Braucht die Freie Linke ein Programm?

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Ein Debattenbeitrag aus der Anarchistischen Libertären Strömung der Freien Linken

Von ver­schie­de­ner Sei­te gibt es in den Grup­pie­run­gen der Frei­en Lin­ken in letz­ter Zeit Bestre­bun­gen eine Art Pro­gramm zu ent­wi­ckeln, meh­re­re die­ser Ent­wür­fe lie­gen bis dato vor. Wir möch­ten uns hier erst­mal von einer ande­ren Sei­te dem The­ma annä­hern, und zwar von der Fra­ge nach dem Selbst­ver­ständ­nis der Orga­ni­sa­ti­ons­form der Frei­en Linken.

Die Freie Lin­ke star­te­te zunächst als online-Initia­ti­ve vor­wie­gend auf dem Mes­sen­ger­dienst Tele­gram unter den bekann­ten Ein­schrän­kun­gen des Aus­nah­me­zu­stands im Coro­na-Maß­nah­men­staat. Sie kon­sti­tu­ier­te sich im Auf­ruf vom 01.01.2021 als Samm­lungs­be­we­gung, den wir hier­mit noch­mal aus­drück­lich zur Lek­tü­re emp­feh­len und bis heu­te gibt es unse­res Wis­sens kei­ne dar­über­hin­aus­ge­hen­de Erklä­rung, die für sich in Anspruch neh­men kann von allen Frei­en Lin­ken mit­ge­tra­gen zu werden.

Mit der Zeit ent­wi­ckel­ten sich in ver­schie­de­nen Regio­nen Zusam­men­schlüs­se von Akti­vis­ten und es gab auch immer mehr off-line Aktio­nen im rea­len Leben, so fand am 06.02.2021 die ers­te unter dem Namen der Frei­en Lin­ken ange­mel­de­te Demo in Hal­le statt. Zur 1. Mai-Demo 2021 in Ber­lin trat die Freie Lin­ke auch als Mit­or­ga­ni­sa­tor einer Demo auf . Die­se sein hier nur als Bei­spie­le genannt, wie in Hal­le und Ber­lin kamen auch in ande­ren Regio­nen Deutsch­lands und auch dar­über hin­aus Freie Lin­ke zusam­men und wur­den gemein­sam aktiv. Einen wirk­li­chen Über­blick über die regio­na­len Zusam­men­schlüs­se haben wir nicht und hat viel­leicht auch nie­mand, aber das muss kein Nach­teil sein.

Mitt­ler­wei­le gibt es vie­le Grup­pen, Unter­grup­pen und Strö­mun­gen der FL die ja auch in die­sem Jahr nun zum zwei­ten Mal zur 1. Mai-Demo 2022 in Ber­lin zusam­men­ka­men. Auch wenn die von vie­len erhoff­te alles umwäl­zen­de Ent­wick­lung bis­her aus­blieb, ist dies ein Zei­chen von Kon­ti­nui­tät und zeigt, trotz des Streits und der Tren­nun­gen, die es unter uns auch gab, wir sind noch da. Wir heben das aus­drück­lich her­vor, weil wir den­ken, dass dies in Zei­ten einer durch die Macht­eli­ten for­cier­ten all­um­fas­sen­den gesell­schaft­li­chen Spal­tung der Erwäh­nung wert ist.

Sind die Grup­pie­run­gen, die es unter dem Namen Freie Lin­ke gibt, wir zäh­len hier die Freie Lin­ke Zukunft ganz klar mit dazu, über­haupt eine Sam­mel­be­we­gung? Wir mei­nen ja, hat sie doch gezeigt, dass sie zu Bewe­gung ver­sam­meln ver­mag. Klar nicht immer alle, auch nicht immer zur sel­ben Zeit und am glei­chen Ort. Im Auf­ruf selbst ist auch nur von einem Zusam­men­schluss die Rede aber aus den wört­li­chen Bekun­dun­gen der Initia­to­ren der ers­ten Stun­den geht die­se Absicht klar her­vor. Oder war es mehr als Auf­ga­be zu ver­ste­hen eben jenen Zusam­men­schluss zu bil­den und wenn ja, wie ist das gelungen?

