Stellt Fabio Vighi eigentlich überhaupt irgendwas auf den Tisch?

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Fabio Vighi, Pro­fes­sor für Kri­ti­sche Theo­rie, beehr­te kürz­lich die Lieb­lin­ge der »ver­nünf­ti­gen« deut­schen Coro­na-Skep­ti­ker bei »Alles auf den Tisch« mit sei­ner erbau­li­chen Anwe­sen­heit. Die Zusam­men­fas­sung sei­nes Inter­views erwies sich als beson­ders verlockend:

Zwei Jah­re nach dem Auf­tre­ten von COVID-19 unter­sucht Fabio Vighi den kau­sa­len Zusam­men­hang zwi­schen unse­rer finanz­ge­trie­be­nen, implo­die­ren­den Wirt­schaft und einem Gesund­heits­not­stand, des­sen Auf­recht­erhal­tung zuneh­mend sinn­los erscheint. Nach Mil­li­ar­den von Injek­tio­nen mit meh­re­ren expe­ri­men­tel­len Impf­stof­fen ist die gewal­ti­ge Pan­de­mie immer noch unter uns. Dies­mal kommt sie jedoch mit dem Bonus einer rasant anstei­gen­den Infla­ti­on, die durch die Ent­wer­tung der Wäh­run­gen immer mehr Men­schen in die Ver­schul­dung und in die Armut treibt und gleich­zei­tig die Bevöl­ke­rung zu oft extre­men For­men der lega­li­sier­ten Dis­kri­mi­nie­rung zwingt. Cui bono? War­um ste­cken wir immer noch in die­sem depres­si­ven Zustand fest?

Eine ein­deu­ti­ge Klä­rung des »kau­sa­len Zusam­men­hangs« zwi­schen der Wirt­schaft und dem »Gesund­heits­not­stand« und vor allem der kon­kre­ten Nutz­nie­ßer (cui bono?) der Covid-Ära wür­de viel­leicht vor allem von den­je­ni­gen auf der ver­meint­lich lin­ken Sei­te der Frei­heits­be­we­gung begrüßt, die sich gegen die Abrie­ge­lung und die nach­fol­gen­den Coro­na-Maß­nah­men weh­ren. Kann Vighi tat­säch­lich liefern?

Ein kausaler Zusammenhang?

Schau­en wir uns genau­er an, was Vighi zu sagen hat. Ver­su­chen wir zunächst den ver­spro­che­nen »kau­sa­len Zusam­men­hang« zu erken­nen. Zu Beginn des Inter­views erklärt er, dass »unse­re Wirt­schaft eine Art ultra-finan­zia­li­sier­te Wirt­schaft ist, also sehr abhän­gig vom Finanz­sek­tor, von Finanz­spe­ku­la­tio­nen«. Irgend­wie ist die (ver­mut­lich gesam­te) Wirt­schaft (des Glo­bus, des Wes­tens usw., er prä­zi­siert nicht) »süch­tig« (eine Meta­pher) nach dem Finanz­sek­tor (einem Teil der Wirt­schaft). Vighi erklärt dann sofort wei­ter: »Es gibt fast eine Ent­kopp­lung zwi­schen dem Finanz­sek­tor und den so genann­ten Fun­da­men­tal­da­ten der Real­wirt­schaft«. Die Wirt­schaft oder zumin­dest ein Teil von ihr (der »rea­le« Teil) ist also vom Finanz­sek­tor abge­kop­pelt, gleich­zei­tig aber auch irgend­wie »abhän­gig« von ihm.

Vighi behaup­tet mit einem »so«, das andeu­tet, dass es sich irgend­wie aus dem oben Gesag­ten erge­ben muss, dass:

Der Finanz­sek­tor ist der bei wei­tem domi­nie­ren­de Sek­tor bei der Pro­duk­ti­on von Wert, dem, was wir als wirt­schaft­li­chen Wert betrach­ten. Der größ­te Teil des Wer­tes, den wir ken­nen, wird im Finanz­sek­tor pro­du­ziert, was bedeu­tet, dass die sozia­le Repro­duk­ti­on unse­res Lebens zuneh­mend von den Vor­gän­gen im Finanz­sek­tor abhängt. Ich den­ke, dass die Mas­se des Wer­tes im Finanz­sek­tor heu­te etwa das Sechs­fa­che des Wer­tes aus­macht, den wir als tra­di­tio­nel­les BIP in der Real­wirt­schaft erhal­ten. Wir wis­sen nicht, wie viel Wert bestimm­te Märk­te pro­du­zie­ren, wie der Deri­va­te­markt, eine sehr kom­ple­xe, undurch­sich­ti­ge Gala­xie des spe­ku­la­ti­ven Finanz­ka­pi­ta­lis­mus. Ins­ge­samt wis­sen wir also, dass die Mas­se der Finanz­wer­te viel grö­ßer ist als die Mas­se, die in der Real­wirt­schaft geschaf­fen wird. Die Auto­ma­ti­sie­rung spielt also eine abso­lut ent­schei­den­de Rolle.

