Die Sprache der Herrschaft – und der Ohnmacht Lektion 3: »Das kann man nicht vergleichen«

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Mag­Ma publi­ziert von nun an in regel­mä­ßi­gen Abstän­den die bis­her seit 2012 als Video vor­lie­gen­den und basie­rend auf Über­le­gun­gen von Anfang der 90er Jah­re ent­stan­den Lek­tio­nen zur »Spra­che der Herr­schaft und der Ohn­macht« von:

malcom.z

der wei­ße nig­ger aus deutsch-nordost

ein ehe­ma­li­ger mensch der ehe­ma­li­gen DDR

Bis­her lie­gen vor:

Einführung in das Thema Falschsprech

Ein wei­te­res Ein­füh­rungs­bei­spiel sei gege­ben mit: »Das kann man nicht vergleichen«.

Eben­falls ein harm­los daher­kom­men­der Satz, wie ja auch »ehe­ma­li­ge DDR« harm­los daher­kommt, der übri­gens nach unse­rer Kennt­nis eben­falls den 1990ern durch­ge­setzt wur­de, ins­be­son­de­re in als Unter­hal­tungs­sen­dun­gen getarn­te TV-Polit-Prop­gan­da. Auch hier haben die Sys­tem­büt­tel die Lek­tio­nen bes­tens gelernt, die Joseph Goe­b­bels ihnen gepre­digt hat; die Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Tage­bü­cher in den 1980ern in der Brd hat in den 1990ern wahr­lich reich­lich Früch­te getra­gen: Pro­pa­gan­da läßt sich oft­mals viel wir­kungs­vol­ler, effek­ti­ver, tie­fer­ge­hend ins Volk hin­ein­ma­ni­pu­lie­ren, wenn sie als sol­che nicht dekla­riert und nicht zu erken­nen ist, wenn sie nicht als Pro­pa­gan­da eti­ket­tiert ist, son­dern als Unter­hal­tung. Wie die Durch­hal­te­pa­ro­len im Zwei­ten Welt­krieg unter ande­rem in Aben­teu­er- und His­to­ri­en­schin­ken wie Kol­berg und Was­ser für Kani­to­ga daher­ka­men. Das ist ein wesent­li­cher Unter­schied zur Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik, in der man die Pro­pa­gan­da regel­mä­ßig als sol­che aus­wies und sie auch so benann­te. Ein Unter­schied, der selbst­ver­ständ­lich in kei­nem brd-staat­lich sub­ven­tio­nier­ten soge­nann­ten Dik­ta­tu­ren-Ver­gleich vor­kom­men darf. Goe­b­bels’ Tage­bü­cher wur­den also gera­de recht­zei­tig zum Anschluß der DDR ver­öf­fent­licht. Das kann man auch für Zufall hal­ten. Wenn man blöd genug dazu ist.

Vor allem in »Talk­shows« genann­ten TV-Laber­schau­en wur­de der Satz »Das kann man nicht ver­glei­chen« aus­ge­teilt und zum Qua­si-All­ge­mein­gut. Mil­lio­nen­fach nach­ge­plap­pert bis an die Knei­pen­ti­sche, in Wohn­zim­mer-TV-Ses­seln und ‑Cou­ches, in den Kan­ti­nen, vor Imbiß­bu­den wie in Redaktionssitzungen.

Die­ser Satz ist falsch. Grund­sätz­lich. Egal ob man ihn unter erkennt­nis­theo­re­ti­schem Aspekt betrach­tet oder hin­sicht­lich sei­ner All­tags­taug­lich­keit: Man kann – PRIN­ZI­PI­ELL – alles und jedes ver­glei­chen. Das Ähn­li­che wie das Unähn­li­che. Aller­dings: Das Ver­glei­chen ist eine Grund­tech­nik der Erkennt­nis. Wir zei­gen hier: Es geht objek­tiv tat­säch­lich nicht dar­um, ob man etwas ver­glei­chen kann oder nicht, man kann prin­zi­pi­ell alles ver­glei­chen, son­dern ob man es soll und was man, wenn man es tut, dar­aus ler­nen kann. Und daß das Volk dumm gehal­ten wer­den soll auch mit­tels die­ses Sat­zes, was im übri­gen her­vor­ra­gend funktioniert.