Gar nicht so ein­fach zu beant­wor­ten­de Fra­gen. Wir den­ken es ist so gut oder schlecht gelau­fen, wie es eben gut oder schlecht hat­te lau­fen kön­nen und eigent­lich ist die Fra­ge nach dem Ver­gan­ge­nem auch nicht beson­ders inter­es­sant. Die nach der Zukunft umso mehr. Wie soll­te sich also eine pro­gres­si­ve, um mal ein Stich­wort von Ger­hard auf­zu­grei­fen, und eman­zi­pa­to­ri­sche Bewe­gung auf­stel­len, um im aktu­el­len Kon­text Ver­än­de­run­gen hin zu einer frei­en, gerech­ten und men­schen­wür­di­gen Gesell­schaft zu bewir­ken denn das ver­ste­hen wir unter einem lin­ken pro­gres­si­ven poli­ti­schen Anspruch.

Kom­men wir also zum The­ma die­ses Bei­trags zurück. Braucht eine Sam­mel­be­we­gung, braucht die Freie Lin­ke zum jet­zi­gen Zeit­punkt ein Programm?

Und jetzt wird es ver­mut­lich kon­trär, da eini­ge der Ent­wür­fe sich in unse­ren Augen lesen als wären sie Pro­gram­me für Par­tei­en mit typisch par­ti­ku­la­ren Mei­nungs­bil­dern. Es gab von Anfang an auch ver­ein­zelt Stim­men die aus der FL eine Par­tei machen woll­ten oder dies sich zumin­dest für Teil­men­gen aus ihr vor­stel­len konn­ten und ja die­ser Weg steht offen. Aber ist das eine gute Idee?

Nun wer­den eini­ge viel­leicht sagen, nur weil sich die FL ein Pro­gramm gibt, wird sie doch noch nicht auto­ma­tisch zur Par­tei. Nur, was macht denn dann eine Grup­pie­rung zur Par­tei, wenn nicht ein ein­heit­li­ches Pro­gramm und ein biss­chen Struktur?

Als Par­tei, im bestehen­den Sys­tem wäre die FL wie ein Fisch auf dem Tro­cke­nen. Aber als Samm­lungs­be­we­gung der lin­ken außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on wer­den wir Sand­kör­ner im Getrie­be des immer auto­ri­tä­rer auf­tre­ten­den Staa­tes sein und der Sta­chel im Fleisch der eta­blier­ten Linken.

Eine Par­tei sucht immer zu ver­ein­heit­li­chen und auf Linie zu brin­gen, der auf­merk­sa­me Leser wird die­se Ten­denz auch in den vor­lie­gen­den Ent­wür­fen aus­ma­chen. Es wer­den all­ge­mein wün­schens­wer­te For­de­run­gen mit par­ti­ku­la­ren Mei­nungs­bil­dern ver­bun­den. Dann wer­den wir sehr wahr­schein­lich erle­ben, wie eine Frak­ti­ons­bil­dung erfolgt mit sich anschlie­ßen­den Macht­kämp­fen, selbst wenn die­se dann auf als demo­kra­tisch bezeich­ne­te Mehr­heits­ent­schei­dun­gen hin­aus­lau­fen soll­ten, ist der Rah­men doch im min­des­ten fraglich.

Wir möch­ten hier wirk­lich mal dazu anre­gen dar­über nach­zu­den­ken, ob es nicht an der Zeit ist damit zu bre­chen demo­kra­ti­sche Ansprü­che in den Abfra­gen von Mehr­heits­ent­schei­dun­gen zu iden­ti­fi­zie­ren, sie erzeu­gen immer Gewin­ner und Ver­lie­rer, ori­en­tie­ren somit zwangs­läu­fig auf eine Kampf­si­tua­ti­on, die den Keim der Spal­tung schon in sich trägt, oft sogar ohne über­haupt den Ver­such unter­nom­men zu haben nach gang­ba­ren Gemein­sam­kei­ten zu suchen. Mehr­heits­ent­schei­dun­gen soll­ten bei Ent­schei­dungs­fin­dun­gen mit ech­tem demo­kra­ti­schem Anspruch die Aus­nah­me und nicht die Regel sein.