Wer hier das »Wir« ist, das sol­che Din­ge betrach­tet oder weiß, ist ziem­lich unklar. Beson­ders ver­wir­rend ist die Ver­wen­dung des Begriffs »Wert« durch Vighi. Er küm­mert sich nicht dar­um, zu klä­ren, wie er ihn ver­wen­det, obwohl sich der poli­ti­sche oder wirt­schaft­li­che Main­stream-Dis­kurs natür­lich ein­fach auf Geld oder Reich­tum bezie­hen wür­de. Für sein pri­mä­res Publi­kum, ver­mut­lich die Lin­ken mit einer vagen Kennt­nis des Mar­xis­mus, han­delt er in der Tat mit der Wahr­schein­lich­keit, dass wir von einer grund­sätz­lich mar­xis­ti­schen Ver­wen­dung aus­ge­hen. Natür­lich ist die­se Dar­stel­lung für jeden, der auch nur im Ent­fern­tes­ten eine (mar­xis­ti­sche oder ande­re) Arbeits­wert­theo­rie ver­tritt, offen­sicht­lich problematisch.

Aus mar­xis­ti­scher Sicht pro­du­ziert nur die Arbeit Wert, den sie durch den Pro­duk­ti­ons­pro­zess auf die Waren über­trägt. Die Waren, die die­se Arbeit tra­gen, kön­nen im Finanz­sek­tor neu ver­packt, über­tra­gen, gehan­delt, besi­chert usw. wer­den – in der Tat kön­nen auf die­ser Stu­fe bestimm­te klei­ne Quan­ten von Wert hin­zu­ge­fügt wer­den, durch die tech­ni­sche Arbeit, die zum Bei­spiel in der Markt­for­schung oder in den Berech­nun­gen bei der Erstel­lung eines Ter­min­kon­trakts geleis­tet wird (so wie der Trans­port­sek­tor einer Ware wei­te­ren Wert hin­zu­fü­gen kann, indem er sie vom Ort der Pro­duk­ti­on zu dem Ort bringt, an dem sie ver­kauft wer­den kann). Aber eine mar­xis­ti­sche Ver­wen­dung des Begriffs Wert ist völ­lig unver­ein­bar mit der Vor­stel­lung, dass er vor­wie­gend im Finanz­sek­tor pro­du­ziert wer­den könn­te, und ins­be­son­de­re mit der Vor­stel­lung, dass Spe­ku­la­ti­on selbst Wert pro­du­zie­ren kann.

Tat­säch­lich hat sich Vighi, auch wenn er sich nicht her­ab­lässt dies hier zu ver­kün­den, an ande­rer Stel­le als Ver­fech­ter einer hege­lia­ni­schen Kri­tik des Mar­xis­mus eta­bliert. Ins­be­son­ders mit sei­ner Kri­tik am Begriff des Mehr­werts. In sei­nem Inter­view mit Todd Mcgo­wan erklärt Vighi, dass der Mehr­wert in der Tat eine unbe­re­chen­ba­re »Lacan’sche Enti­tät« sei. So erklärt er wei­ter, ohne irgend­ei­ne tat­säch­li­che schlüs­si­ge Dar­le­gung, dass das Kapi­tal sich auf dem Finanz­markt »spe­ku­la­tiv« repro­du­zie­ren kön­ne, ohne jeg­li­che Ver­mitt­lung durch die Arbeit selbst, und zwar genau­so gut wie direkt durch die Aus­beu­tung der Arbeits­kraft – denn die »Logik ist die glei­che«. Er wagt es nicht, dies näher zu erläu­tern, son­dern wie­der­holt ledig­lich, dass es sich um eine Fra­ge des »Glau­bens« han­delt (hier scheint sein angeb­li­cher »Hege­lia­nis­mus« nur schwer vom post­mo­der­nen Rela­ti­vis­mus eines Stu­den­ten im zwei­ten Semes­ter zu unter­schei­den zu sein).

