­ste­hen­den Zusam­men­bruch der ukrai­ni­schen Streit­kräf­te, da deren Zer­set­zungs­pro­zess tat­säch­lich nicht mehr zu über­se­hen ist. Ent­spre­chend meh­ren sich in NATO-Krei­sen die Rufe nach einem Waf­fen­still­stand mit den Rus­sen. Ein sol­ches Ansin­nen wird von der Selens­kij-Pro­pa­gan­da­film-Trup­pe in Kiew jedoch strikt abge­lehnt, weil das Film­skript vom Pro­du­zen­ten in Washing­ton noch nicht ent­spre­chend umge­schrie­ben wor­den ist und auch Regis­seur Boris John­son in Lon­don sei­ner Schau­spiel­trup­pe in Kiew noch kei­ne neu­en Anwei­sun­gen gege­ben hat.

In Ber­lin scheint die Rea­li­tät jedoch noch nicht ange­kom­men zu sein. Hier herrscht sowohl zwi­schen den Par­tei­en als auch inner­halb der Par­tei­en wei­ter ein Wett­be­werb, wer der här­te­re Kriegs­trei­ber gegen die Rus­sen ist. Dage­gen hat man in Paris und Rom bereits ange­fan­gen dar­über nach­zu­den­ken, wie es in Euro­pa wei­ter­ge­hen soll, wenn – wie jetzt abseh­bar ist – Russ­land gewinnt. Alles deu­tet dar­auf hin, dass die Ukrai­ne in ihrer post­so­wje­ti­schen Form nicht län­ger exis­tie­ren wird. Die Regio­nen, und damit ist nicht nur der Don­bass gemeint, die seit Jahr­hun­der­ten Urbe­stand­teil Russ­lands waren, wer­den nach allem, was seit dem Mai­dan-Putsch 2014 gesche­hen ist, nicht mehr unter der Knu­te des Kiew-Regimes leben wollen.

Bei der Grün­dung der Sowjet­uni­on hat­te Lenin die­se bereits teil­wei­se indus­tria­li­sier­ten urrus­si­schen Regio­nen der neu­en Ukrai­ni­schen Sozia­lis­ti­schen Sowjet­re­pu­blik zuge­schla­gen. Ziel war es gewe­sen, der neu­en Teil­re­pu­blik bes­se­re wirt­schaft­li­che Ent­wick­lungs­chan­cen zu geben, indem ein aus­ge­wo­ge­ne­res Ver­hält­nis zum von rück­stän­di­ger Land­wirt­schaft gepräg­ten rie­si­gen West­teil der Ukrai­ne geschaf­fen wor­den war. Für die Rus­sen hat­te es damals kei­ne Rol­le gespielt, ob sie in der Rus­si­schen oder Ukrai­ni­schen Sowjet­re­pu­blik leben und arbei­ten. Das war ledig­lich eine Ver­wal­tungs­fra­ge gewe­sen. Das änder­te sich nach der Auf­lö­sung der Sowjet­uni­on 1991 und der Unab­hän­gig­keit der Ukrai­ne, die ohne Volks­ab­stim­mung die urrus­si­schen Gebie­te ein­fach behielt.

Dra­ma­ti­sche Züge nahm die Lage der Rus­sen in der Ukrai­ne erst nach dem von den USA über vie­le Jah­re mit fünf Mil­li­ar­den Dol­lar vor­be­rei­te­ten Nazi-Putsch im Jah­re 2014 an. Mit den nach­fol­gend in Kiew erlas­se­nen anti­rus­si­schen Geset­zen wur­de den in der Ukrai­ne leben­den Rus­sen die Benut­zung ihrer Spra­che, ihrer Kul­tur, ihrer Bücher und Zei­tun­gen und alle äuße­ren Zei­chen ihrer Ver­bun­den­heit mit Russ­land ver­bo­ten. Es waren die frei­wil­li­gen Nazi-Batail­lo­ne, die die­se Geset­ze mit bru­ta­ler Gewalt und Will­kür im Don­bass, aber auch in Mariu­pol und Odes­sa oft mit Mord und Tot­schlag durch setz­ten. So kam es zu dem Auf­stand im Don­bass und der Abtren­nung der zwei selbst erklär­ten Volksrepubliken.

