Eine neue demokratisch-souveränistische Bewegung formiert sich in Italien

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Von Medi­en und Main­stream ver­schwie­gen hat sich eine neue und ambi­tio­nier­te Par­tei in Ita­li­en gegrün­det. »Anco­ra Ita­lia« will eine demo­kra­ti­sche Wen­de und ein sou­ve­rä­nes Ita­li­en ohne EU und ohne NATO.

Ita­li­en ist bekannt dafür, dass neue poli­ti­sche Akteu­re bis in die Schalt­he­bel der Repu­blik vor­drin­gen kön­nen. Die Fünf-Ster­ne-Bewe­gung ist das aktu­el­le Bei­spiel. Doch den gro­ßen Bruch mit dem Sys­tem haben auch die fünf Ster­ne nicht zusam­men­ge­bracht, statt­des­sen stützt man mitt­ler­wei­le Mario Draghi, einen ehe­ma­li­ge Gold­man Sachs Ban­ker und EZB-Boss.

Ein Youtuber gegen Draghi

Wäh­rend sich Draghi und mit ihm die gesam­te poli­ti­sche Eli­te an die Macht klam­mert, Ita­li­en aber von einer mas­si­ven sozia­len Kri­se erfasst ist, orga­ni­sie­ren sich neue poli­ti­sche Akteu­re. So etwa die Par­tei »Anco­ra Ita­lia«, die im ver­gan­ge­nen Jahr »von unten« ent­stan­den ist, wie L’Indipendente schreibt. Ver­gan­ge­nes Wochen­en­de fand der zwei­te Natio­nal­kon­gress der neu­en Par­tei in Nea­pel statt. Unter ohren­be­täu­ben­dem Schwei­gen der Medi­en dräng­ten sich Tau­sen­de Besu­cher in Nea­pels Thea­ter Palapartenope.

»Anco­ra Ita­lia« will bei den nächs­ten Wah­len antre­ten, die Prin­zi­pi­en der Bewe­gung sind klar: vol­le natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät Ita­li­ens, somit den Aus­tritt aus der EU und der NATO und die Ver­wirk­li­chung einer Wirt­schaft, die nicht »das Prin­zip der Selbst­be­stim­mung der Völ­ker ernied­rigt«. Am kon­kre­ten Par­tei­pro­gramm wur­de auch beim Kon­gress geschliffen.

Die Vor­tra­gen­den am Kon­gress kamen von rechts und links. So sprach etwa die EU-Abge­ord­ne­te Fran­ce­s­ca Dona­to, die 2019 über Matteo Sal­vi­nis Lis­te in das EU-Par­la­ment ein­zie­hen konn­te. Aber auch Mar­co Riz­zo, der Gene­ral­se­kre­tär der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Ita­li­ens, war unter den Vor­tra­gen­den. Fran­ces­co Tos­ca­no und Mario Gal­lo, Prä­si­dent bzw. natio­na­ler Sekre­tär von Anco­ra Ita­lia, lei­te­ten die Dis­kus­si­on über das poli­ti­sche Pro­gramm und die Leit­li­ni­en für die nächs­ten Wah­len ein.

Kritik an Medien und Russlandkontroverse

Tos­ca­na ist Jour­na­list und erfolg­rei­cher You­tuber, der auf sei­nem Kanal Visio­ne TV 209.000 Abon­nen­ten hat. Die Gäs­te am Kon­gress wie Dona­to und Riz­zo nann­te er »die bes­ten frei­en und muti­gen Intel­li­gen­zen des Lan­des«. Die­se wür­den sich »in den Dienst eines ein­heit­li­chen Pro­jekts« stel­len. Anfang Juni hat­te sich auch die ehe­ma­li­ge Fünf-Ster­ne-Sena­to­rin Bian­ca Lau­ra Gra­na­to »Anco­ra Ita­lia« angeschlossen.