Ob man der Arbeits­wert­theo­rie nun zustimmt oder nicht, die mar­xis­ti­sche Logik ist hier ziem­lich ein­fach und soll­te viel­leicht kurz reka­pi­tu­liert wer­den. Der Tausch­wert einer Ware (d. h. der Preis, zu dem man sie ver­kau­fen kann) wird durch den durch­schnitt­li­chen Arbeits­auf­wand bestimmt, der erfor­der­lich ist, um die­se Ware unter den gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen, unter denen man sie zu ver­kau­fen ver­sucht, zu pro­du­zie­ren, zuzüg­lich der Kos­ten für alle ande­ren not­wen­di­gen Inputs, deren Wert direkt in das End­pro­dukt ein­geht. Die­se Grund­struk­tur der Waren­pro­duk­ti­on wird von einem dich­ten Netz von Ren­ten über­la­gert, das in der Pra­xis schwer zu durch­schau­en ist.

Im Kapi­ta­lis­mus ist die Arbeits­kraft selbst eine Ware. Die Arbei­ter ver­kau­fen sie im All­ge­mei­nen in Stü­cken (z. B. acht Stun­den) und wer­den zum übli­chen Tarif (z. B. 60 Dol­lar) bezahlt. Die­ser Preis wird genau wie bei jeder ande­ren Ware auf einem kapi­ta­lis­ti­schen Markt bestimmt: durch die not­wen­di­ge Arbeits­zeit, die für die Pro­duk­ti­on und Repro­duk­ti­on der­je­ni­gen Arbeits­kraft erfor­der­lich ist, die in der Lage und bereit ist, die­se acht Stun­den zu arbei­ten. Die Kos­ten für Nah­rung, Unter­kunft, Klei­dung usw., die erfor­der­lich sind, damit der Arbei­ter acht Stun­den lang arbei­ten kann und dies auch regel­mä­ßig tut, bestim­men den Tausch­wert sei­ner Arbeitskraft.

Der Trick des Kapi­tals ist fol­gen­der: Die mensch­li­che Arbeit ist der ein­zi­ge Schöp­fer von Wert. Der Mensch kann mehr pro­du­zie­ren als das, was er braucht, um sich ein­fach zu repro­du­zie­ren. Eine gan­ze Men­ge mehr. Ich brau­che viel­leicht nur vier Stun­den, um so viel zu pro­du­zie­ren, dass ich alles kau­fen kann, was ich brau­che, aber ich kann acht Stun­den arbei­ten. Der Kapi­ta­list besteht dann natür­lich dar­auf, dass ich die vol­len acht Stun­den arbei­te, aber er wen­det gewis­sen­haft das Gesetz des Mark­tes an, indem er mir mei­nen Lohn zahlt, von dem er weiß, dass er nur den Wert von vier Stun­den betra­gen muss. Da er die Pro­duk­ti­ons­mit­tel besitzt und den Staat kon­trol­liert, gewinnt er im All­ge­mei­nen die Aus­ein­an­der­set­zung. Wie Marx bemerkt, »zwi­schen glei­chen Rech­ten ent­schei­det die Gewalt«. Was ich also in den ande­ren vier Stun­den pro­du­zie­re, gehört ganz ihm – das ist der Mehr­wert, die Quel­le des kapi­ta­lis­ti­schen Profits.

Ob man dem zustimmt oder nicht, es ist klar, wie die­ser Vor­gang Mehr­wert für den Kapi­ta­lis­ten schafft. Er bezahlt mich für vier Stun­den Arbeit, aber ich habe acht Stun­den gear­bei­tet. Die­ser Wert geht in die Pro­duk­te ein, die er auf den Markt bringt. Sobald er sie ver­kauft, hat er mehr, als er am Anfang hat­te. Auf einer wei­te­ren Abs­trak­ti­ons­ebe­ne hat die Men­ge an nütz­li­chen Din­gen in der Welt unter dem Strich zuge­nom­men. Es wur­de Wohl­stand geschaf­fen. Dies ist nicht ver­gleich­bar mit Spe­ku­la­ti­on. Sie kann nur bestimm­ten Kapi­ta­lis­ten ermög­li­chen sich einen Teil des Wer­tes anzu­eig­nen, den sich schwä­che­re Kapi­ta­lis­ten von den Arbei­tern ange­eig­net haben. Sie trägt nicht zur Ver­meh­rung des kol­lek­ti­ven Reich­tums der Mensch­heit bei, son­dern nur zur Umver­tei­lung von Ansprü­chen auf die­sen Reichtum.