Aktu­ell fin­den in zwei der von der rus­si­schen Armee befrei­ten urrus­si­schen Regio­nen, Cher­son und Sapo­rosch­je, poli­ti­sche Ver­än­de­run­gen statt, die auch nach einem Waf­fen­still­stand oder einem Frie­dens­ver­trag mit einer wie auch immer aus­se­hen­den Rest­ukrai­ne mit hoher Wahr­schein­lich­keit nicht mehr rück­gän­gig gemacht wer­den kön­nen, weil die loka­le Bevöl­ke­rung bei einem Refe­ren­dum dage­gen wäre. Denn Russ­land hat nicht nur über­le­ge­nes mili­tä­ri­sches Poten­zi­al zu bie­ten, son­dern auch viel Soft Power, erst recht im Ver­gleich zu dem seit Jah­ren kaput­ten Staat Ukrai­ne, in dem der Lebens­stan­dard der arbei­ten­den Bevöl­ke­rung um ein Viel­fa­ches unter dem in Russ­land liegt.

Aktu­ell baut Russ­land in den Regio­nen Cher­son und Sapo­rosch­je laut loka­ler Quel­len bereits eine voll­wer­ti­ge zivil-mili­tä­ri­sche Ver­wal­tung auf, u. a. mit der Umstel­lung des Zah­lungs­ver­kehrs auf Rubel, der Anbin­dung ans rus­si­sche Fern­se­hen und Inter­net sowie der Umstel­lung der SIM-Kar­ten auf rus­si­sche Mobil­funk­be­trei­ber. Rus­si­sche Auto­kenn­zei­chen wer­den aus­ge­ge­ben, Sym­bo­le der ukrai­ni­schen Staat­lich­keit wer­den ent­fernt, und ein beschleu­nig­tes Ver­fah­ren bei der Bean­tra­gung rus­si­scher Päs­se wur­de auf den Weg gebracht. Alles deu­tet dar­auf hin, dass Russ­land es mit die­sem Ter­ri­to­ri­um ernst meint und beab­sich­tigt, dort für lan­ge Zeit zu blei­ben. Im Gegen­satz zu den von Russ­land kon­trol­lier­ten Bezir­ken in der Regi­on Char­kow, wo bis­her nichts der­glei­chen bis­her beob­ach­tet wurde.

Zugleich bekommt Wla­di­mir Selens­kij von allen Sei­ten, aus dem In- und Aus­land, erst­mals rich­ti­gen Gegen­wind zu spü­ren. Die jüngs­ten Vor­stö­ße der rus­si­schen Armee und die wahn­sin­ni­gen Befeh­le, bis zum letz­ten Mann in den vom rus­si­schem Mili­tär ein­ge­kes­sel­ten Regio­nen zu kämp­fen, erin­nern nicht nur an Nazi-Durch­hal­te­pa­ro­len in der End­pha­se des Zwei­ten Welt­krie­ges, son­dern sie haben auch von der ukrai­ni­schen Gesell­schaft in Form von Toten und Ver­wun­de­ten und zer­stör­te Infra­struk­tur einen hohen Tri­but gefor­dert. Ins­ge­samt stel­len die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen einen nicht mehr zu leug­nen­den schwe­ren Rück­schlag für die vom Wes­ten unter­stütz­te Regie­rung dar.

Gleich­zei­tig scheint der von den Medi­en hoch­ge­spiel­te angeb­li­che natio­na­le Kon­sens in der Ukrai­ne ver­flo­gen zu sein, dass sich alle poli­ti­schen Grup­pie­run­gen hin­ter der sieg­rei­chen ukrai­ni­schen Armee ver­sam­meln müss­ten, anstatt Kri­tik an den Ent­schei­dun­gen von Prä­si­dent Selens­kij zu üben. Offen­sicht­lich ste­cken Selens­kij und sei­ne Pro­duk­ti­ons­team in Kiew jetzt in gro­ßen Schwie­rig­kei­ten. Immer schril­ler klin­gen die vor­ge­tra­ge­nen Beschwö­run­gen der ukrai­ni­schen Ein­heit. Immer drän­gen­der wer­den die oft mit unflä­ti­gen Wor­ten beglei­te­ten For­de­run­gen nach noch mehr west­li­chen Waffen.