An die Medi­en rich­te­te Tos­ca­na schar­fe Wor­te. Er rief den Jour­na­lis­ten wäh­rend des Kon­gres­ses zu: »Lasst die Die­ner des Sys­tems, die Clowns im Dienst eines Appa­ra­tes, der dazu neigt, abwei­chen­de Mei­nung zu unter­drü­cken, wis­sen, dass wir kei­nen Mil­li­me­ter zurück­wei­chen werden«.

In der regie­rungs­na­hen Zei­tung Open war weni­ge Stun­den spä­ter zu lesen, dass Fran­ces­co Tos­ca­no »im Lau­fe der Zeit die Unter­stüt­zung ver­schie­de­ner Per­sön­lich­kei­ten gewon­nen hat, die von der Welt der Des­in­for­ma­ti­on und der ita­lie­ni­schen Ver­schwö­rung ver­folgt wer­den.« »Anco­ra Ita­lia« habe am zwei­ten Natio­nal­kon­gress ihre Unter­stüt­zung für Wla­di­mir Putins Russ­land zudem »for­ma­li­siert«.

Für ein souveränes und demokratisches Italien

Tos­ca­nas Wor­te zum Ukrai­ne-Kon­flikt wur­den von den 3.000 Gäs­ten mit Ova­tio­nen begrüßt. Was sag­te er wirklich?

Ich erken­ne die Grün­de Russ­lands, das im Don­bass inter­ve­niert hat, um einen Völ­ker­mord zu been­den, als unan­tast­bar an. Wir ste­hen auf der Sei­te der­je­ni­gen, die gegen die Nazis kämp­fen, die von Men­schen ohne Sinn für Spott in kan­ti­sche Phi­lo­so­phen ver­wan­delt wur­den. (Ori­gi­nal: Io rico­no­sco come sacro­san­te le ragio­ni del­la Rus­sia che è inter­ve­nuta in Don­bass per far ter­mi­na­re un geno­c­idio. Noi sia­mo dal­la par­te di chi com­bat­te i nazis­ti tras­fi­gu­ra­ti in filo­so­fi kan­tia­ni da gen­te sen­za sen­so del rid­ico­lo.)

Gegen­über L’Indipendente sag­te Toscana:

Wir von Anco­ra Ita­lia wol­len zu einer soli­den, par­ti­zi­pa­ti­ven Poli­tik zurück­keh­ren, mit ter­ri­to­ria­len Sek­tio­nen, die leben, in denen die Men­schen dis­ku­tie­ren und sich bil­den kön­nen und die somit ernst­haf­te Zwi­schen­in­stan­zen dar­stel­len, die für die Demo­kra­tie unver­zicht­bar sind.

Als demo­kra­tisch-sou­ve­rä­nis­ti­sche Bewe­gung ver­steht sich »Anco­ra«. Toscana:

Das der­zei­ti­ge Sys­tem zielt dar­auf ab, den Ein­zel­nen dar­an zu hin­dern, durch Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on eine Art demo­kra­ti­sche Gegen­macht zur tech­ni­schen Gewalt des Finanz­we­sens aus­zu­üben, was zu einer Ent­frem­dung vom öffent­li­chen Leben führt.

Man sieht es als Auf­ga­be, »den wach­sen­den Dis­sens« in Ita­li­en zu orga­ni­sie­ren und »eine Per­spek­ti­ve für radi­ka­len Wan­del zu schaf­fen, der mit demo­kra­ti­schen und par­ti­zi­pa­ti­ven Metho­den und unter Ach­tung der Ver­fas­sung, die von Draghi und sei­nen Minis­tern wie­der­holt ver­ra­ten wur­de, ver­folgt wird«, ist im Kon­gress­be­richt von »Anco­ra« zu lesen.

Bild: Nea­pel, 28. April 2022, Piaz­za Dan­te. Phi­lo­soph Die­go Fus­a­ro und Mario Gal­lo, natio­na­ler Sekre­tär der Par­tei »Anco­ra Ita­lia« bei der Prä­sen­ta­ti­on des Buches “Odio la resi­li­en­za” und Vor­stel­lung des Pro­jekts »Anco­ra Italia«.

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