Hier­ar­chi­sche Struk­tu­ren, ob in einer Par­tei oder in einem spä­ter ange­streb­ten Räte­sys­tem, sind außer­dem leicht von den Fein­den der Revo­lu­ti­on zu beein­flus­sen oder sogar zu über­neh­men. Beson­ders zen­tra­lis­ti­sche Hier­ar­chien haben es den Macht­ver­lieb­ten ange­tan, kann man doch in ihnen so schön von oben durch­re­gie­ren. Ein Geg­ner aber braucht nur punk­tu­ell angrei­fen und kann bei Erfolg den gan­zen Laden über­neh­men, seht euch doch nur die Par­tei Die Lin­ke an. Bei einer brei­ten Sam­mel­be­we­gung aus unab­hän­gi­gen Grup­pie­run­gen dürf­te das viel schwe­rer und res­sour­cen­auf­wen­di­ger sein. War­um es also der Reak­ti­on unnö­tig leicht machen.

Wir den­ken aktu­ell ist die dring­lichs­te Auf­ga­be mög­lichst vie­le unab­hän­gi­ge funk­tio­nie­ren­de FL-Grup­pen zu grün­den. Ob zu Demos oder ande­ren Ver­an­stal­tun­gen soll­ten die­se ver­su­chen Treff­punk­te zu eta­blie­ren. Treff­punk­te, an denen wir uns selbst den Gesprächs­raum offen­hal­ten und auch ange­spro­chen wer­den kön­nen. Die von vie­len kri­ti­sier­ten Online-Plät­ze, die vie­le von uns ja auch zusam­men­ge­führt haben, bewer­ten wir des­we­gen auch posi­tiv. Man soll­te nur zu einem rea­len Bild ihrer Mög­lich­kei­ten und Gren­zen kom­men. Die Mög­lich­kei­ten der Online­pu­bli­ka­ti­on sind wei­te­re sol­cher Plät­ze, es gibt ja schon ein paar und das ist eine zu begrü­ßen­de Ent­wick­lung. Super wären auch Print For­ma­te, die sich ja bes­ser für eine Hand zu Hand Wei­ter­ga­be eig­nen und auch viel schwe­rer wie­der aus der Welt zu bekom­men sind. Es geht dar­um, sich den Raum zur Arti­ku­la­ti­on zu schaf­fen, sich dann dort auch in die­ser zu üben und die Sicht­bar­keit der FL wei­ter zu stär­ken. Und wenn hier von Arti­ku­la­ti­on die Rede ist, es ist jede/​r Freie Lin­ke gemeint, es gilt eine Gesprächs­kul­tur zu beför­dern die es als ega­li­tär bezeich­net zu wer­den ver­dient. Es wäre wün­schens­wert, wenn nicht nur immer von Arbei­tern gere­det wird son­dern auch Arbei­ter zu hören und zu lesen sind. Hier ist der Dis­kurs über die­se anzu­füh­ren­den »Mas­sen« die wir eigent­lich lie­ber als Men­schen betrach­ten wol­len doch sehr aka­de­misch geprägt.

Es gibt wohl Leu­te, die mei­nen, dass nur die Arbeit an Pro­gram­men einer poli­ti­schen Bewe­gung zu Bestand und Ent­wick­lung ver­hilft, ja man habe kürz­lich sogar gele­sen, dass jemand mein­te eine poli­ti­sche Grup­pie­rung »dege­ne­riert« wenn sie nicht an ihrem Pro­gramm arbei­tet. Erst­mal fin­den wir die­se bio­lo­gis­tisch anmu­ten­de Bezeich­nung für eine Ver­ei­ni­gung von Men­schen unan­ge­bracht und hal­ten den hier behaup­te­ten Auto­ma­tis­mus auch für falsch. Es hat immer kon­kre­te Grün­de, war­um sich Grup­pen ent­wi­ckeln oder eben auch nicht, eine Pro­gram­ma­tik mag ein Aspekt unter ande­ren sein. Das Zwi­schen­mensch­li­che ist ver­mut­lich gera­de im Ent­ste­hen einer Grup­pe viel wich­ti­ger, beein­flusst es doch ob spä­ter eine Ver­trau­ens­ba­sis ent­ste­hen kann und hier wirkt die oben beschrie­be­ne Kampf­si­tua­ti­on fatal. Wir den­ken sogar, dass ein Pro­gramm zur fal­schen Zeit die Mög­lich­kei­ten der Ent­wick­lung sehr ein­schrän­ken kann, mög­li­cher­wei­se kann aber auch genau das im Inter­es­se ein­zel­ner Akteu­re in Bezug auf ihre par­ti­ku­la­ren Mei­nungs­bil­der liegen.