Auch in den Ohren sei­ner eins­ti­gen Bewun­de­rer klingt Selens­kij mit sei­nen oft irren, rea­li­täts­fer­nen Erklä­run­gen zuneh­mend hohl. Vor dem Hin­ter­grund des abseh­ba­ren Zusam­men­bruchs von Armee und Gesell­schaft wir für alle deut­lich: Selens­kij ist kein Staats­mann, son­dern ein Schau­spie­ler in einer Rol­le, bei der er das Skript ver­ges­sen hat und sei­ne Souf­fleu­re in Lon­don und Washing­ton selbst rat­los sind. Die von Kiew unter akti­ver anglo­ame­ri­ka­ni­scher Mit­hil­fe in Gang gesetz­te Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne war anfangs enorm effek­tiv. Ihr Man­tra lautete:

Wir wer­den ange­grif­fen, der kol­lek­ti­ve Wes­ten unter­stützt uns, denn wir sind das Boll­werk, das Euro­pa vor den Bar­ba­ren schützt. Gemein­sam haben wir uns behaup­tet, und mit west­li­cher Hil­fe wer­den wir den Feind zum Rück­zug zwin­gen und den Don­bass und die Krim zurückerobern.

Die Lese­ma­schi­ne hat längst ange­fan­gen zu stot­tern, und ange­sichts der tages­ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen kommt immer mehr Sand ins Getrie­be. Dies hat auch damit zu tun, dass die ein­fa­chen ukrai­ni­schen Sol­da­ten inzwi­schen ver­stan­den haben, dass sogar das im Stil der Waf­fen-SS bewun­der­te, als beson­ders hart und mutig gel­ten­de Nazi-Batail­lon Asow im gleich­na­mi­gen Stahl­werk in Mariu­pol nur als Kano­nen­fut­ter ein­ge­setzt wur­de, mit der die Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne gefüt­tert wurde.

Wenn aber die gefei­er­ten Asow-Hel­den nicht wie befoh­len bis zum letz­ten Mann im Stahl­werk in Mariu­pol kämp­fen woll­ten, war­um sol­len das die ein­fa­chen Sol­da­ten tun, die oft von der Stra­ße weg zwangs­re­kru­tiert, in Uni­for­men gesteckt und nach kur­zem Schieß­trai­ning an die Front in den Kampf­ein­satz gegen die pro­fes­sio­nel­len Sol­da­ten des Geg­ners geschickt wur­den? So lässt sich sicher erklä­ren, dass kurz nach dem Fall von Mariu­pol auch die Front im Don­bass ins Brö­ckeln geriet. Ange­sichts dro­hen­der Ein­kes­se­lun­gen zie­hen sich Kiews Sol­da­ten jetzt immer häu­fi­ger zurück, geben kampf­los gan­ze Städ­te und Dör­fer auf oder erge­ben sich oft in Kom­pa­nie­stär­ke den Rus­sen, die ihnen Essen, Behand­lung ihrer Wun­den, Benach­rich­ti­gung ihrer Fami­li­en und ein siche­res Über­le­ben die­ses Wahn­sinns bieten.

Was unse­re poli­ti­schen »Eli­ten« in Ber­lin betrifft, so ist es gefähr­lich, von ihnen auf Ver­nunft basie­ren­de Ent­schei­dun­gen zu erwar­ten. Alles ist mög­lich. Erkennt­nis­se, die seit Jahr­zehn­ten ein soli­des Fun­da­ment für die Sicher­heits­po­li­tik Deutsch­lands gebil­det hat­ten, egal unter wel­cher Regie­rung, wer­den kurz­um über Bord gewor­fen, um durch kon­fu­ses Bla­bla ersetzt zu werden.