Wie mit der Fähig­keit zum Sprach­er­werb wer­den wir Men­schen offen­bar mit der Fähig­keit zum Ver­glei­chen gebo­ren. Eine Fähig­keit, die die höhe­ren Arten über Jahr­mil­lio­nen mit der Ent­wick­lung ihres Gehirns phy­lo­ge­ne­tisch erwor­ben haben und die offen­bar sowohl eine Grund­la­ge des Über­le­bens der Art und der Indi­vi­du­en in Natur und Gesell­schaft ist, aber wohl auch der Herr­schaft des Men­schen über den Men­schen. Weni­ge Mona­te nach der Geburt jeden­falls begin­nen wir Men­schen deut­lich sicht­bar, alles und jedes mit­ein­an­der zu ver­glei­chen, soweit greif­bar, erreich­bar, sicht­bar. Mit den uns dafür jeweils zu Gebo­te ste­hen­den Mög­lich­kei­ten, mit den Augen, mit den Hän­den, mit dem Mund. Und wir ler­nen und ler­nen und ler­nen dar­aus. Eben aus den Ver­glei­chen, ohne daß in die­ser frü­hen Zeit irgend wel­che Vor­ga­ben gel­ten wür­den, was man ver­glei­chen kön­ne – oder dür­fe – und was nicht.

Alles wird ange­faßt, in den Mund genom­men, das eine ist weich, das ande­re hart, das eine schmeckt so, das ande­re anders. So lernt der Mensch, so beginnt er, durch das – freie, offe­ne, unre­gle­men­tier­te – Vergleichen.

Womit wir schon recht nah dran sind am Sinn des hier in Rede ste­hen­den Sat­zes: Indem man Ver­gleich unter­bin­det, ver­hin­dert man Erkennt­nis. Umge­kehrt: Will man Erkennt­nis und Wis­sen ver­hin­dern, muß man nur das Ver­glei­chen – gezielt und selek­tiv – unterdrücken.

Nun tut sich der aktu­el­len Herr­schaft ein Pro­blem auf, das aller­dings nur ein klei­nes für sie ist. Je rei­cher die Herr­schaft, des­to klei­ner. Altväterlich-»autoritär« wür­de man Wis­sen ver­bie­ten, wie man es frü­her unter dem Kai­ser getan hat. Und mit dem Index der katho­li­schen Kir­che, mit der staats­of­fi­zi­el­len Zen­sur der Feu­dal­staa­ten und spä­te­ren kapi­ta­lis­ti­schen Prä­si­di­al- und Kanz­lei-Regime. Aus der jün­ge­ren deut­schen Geschich­te sind die Ver­bo­te und Ein­grif­fe in kom­mu­nis­ti­sche Kunst­wer­ke wie Kuh­le Wam­pe Ende der 1920er bekannt, das Total­ver­bot unter den bei­den As – Adolf und Ade­nau­er – sol­cher Bücher wie Mephis­to von Klaus Mann, in der Brd in den 1950ern bis in die 1980er hin­ein. Der Leser bemer­ke bit­te, daß den aktu­ell gel­ten­den Gleich­schal­tungs-Pro­pa­gan­da­re­geln zufol­ge das 5. SED-Ple­num und die ver­bo­te­nen DDR-Fil­me und ande­res aus der DDR als Ver­bots­bei­spie­le hät­ten erwähnt wer­den müs­sen. Wenn das Prin­zip Ver­bot kon­kre­ti­siert wird, lie­fern seit 1990 meis­tens die DDR, weni­ger oft die Sowjet­uni­on, die ČSSR , die VR Polen und die Hit­ler-Dik­ta­tur die Bei­spie­le. Als wäre in der Brd nicht immer genü­gend und mehr ver­bo­ten und ver­folgt gewe­sen, letzt­lich immer mehr als je in der DDR, näm­lich Ver­nunft und Mensch­lich­keit, aber auch die Wahr­heit über die DDR, die Brd, den Sozialismus/​Kommunismus, die Wahr­heit über die Nazi- und die Jesus-Dik­ta­tur usw. Die Ver­bo­te der Brd und Lügen über die Brd sind so selbst­ver­ständ­lich und wer­den so selbst­ver­ständ­lich nach­ge­plap­pert, daß sie nicht als Ver­bo­te wahr­ge­nom­men wer­den (kön­nen): Wir DDR-Bür­ger durf­ten den Brd-Bot­schaf­ter in der DDR-Haupt­stadt Ber­lin immer Bot­schaf­ter nen­nen wie den DDR-Bot­schaf­ter in Bonn. Die West­ler durf­ten es nicht. Ihr Nicht-Dür­fen haben sie immer als ihre Frei­heit gese­hen. Das Ver­bot durf­te nie medi­en­öf­fent­lich als Ver­bot reflek­tiert wer­den. Unse­re Frei­heit nie als Freiheit.