Das Selbst­ver­ständ­nis der Grup­pe soll­te im Kon­sens durch die Men­schen bestimmt wer­den, eine Pro­gram­ma­tik birgt auch immer die Gefahr zur Dog­ma­tik zu werden.

Als Sam­mel­be­we­gung ist die Freie Lin­ke erst­mal eine genia­le Idee, schon der Name ist ein Voll­tref­fer, holt er doch den geschun­de­nen und unter Lin­ken zu Unrecht ver­schmäh­ten Frei­heits­be­griff in den lin­ken Dis­kurs zurück. Eine dif­fe­ren­zier­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Begriff der Frei­heit ist drin­gend gebo­ten. Meist wer­den ja zu sei­ner Dis­kre­di­tie­rung wirt­schafts­li­be­ra­le Ent­wick­lun­gen ange­führt, obwohl doch der poli­ti­sche Libe­ra­lis­mus eine wich­ti­ge Wur­zel gera­de in den anti­au­to­ri­tä­ren lin­ken Tra­di­ti­ons­li­ni­en ist.

Für die Sam­mel­be­we­gung Freie Lin­ke als Gan­zes kön­nen wir uns nur einen kon­sens­ori­en­tier­ten For­de­rungs­ka­ta­log vor­stel­len. Par­ti­ku­la­re Mei­nungs­bil­der wie das Pro­pa­gie­ren der Nut­zung der Atom­ener­gie als alter­na­tiv­lo­sen Heils­brin­ger der Mensch­heit sind in unse­ren Augen, zum jet­zi­gen Zeit­punkt bei gege­be­ner Infor­ma­ti­ons­la­ge, sicher eher eine Min­der­heits­mei­nung. Es gibt auch Bei­spie­le, wie zum Bei­spiel die For­de­rung nach Bür­ger­rä­ten in der Ber­li­ner Regio­nal­grup­pe, die viel­leicht mehr­heits­fä­hig sind aber trotz­dem nicht im Kon­sens getra­gen wer­den. Auch ein links gedach­ter Mili­ta­ris­mus, sei es im Gewand von Volks­mi­li­zen oder glo­ba­len Ein­greif­trup­pen für eine »Gute« Sache wird sehr wahr­schein­lich nicht im Kon­sens getra­gen wer­den. Zumal die Volks­mi­li­zen uns den Ver­dacht eines geplan­ten gewalt­sa­men Umstur­zes sei­tens des Staa­tes ein­tra­gen könn­ten und wir so selbst den Vor­wand zu unse­rer eige­nen Bekämp­fung lie­fern. Bei­des, Atom­ener­gie und Mili­ta­ris­mus, sind in ers­ter Linie Gefah­ren für Leib und Leben von unzäh­li­gen Men­schen, auch wenn sie für man­chen ver­füh­re­ri­sche Chan­cen zu sein scheinen.

Und da zeigt sich auch schon ein ganz wich­ti­ger Vor­teil der Sam­mel­be­we­gung, auch sol­che Min­der­hei­ten­mei­nun­gen kön­nen in ihr ver­tre­ten wer­den aber in einem nach außen gerich­te­ten For­de­rungs­ka­ta­log soll­ten sie kei­nen Platz bekom­men, zumin­dest wäre ihnen Wider­stand gewiss. Mili­ta­ris­tisch gepräg­te For­de­run­gen ver­min­dern abseh­bar auch die Anschluss­fä­hig­keit an pazi­fis­tisch ori­en­tier­te Frie­dens­be­weg­te, die ja zur­zeit sei­tens des Main­streams als Lum­pen-Pazi­fis­ten beschimpft wer­den. Da rufen wir lie­ber in Soli­da­ri­tät mit diesen:

Lasst uns alle Lum­pen­pa­zi­fis­ten sein und kein Mensch hat das Recht ande­re in den Tod zu schicken.

Die Freie Lin­ke will eine brei­te, ver­ein­te und strö­mungs­über­grei­fen­de Bewe­gung ins Leben rufen, sich dezen­tral und von unten orga­ni­sie­ren, um eine mit ech­ter Soli­da­ri­tät erfüll­te Erneue­rung der eman­zi­pa­to­ri­schen Bewe­gung zum Kei­men zu bringen.