Es ist wich­tig der Ver­su­chung zu wider­ste­hen, sich von Vighi ein­schüch­tern zu las­sen – anzu­neh­men, dass er inmit­ten sei­ner gelehr­ten Anspie­lun­gen wirk­lich etwas Erns­tes und Tief­grün­di­ges sagt, das man ein­fach nicht ver­ste­hen kann. Sehr oft ist es ein­fach nur Kau­der­welsch. (In die­ser Hin­sicht ist er etwas weni­ger anspruchs­voll als Žižek). Wer dar­an zwei­felt, braucht sich nur anzu­schau­en, wie er und McGo­wan die Marx’sche Arbeits­wert­theo­rie abtun, weil sie nicht in der Lage sei, die Ren­ta­bi­li­tät eines High-Tech-Unter­neh­mens wie Micro­soft zu erklä­ren! Mit sol­chen Äuße­run­gen ver­ra­ten unse­re gelehr­ten Phi­lo­so­phen, dass sie nicht ein­mal die gerings­te Ahnung von so wesent­li­chen und rudi­men­tä­ren Ele­men­ten der mar­xis­ti­schen Dar­stel­lung wie Preisum­wand­lung oder tech­no­lo­gi­sche Ren­ten haben. Natür­lich ent­spre­chen die indi­vi­du­el­len Prei­se der Waren nicht ihrem Wert [1].

Schlim­mer noch: Vighi ist nicht kon­se­quent, nicht ein­mal in sei­nen eige­nen Wor­ten. In sei­nem Inter­view mit McGo­wan stellt er klar, dass der Mehr­wert, wie er ihn sich vor­stellt, unbe­re­chen­bar sei. Im oben zitier­ten Aus­zug erklärt er jedoch, dass »die Mas­se des Wer­tes, den wir heu­te im Finanz­sek­tor haben, wahr­schein­lich das sechs­fa­che des Wer­tes ist, den wir in der Real­wirt­schaft in Form des tra­di­tio­nel­len BIP erhal­ten«. Was auch immer er hier, in sei­nem Inter­view mit »Alles auf den Tisch«, mit »Wert« meint, ist also nicht nur mess­bar, son­dern auch direkt mit dem BIP ver­gleich­bar (nach wel­chem Umrech­nungs­sys­tem, teilt er nicht mit). Und wir »bekom­men« mehr davon in die­sem »Finanz­sek­tor« als wir ver­mut­lich in der »Real­wirt­schaft« (ein vages und wie­der­um sicher­lich nicht-mar­xis­ti­sches Kon­zept) »bekom­men« (wie die­ses »bekom­men« mit »machen« zusam­men­hängt, ist eben­falls unklar). Noch mehr von die­ser mys­te­riö­sen (Nicht-)Entität wird, wie uns gesagt wird, in rie­si­gen Men­gen, über die wir nicht ein­mal genau Bescheid wis­sen, an Orten wie dem »Deri­va­te­markt« pro­du­ziert. Und obwohl er sich als ein Vir­gil hat aus­ge­ben las­sen, der uns durch die­se gefähr­li­chen und düs­te­ren finan­zi­el­len Unter­wel­ten füh­ren wird, kann er statt einer Erklä­rung hier nur eine Ges­te in Rich­tung einer »sehr kom­ple­xen, undurch­sich­ti­gen Gala­xie des spe­ku­la­ti­ven Finanz­ka­pi­ta­lis­mus« machen, ohne sie wei­ter zu verdeutlichen.

Aus all die­sem gequäl­ten Nicht-Erklä­ren wird dann erklärt: »die Auto­ma­ti­sie­rung spielt also eine abso­lut ent­schei­den­de Rol­le«. Und nicht nur das: Es stellt sich her­aus, dass wir umsonst so tief in die Tasche gegrif­fen haben (und den Ein­druck erweckt haben, dass wir das tun): Es ist tat­säch­lich die Auto­ma­ti­sie­rung, die

[…] das ursprüng­li­che Moment ist, die ursprüng­li­che Ursa­che war, die das Ungleich­ge­wicht, das wir heu­te haben, bestimmt, und die­se Art von hyper­fi­nan­zia­li­sier­tem Sys­tem mit all der Vola­ti­li­tät, die damit ein­her­geht, wir spre­chen von fik­ti­vem Kapi­tal, Spe­ku­la­tio­nen, die oft, wie ich sag­te, sehr kom­plex und sehr vola­til sind, sind sehr anfäl­lig für die Schaf­fung von Bla­sen, und die Bla­sen plat­zen, und das ist sehr pro­ble­ma­tisch für das gesam­te Sys­tem, weil unse­re gan­ze Gesell­schaft von dem im Finanz­sek­tor pro­du­zier­ten Wert abhän­gig ist.