Noch vor weni­ger als zehn Jah­ren hat­te man in Ber­lin ver­stan­den und das auch immer wie­der betont, dass »es ohne Russ­land kei­ne Sicher­heit in Euro­pa gibt. Und gegen Russ­land erst recht nicht«. Die­se For­mel wur­de jetzt durch »Die Ukrai­ne muss gewin­nen« ersetzt.

Zugleich schei­nen sich Deutsch­lands Eli­ten in Poli­tik und Medi­en wei­ter krank­haft der Rea­li­tät zu ver­wei­gern, dass die ins­ge­samt sechs EU-Sank­ti­ons­pa­ke­te gegen Russ­land alle Rohr­kre­pie­rer waren. Vor allen ande­ren hat sich Deutsch­land damit selbst fort­wäh­rend ins Knie geschos­sen. In der deut­schen Bevöl­ke­rung ist die­se Erkennt­nis längst ange­kom­men, und die Men­schen rei­ben sich ver­wun­dert die Augen und fra­gen, war­um sie es sind, die haupt­säch­lich unter die­sen gegen Russ­land gerich­te­ten Sank­tio­nen lei­den. Und sie lei­den wirk­lich und sie wer­den noch viel schlim­mer lei­den, wenn die deut­sche Bun­des­re­gie­rung ihre wahn­sin­ni­gen Sank­ti­ons- und grü­nen Reset-Plä­ne weiterverfolgt.

Russ­land hat alles, was Deutsch­land und ande­re Indus­trie­na­ti­on zum Funk­tio­nie­ren brau­chen. Es ist wahr­schein­lich das aut­arks­te Land der Welt, selbst im Bereich Land­wirt­schaft und Lebens­mit­tel gehört es zu den welt­größ­ten Expor­teu­ren. Zu ver­su­chen, den Export die­ser über­all auf der Welt begehr­ten, nicht im Über­fluss vor­han­de­nen, sehr wett­be­werbs­fä­hi­gen rus­si­schen Roh­stof­fe ein­zu­schrän­ken oder gar zu stop­pen, ist mit Don Qui­jo­tes Kampf gegen Wind­müh­len zu vergleichen.

Aber selbst wenn die­se Erkennt­nis auch im poli­ti­schen Ber­lin dem­nächst ankom­men wür­de, dass näm­lich Russ­land ganz gut ohne EU und ohne Deutsch­land aus­kom­men kann, aber Deutsch­land nicht ohne Russ­land, so ist es doch zwei­fel­haft, dass Ber­lin dar­aus die ein­zig rich­ti­ge Schluss­fol­ge­rung zieht. Die­se wäre: sich zur Ret­tung Deutsch­lands sofort aus der EU- und NATO-Umklam­me­rung zu lösen, aus deren Sank­ti­ons­re­gi­men gegen Russ­land aus­zu­stei­gen und wie­der nor­ma­le diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen zu Russ­land aufzunehmen.

Dazu aber müss­ten wir an der Spit­ze unse­res Staa­tes klu­ge und durch­set­zungs­fä­hi­ge Patrio­ten haben. Selbst in der Oppo­si­ti­on gibt es die nur ver­ein­zelt. Statt­des­sen haben wir eine Nega­tiv­aus­le­se aus Ver­sa­gern in den Top-Posi­tio­nen, die sich als Eli­ten auf­spie­len und die unter US-Auf­sicht fest in das neo­li­be­ra­le Netz­werk von Washing­tons »regel­ba­sier­ter Welt­ord­nung« ein­ge­bun­den sind. Die­sem Netz kann man durch poli­ti­schen Selbst­mord ent­kom­men. So rast der füh­rer­lo­se Zug Deutsch­land wei­ter auf die ein­ge­stürz­te Brü­cke zu; die Brem­sen sind defekt, und eine Wei­che, um den Zug in eine ande­re Rich­tung zu len­ken, gibt es nicht.

Rai­ner Rupp ist Mit­glied des Bei­rats des Deut­schen Frei­den­ker-Ver­ban­des, von des­sen Web­site frei​den​ker​.org der Arti­kel, Erst­ver­öf­fent­li­chung am 10.06.2022 auf RT DE, über­nom­men wurde.

Bild: Ukrai­ni­sche Pro­pa­gan­da im Rot­licht­vier­tel St. Paulis

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