So steht es im Auf­ruf. Das »breit« und »ver­eint« ist wie wir ler­nen muss­ten, nicht so leicht, eben weil es not­wen­dig ist eine strö­mungs­über­grei­fen­de Bewe­gung zu wer­den. Dahin­ter steht auch ein Lern­pro­zess, nach dem wir hof­fent­lich befä­higt sind, nicht mehr destruk­tiv Ener­gien zu ver­geu­den in dem wir uns wegen der Din­ge bekämp­fen, in denen wir uneins sind, son­dern Kraft dar­aus schöp­fen uns zu ver­ei­nen in Ziel­set­zun­gen, die uns gemein sind. Ger­hard ver­such­te es mit der Losung »Frie­den, Frei­heit, Sozia­lis­mus«, die ers­ten bei­den Punk­te »Frie­den« und »Frei­heit« stel­len mehr oder weni­ger kon­kre­te Ziel­set­zun­gen dar über die wir uns sehr wahr­schein­lich recht pro­blem­los einig wer­den. Der letz­te Punkt »Sozia­lis­mus« ist eine Fra­ge der ange­streb­ten Gesell­schafts­ord­nung, also noch Uto­pie und was ein jeder dar­un­ter ver­steht ist recht ver­schie­den. Wir Anar­chis­ten wer­den dann rufen »Frie­den, Frei­heit, Anar­chie« und wer weiß, wenn die ers­ten bei­den Punk­te erst­mal ver­wirk­licht sind, ist das letz­te­re sich viel­leicht gar nicht mehr so unähn­lich aber das sehen wir uns dann genau an. Bezug­nah­men auf ideell gepräg­te Uto­pien soll­ten lie­ber in For­de­run­gen im Namen der gan­zen FL ver­mie­den werden.

Neben­bei, wenn wir Frie­den und Frei­heit in einer auf Frei­wil­lig­keit basie­ren­den gerech­ten wie men­schen­wür­di­gen Gesell­schaft ver­wirk­licht haben, haben wir Anar­chie. Dann herrscht kein Mensch mehr über einen ande­ren und wir sind FREI von Herr­schaft.

Wenn wir For­de­run­gen auf­stel­len, dann sol­che die eben die­se Frei­wil­lig­keit, ein men­schen­wür­di­ges Leben unter Aner­ken­nung der indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se und der wei­test­ge­hend frei­en Ent­fal­tung der indi­vi­du­el­len Poten­tia­le betonen.

Man möge uns hier nicht falsch ver­ste­hen, wir den­ken Uto­pien sind wich­tig für die Men­schen. Wir dür­fen unse­re Träu­me und unse­re Wün­sche für eine bes­se­re Zukunft nicht unter­be­wer­ten, aber es soll­te auf kon­struk­ti­ve Wei­se sei­nen Platz in den Strö­mun­gen und Initia­ti­ven der Mit­strei­ter fin­den damit es nicht tren­nend zwi­schen uns steht.

Wir fas­sen zusam­men, momen­tan ist Basis­ar­beit gefor­dert, es müs­sen funk­ti­ons­fä­hi­ge Grup­pen auf­ge­baut wer­den, die dar­an arbei­ten Treff­punk­te zu eta­blie­ren. Ein ein­heit­li­ches Pro­gramm stellt hier aus unse­rer Sicht eher eine unnö­ti­ge Limi­ta­ti­on dar. Im Gegen­satz dazu erscheint uns ein im Kon­sens getra­ge­ner For­de­rungs­ka­ta­log, der mög­lichst auf tren­nen­den ideo­lo­gi­schen Bal­last ver­zich­tet durch­aus wich­tig also lasst uns lie­ber gemein­sam dar­an arbeiten.

Die­ser Bei­trag wird von meh­re­ren Mit­glie­dern der Anar­chis­ti­schen Liber­tä­ren Strö­mung der Frei­en Lin­ken getra­gen (Juni, 2022).

Besucht auch ger­ne unse­ren Kanal »Freie Lin­ke Anar­chis­ten« auf Tele­gram.

Bild: Freie Lin­ke tritt in Kas­sel am 20. März 2021 erst­mals mit ihren Flag­gen auf.

3 thoughts on “Braucht die Freie Linke ein Programm?