Der Unter­schied zwi­schen Nazi-Staa­ten und der DDR war bzw. ist u.a., daß in der DDR die ver­bo­te­nen Fil­me noch gedreht wur­den, wäh­rend unter Goe­b­bels-Regie wie in der Brd die Ver­bo­te wesent­lich grund­sätz­li­cher prak­ti­ziert wur­den, schon lan­ge vor dem Dreh. Die Frei­heit der Regis­seu­re ging weder unter Goe­b­bels noch in der Brd je soweit, daß viel End­pro­dukt hät­te ver­bo­ten wer­den müs­sen oder kön­nen. Mephis­to ist ein schö­nes Bei­spiel, da der Film in der Brd nie gedreht wur­de, muß­te man ihn dort nach dem Dre­hen nicht ver­bie­ten. Konn­te es aller­dings auch nicht so rich­tig. Er wur­de von einem unga­ri­schen Regis­seur, Ist­ván Szabó, gedreht. Das Klaus-Mann-Buch wur­de in der Brd erst gar nicht gedruckt, aber den­noch war es ver­bo­ten. Das soll – wie so vie­les ande­re – der Brd-Volks­ge­nos­se gar nicht erst wis­sen, also kommt es in den soge­nannn­ten Dik­ta­tu­ren-Ver­glei­chen auch nicht vor. Das heißt dann Plu­ra­lis­mus und Freiheit.

Die Brd ist gemäß der reli­giö­sen FDGO-Glau­bens­be­kennt­nis­se aller­dings so frei, daß man schlecht offen ver­bie­ten kann zu ver­glei­chen. Jeden­falls gemäß der tag­täg­li­chen Pro­pa­gan­da der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te. Ob ein spe­zi­el­les Ver­bot von einer nen­nens­wer­ten Öffent­lich­keit heu­te noch für etwas Wesent­li­ches gehal­ten wür­de, darf aller­dings bezwei­felt wer­den, aber wenigs­tens mag man das Wort »Ver­bot« nicht, bezo­gen auf die Brd. Das ist, wie schon erwähnt, nur ein klit­ze­klei­nes Pro­blem. Das ganz ein­fach zu behe­ben bzw. zu umge­hen ist:

Wenn man es als Herr­schaft hin­be­kommt, den Unter­ta­nen ein­zu­re­den, daß MAN das, was nicht sein soll, das man aber nicht ver­bie­ten will, gar nicht tun KANN, näm­lich in die­sem Fall ver­glei­chen, dann muß man es nicht ver­bie­ten. So ein­fach ist das. Und genau das ist der Herr­schaft gelun­gen und gelingt ihr bei Bedarf jeden Tag und jede Talk­show Laber­schau neu:

Indem man dem Volk erfolg­reich sug­ge­riert, MAN KÖN­NE etwas NICHT VER­GLEI­CHEN, wird es nicht erst ver­sucht, ohne daß man es je ver­bie­ten müß­te. Und mit den Ver­glei­chen wer­den dann auch Erkennt­nis und Wis­sen erfolg­reich ver­hin­dert. Der­glei­chen haben die böse, böse SED und DDR eben weder getan noch je gewollt. Im Gegen­teil waren die DDR-Bür­ger tag­täg­lich gesell­schaft­lich auf­ge­for­dert, sich Wis­sen anzu­eig­nen, ins­be­son­de­re auch gesell­schaft­li­ches und poli­ti­sches (war­um?), durch ihre Schrift­stel­ler, ihre Thea­ter, durch die elek­tro­ni­schen Medi­en, die Volks­bil­dung, durch Karl-Edu­ard von Schnitz­ler, die SED und auch die Regie­rung usw.

Auch hier wol­len und müs­sen wir noch ein­mal dar­auf auf­merk­sam machen, daß die Lüge nicht erst mit dem Aus­sa­ge­satz beginnt. Sie beginnt hier schon mit dem Wort »ver­glei­chen«, dem Verb, wie auch dem Sub­stan­tiv »Ver­gleich«.