  1. Lie­be freie Linke,
    die Idee der »frei­en Lin­ken« fin­de ich her­vor­ra­gend und längst überfällig.
    Aus Über­le­gun­gen wie Ihr sie habt her­aus bin ich den Frei­den­kern bei­getre­ten und wer­de mich sehr dar­über freu­en als Frei­den­ker in einer lin­ken Sam­mel­be­we­gung mit vie­len hel­len Köp­fen und Strö­mun­gen mei­nen Platz zu finden.
    Die Über­le­gun­gen Pro­gramm und Par­tei betref­fend sehe ich ganz genau so wie Ihr.
    Was wähl­ba­re Par­tei­en Ver­mö­gen und was ihre Schwä­chen sind könn­ten wir Jahr­zehn­te lang betrach­ten. Sie sind vor allem kaper­bar und ideo­lo­gisch eng. Das kön­nen wir uns nicht leisten.
    Ich habe lei­der kei­ne Ahnung wie eine dezen­tra­le Orga­ni­sa­ti­on funk­tio­nie­ren kann, war selbst immer Ver­fech­ter zen­tra­lis­ti­scher Struk­tu­ren, begrei­fe aber, dass das nicht mehr oder vor­über­ge­hend nicht mehr passt.
    Wie Ihr selbst schon her­aus­ge­fun­den habt, sind sol­che Struk­tu­ren angreifbar.
    Bei einem Pro­gramm ist es die Kom­ple­xi­tät und ideo­lo­gi­sche Enge, die es vie­len nicht mög­lich machen wird beizutreten.
    Die Bewe­gung muss ein sich ent­wi­ckel­ter Orga­nis­mus sein, des­sen Tun sich nicht 5 Leu­te aus­den­ken, son­dern aus gemein­schaft­li­cher Ent­schei­dung her­vor­geht, um eine unge­rad­li­ni­ge damit nach­hal­ti­ge, pul­sie­ren­de Gemein­schaft zu sein, die aller­dings nur eine Rich­tung kennt und nach­ge­wie­sen inhu­ma­ne Ideo­lo­gien ausschließt.
    Das bedeu­tet, dass Ihr schon einer Ziel­stel­lung bedürft, sonst seid Ihr beliebig.
    Ist das dann schon ein Programm?

    Wir kön­nen ger­ne reden.
    Ich bin der Tho­mas aus Leipzig.
    thomas@​thomaswaschkies.​info

    1. Ich hal­te einen zen­tra­lis­ti­schen Ansatz für über­holt. Heu­ti­ge Tech­no­lo­gien vor allem der Kom­mu­ni­ka­ti­on las­sen ganz ande­re Struk­tu­ren zu. Ich hal­te klein­räu­mi­ge­re Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren für sinn­vol­ler, zen­tra­lis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on nur für über­re­gio­na­le Tech­nik wie z. B. Bahn­ver­kehr. Also vor­ran­gig lokal bis regio­nal, zen­tral nur wo es not­wen­dig ist.
      Das gan­ze soll­te sich nach den Not­wen­dig­kei­ten rich­ten, nicht nach star­ren Vor­ga­ben oder Ideologien.

  2. Das Kapi­tal liebt Anar­chis­ten. Denn die­se kann sie mit ihren Pri­vat­ar­me­en leicht unter­drü­cken und unten hal­ten. Angst haben Kapi­ta­lis­ten nur vor Sozialisten/​Kommunisten weil die­se bereit sind für ihre Frei­heit zu kämp­fen und die Bour­geoi­sie zu ent­eig­nen, also FÜR einen Krieg sind wenn es ein sozia­lis­ti­scher Befrei­ungs­krieg ist.
    Die FLZ soll­te sich als Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on von KPD und DKP sehen. Mehr soll­te nicht sein, man muß sich nicht noch wei­ter ver­zet­teln son­dern im Gegen­teil zu einer Ver­ei­ni­gung aller Kom­mu­nis­ten hinarbeiten.
    Dazu gehört auch Anar­chis­ten auf­zu­klä­ren daß ihr Weg nichts als ein Irr­weg ist.
    https://​sascha313​.wor​d​press​.com/​2​0​1​4​/​0​5​/​2​2​/​a​n​a​r​c​h​i​s​m​u​s​-​u​n​d​-​s​o​z​i​a​l​i​s​m​us/

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