Das Wort »Ver­gleich« wird seit 1990 stra­pa­ziert ins­be­son­de­re in Kom­po­si­ta wie »Dik­ta­tu­ren-Ver­gleich« und ähn­li­chen. Inner­halb der soge­nann­ten Dik­ta­tu­ren-Ver­glei­che wird aber gar nicht oder kaum ver­gli­chen, son­dern haupt­säch­lich ana­lo­gi­siert, also gleich­ge­setzt. Im Gerichts­un­we­sen wird das Wort »Vergleich»ebenfalls falsch ange­wen­det. Das, was »gericht­li­cher Ver­gleich« genannt wird, ist in der Regel Erpres­sung des Schwa­chen und Ehr­li­chen durch den Star­ken und Gemei­nen mit oft heim­tü­cki­scher anwalt­li­cher und rich­ter­li­cher und also staat­li­cher Hil­fe. Bes­ten­falls han­delt es sich, ins­be­son­de­re wenn etwa gleich­star­ke Kon­tra­hen­ten strei­tend ein­an­der gegen­über­ste­hen, um einen Kuh­han­del. Nun kann bzw. will man Kuh­han­del und staat­lich gewoll­te Erpres­sung in einer Pro­zeß­ord­nung nicht als das benen­nen, was es ist und braucht also ein ande­res Wort, und also heißt man Kuhan­del und insti­tu­tio­na­li­sier­te Erpres­sung Ver­gleich, eben­so wie man das Ver­glei­chen als Erkennt­nis­me­tho­de schlecht ver­bie­ten kann und also mit ande­ren Wor­ten zum sel­ben Ergeb­nis kommt oder sogar zu einem noch schlimmeren.

Ein Ver­gleich ist eben etwas anders, als das, was unend­lich oft in der Brd-Pro­pa­gan­da Ver­gleich genannt wird. Was ein Ver­gleich ist, hat der DDR-Bür­ger viel­leicht in der 5. Klas­se im Mathe­ma­tik-Unter­richt unter Mar­got Hon­ecker noch gelernt: Man hat zwei – oder auch mehr – Ver­gleichs­ge­gen­stän­de. Im Mathe-Unter­richt zwei mathe­ma­ti­sche Aus­drü­cke, den einen auf der lin­ken, den ande­ren auf der rech­ten Sei­te. Bei Bedarf formt man die­se so um, daß es dadurch leich­ter oder über­haupt mög­lich wird, zu einem Urteil zu gelan­gen. Und am Ende des Ver­gleichs­pro­zes­ses kommt man zu dem Urteil klei­ner, grö­ßer, gleich.

Die ari­sche Pro­pa­gan­da macht es genau umge­kehrt: Die Brd-Staats-Nazis haben die For­mel rot = braun vor­aus­ge­setzt, also die Pro­pa­gan­da-For­mel für Far­ben- und also Poli­tik-Blin­de, die die Braun-Schwar­zen im Geis­te Hit­lers und Goe­b­bels‹ schon ab 1945 ein­ge­führt und am liebs­ten durch Kol­la­bo­ra­teu­re und nütz­li­che Idio­ten wie den Sozen Schu­ma­cher haben pro­pa­gie­ren las­sen, daß sie es nicht nur selbst dau­ernd und am lau­tes­ten tun muß­ten. Sie haben das »Vergleichs«-Ergebnis also­vor­aus­ge­schickt und damit ‑gesetzt, um die­ses dann zu illus­trie­ren. Der kleins­te gemein­sa­me Nen­ner ist der sel­be Nazi-Anti­kom­mu­nis­mus, aller­dings, wie die Mit­scher­lichs in Die Unfä­hig­keit zu Trau­ern offen­leg­ten, unter Weg­las­sung der fes­ten Ver­bin­dung mit dem ver­ba­len Anti­se­mi­tis­mus. Hier­zu wie­der­um sie­he auch Klem­pe­rers Erklä­rung zum »jüdisch-bol­sche­wis­ti­schen« Feind­bild der Ori­gi­nal-Nazis in der LTI! Bei denen waren es: Die jüdisch-bol­schwis­ti­schen Umtrie­be, Ver­schwö­run­gen, Hin­ter­häl­tig­kei­ten und Gemein­hei­ten, die die Goe­b­bels-Pro­pa­gan­da posaun­te, unter Ade­nau­er dann nur noch die kom­mu­nis­tisch-bol­sche­wis­ti­schen, denn die Amis hat­ten ihre west­deut­schen Kol­la­bo­ra­teu­re ange­wie­sen ihren Anti­se­mi­tis­mus nicht mehr zu pro­pa­gie­ren und offi­zi­ell abzu­schwö­ren. Kaum etwas ande­res sym­bo­li­siert bes­ser die zeit­wei­se, par­ti­el­le Unter­wer­fung der Deutsch-Nazis unter die Ober­ho­heit des US-Dik­tats als die­se Tra­die­rung mit­tels teil­wei­ser Weg­las­sung. Wes­halb nicht zuletzt das Mit­scher­lich-Buch, zwi­schen 1969 und 1989 eines der berühm­tes­ten und wir­kungs­mäch­tigs­ten im deut­schen Sprach­raum, mit dem Anschluß der DDR inner­halb kür­zes­ter Zeit min­des­tens so ver­ges­sen gemacht wur­de wie Marx, Hei­ne, Brecht und die vie­len ande­ren ab 1933. Und ab 1990 wieder.

Die seri­el­le und sys­te­ma­ti­sche Falsch­ver­wen­dung des Ter­mi­nus »ver­glei­chen« führt im übri­gen dazu, daß der Volks­ge­nos­se nicht mehr weiß, was ver­glei­chen über­haupt ist und »ver­glei­chen« gern mit »gleich­set­zen« in eins setzt bzw. ver­wech­selt. Wie die Herr­schaft es eben braucht und pro­pa­gan­dis­tisch inten­diert. Da ihm mit dem Ter­mi­nus »Dik­ta­tu­ren­ver­gleich« regel­mä­ßig eben kein Ver­gleich ver­kauft wird, son­dern Gleich­set­zung bzw. die Illus­tra­ti­on von Gleich­set­zung, denkt der Brd-Volks­ge­nos­se, gleich­set­zen sei ver­glei­chen. So exis­tiert zwar kein offi­zi­ell aus­ge­ge­be­nes Ver­bot, die Brd mit dem Hit­ler-Reich zu ver­glei­chen, da dies aber öffent­lich prin­zi­pi­ell nicht vor­kommt und der Volks­ge­nos­se denkt, ver­glei­chen sei gleich­set­zen, und weiß, daß er die Brd nicht mit dem Hit­ler­reich gleich­set­zen darf, obwohl auch das nicht ver­bo­ten ist, bekommt er, ins­be­son­de­re als in Lohn und Brot ste­hen­der Jour­na­list oder Polit­nik oder Bil­dungs­re­fe­rent oder … oder … gera­de­zu Angst­at­ta­cken, wenn dies in sei­ner Gegen­wart auch nur ansatz­wei­se ver­sucht wird. Denn wenn er auch nicht weiß, was er nicht ler­nen darf, so spürt er doch, daß hier kar­rie­re- bzw. exis­tenz­ge­fähr­den­des Wis­sen lau­ert. Er ist dar­auf trai­niert, das Tabu zu erspü­ren und sich gleich­zei­tig vor der Reflek­ti­on zu schüt­zen. Er ist bzw. hat sich – und sie auch – dem jewei­li­gen Tabu total unter­wor­fen, kann aber jeder­zeit beteu­ern, daß es in der DDR Tabus gege­ben habe. Und je weib­li­cher, jün­ger, piep­si­ger, blon­der, glatt­ge­sich­ti­ger die als angeb­li­che Nach­rich­ten getarn­te poli­ti­sche Pro­pa­gan­da daher­kommt, des­to drin­gen­der sind die­se Polit­ge­be­te weib­lich. Daß Tabus zu jeder mensch­li­chen Gesell­schaft gehö­ren, kann sie eben­so wenig den­ken wie er. Solan­ge sie das Räd­chen im Staats­ge­trie­be sind. Ein als Stan­dard-Bei­spiel für Volks­ver­blö­dung prä­de­sti­nier­tes Bei­spiel, näm­lich wie Falsch­sprech und Tabu Ver­blö­dung ver­ur­sa­chen, hier mit­tels der fal­schen Ver­wen­dung des Wor­tes »Ver­gleich« und des Sat­zes: »Das kann man nicht vergleichen«.

Wir sehen also hier eine Pro­pa­gan­da-For­mel, die sowohl unter dem Aspekt der wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis bzw. Wider­spie­ge­lungs­theo­rie wie des All­tags­wis­sens immer falsch ist und die sowohl als Aus­sa­ge­satz eine Lüge ist, als auch schon mit der Falsch­ver­wen­dung des Ter­mi­nus »ver­glei­chen«. Eine Pro­pa­gan­da-For­mel, die vom Volks­ge­nos­sen i.d.R. nicht reflek­tiert, nicht durch­schaut wer­den kann, und der er sich i.d.R. ohn­mäch­tig unter­wirft, was er dadurch anzeigt und prak­ti­ziert, daß er sie nach­plap­pert und auch nach­ge­plap­pert am Knei­pen­tisch akzep­tiert. Der Volks­ge­nos­se sich also erfolg­reich und sehr effek­tiv vom Ver­glei­chen und also von Den­ken und Erkennt­nis abbrin­gen läßt. Das ist wesent­lich wir­kungs­mäch­ti­ger als jede alt­vä­ter­li­che Zen­sur im 19. oder begin­nen­den 20. Jahr­hun­dert. Und als es die Ver­su­che der SED- und DDR-Füh­rung je waren, der DDR-Bevöl­ke­rung die Nazi-Ver­lo­gen­heit des Brd-Regimes klarzumachen.

Und auch in Sachen »Das kann man nicht ver­glei­chen« gilt, was schon zur »ehe­ma­li­gen DDR« ange­merkt wur­de: Der Satz wur­de in den 1990ern in erheb­li­cher Häu­fig­keit über die Haupt­pro­pa­gan­da-Sen­der den Deutsch-Unter­ta­nen ein­ge­trich­tert. Die Umpro­gram­mie­rung der Deut­schen, zunächst der DDR-Beu­te-Deut­schen, dann auch der West­ler in Reak­ti­on auf die neu­en Mög­lich­kei­ten des sieg­rei­chen West­welt­im­pe­ria­lis­mus auf deut­schem Boden. Ab den 2000er … 2010er Jah­ren nahm die Häu­fig­keit die­ser Pro­pa­gan­da dann deut­lich ab. Die Deutsch-Unter­tan bekom­men nur noch gele­gent­lich Erin­ne­rungs-Pro­gram­mie­rungs-Auf­fri­schun­gen. Die­ser Dumm­fug ist den Deut­schen längst so selbst­ver­ständ­lich, daß mehr nicht nötig ist. Und kön­nen ihn reflex­haft in jeder Knei­pen­dis­kus­si­ons­run­de locker ins Gespräch werfen.

Zum The­ma Ver­bot sei noch ange­fügt: Der deut­sche Unter­tan kann regel­mä­ßig nicht reflek­tie­ren, daß und wie das Den­ken und Tun durch die Obrig­keit mit­tels Ver­bot, Nicht­er­laub­nis, Tabui­sie­rung regu­liert wird. Schon offen aus­ge­spro­che­ne, gel­ten­de Ver­bo­te wer­den kaum wahr­ge­nom­men. Nicht­er­laub­nis­se erst recht nicht. Und Tabus gab es in der DDR. Darf der deut­sche Michel den­ken. Bis 1989 gaben die Brd-Pro­pa­gan­dis­ten noch aus als Demo­kra­tie- und Rechts­staats-Unter­schied zwi­schen Brd und DDR: In der DDR sei alles ver­bo­ten, was nicht erlaubt sei, wäh­rend in der DDR alles erlaubt sei, was nicht ver­bo­ten sei. Die Wör­ter »Ver­bot« und »Erlaub­nis« kamen in einem vor­der­grün­di­gen Sys­tem­ver­gleich vor. Und zwar recht häu­fig. Wäh­rend die Sys­tem­ver­glei­che seit 1990 eher indi­rekt ange­stellt wer­den, und Wör­ter wie »Ver­bot« und »Erlaub­nis« von der ideo­lo­gi­schen Ebe­ne in die ord­nungs­po­li­ti­sche degra­diert wurden.

Poli­ti­sche, ideo­lo­gi­sche, »Verschwörungs«-theoretisierende Ken­ner und Genie­ßer das Brd-Ideo­lo­gie-Schwach­sinns unter­schei­den übri­gens noch zwi­schen reflek­tier­ten Tabus und nicht­re­flek­tier­ten. Eine wesent­li­che Vor­aus­set­zung, vie­le unfrei­wil­li­ge Komik des Brd-Polit-Per­so­nals als sol­che wahr­zu­neh­men und sich über die­se amü­sie­ren zu können.

Lek­ti­on 3 als Video – Teil 1:

Lek­ti­on 3 als Video – Teil 2:

One thought on “Die Sprache der Herrschaft – und der Ohnmacht Lektion 3: »Das kann man nicht vergleichen«

  1. In der DDR sei alles ver­bo­ten, was nicht erlaubt sei, wäh­rend in der DDR alles erlaubt sei, was nicht ver­bo­ten sei.

    Das zwei­te soll wohl BRD heißen.

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