Die Kau­sal­ket­te ist hier, um es vor­sich­tig aus­zu­drü­cken, nicht ganz klar. Irgend­wie schien es, dass die Finan­zia­li­sie­rung (die his­to­risch gese­hen der Auto­ma­ti­sie­rung vor­aus­ging) die Auto­ma­ti­sie­rung her­vor­brach­te, aber jetzt scheint es auch, dass das Gegen­teil der Fall ist, dass irgend­wie die Auto­ma­ti­sie­rung die »ursprüng­li­che Ursa­che« ist, die das »Ungleich­ge­wicht« »bestimmt«, das wir heu­te haben (seit wann, wie lan­ge und wo ist nicht klar). Und die­ses Ungleich­ge­wicht »kommt mit« (ist also nicht iden­tisch mit, son­dern ver­ur­sacht oder ermög­licht irgend­wie) »die­se Art von hyper­fi­nan­zi­el­lem Sys­tem.« An die­se unend­li­che Ket­te von Abs­trak­tio­nen schließt sich ein Wirr­warr von Meta­phern an – »plat­zen­de Bla­sen«, »Sucht« -, deren kon­kre­te Bezü­ge in die­sem Zusam­men­hang eben­falls unklar sind.

Vighi fährt fort mit einer ver­wor­re­nen Erklä­rung der Kri­se von 2008, die, wie er uns mit­teilt, »das ers­te gro­ße Sym­ptom der Krank­heit, der sys­te­mi­schen Krank­heit, der töd­li­chen Krank­heit« war – drei thea­tra­li­sche Anspie­lun­gen auf eine Meta­pher, aber nichts Kon­kre­te­res -, »die man in die­ser Art von ultra-finan­zia­li­sier­ter Wirt­schaft bekommt«. Was die­se Art von ultra-finan­zia­li­sier­ter Wirt­schaft« jen­seits des illu­so­ri­schen sechs­fa­chen Mehr­werts« im Finanz­sek­tor und der Auto­ma­ti­sie­rung« tat­säch­lich kenn­zeich­net, wur­de nie geklärt – vor allem nicht, wie wir zu die­sem Punkt gekom­men sind. In sei­ner Dar­stel­lung des Jah­res 2008 – die er anschei­nend nie ganz von 2019 tren­nen oder ent­schei­den kann, wovon er spricht – ver­sucht Vighi haupt­säch­lich eini­ge halb­ver­stan­de­ne Ein­sich­ten von John Titus weiterzuverkaufen.[2] Tat­säch­lich ist »halb­ver­stan­den« wahr­schein­lich viel zu groß­zü­gig, wenn man Pas­sa­gen wie die­se berücksichtigt:

[…] nach 11 Jah­ren quan­ti­ta­ti­ver Locke­rung, bil­li­gem Geld, das in das Sys­tem gewor­fen wur­de, nied­ri­gen Zins­sät­zen und so wei­ter. Das führ­te plötz­lich zu einer Bla­se und damit zu einer Liqui­di­täts­fal­le, weil die Zins­sät­ze stie­gen und die Leu­te anfin­gen, die Ban­ken began­nen, die Kre­dit­ver­ga­be grund­sätz­lich ein­zu­stel­len, und das führ­te zu einer klas­si­schen Liqui­di­täts­fal­le, ähn­lich wie im Jahr 2008 – nen­nen wir es Kre­dit­klem­me – und das hat­te poten­zi­ell ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen auf alle ande­ren Märk­te bis hin­un­ter in die Gesell­schaft selbst, bis hin­un­ter zum Boden, nicht nur in der Wall Street, son­dern in der Main­street, in unse­rer Welt.

Lei­der ist die Ter­mi­no­lo­gie der Öko­no­mie, die Vighi hier ver­wen­det, etwas kon­kre­ter defi­niert als der Lacan­sche Jar­gon, mit dem er nor­ma­ler­wei­se handelt.Selbst die wohl­wol­lends­te Lek­tü­re die­ser Pas­sa­ge kann die­se nicht als kohä­rent erachten.

Sei­ne For­mu­lie­rung ist jedoch auf­schluss­reich. Vighi ist ein extre­mer phi­lo­so­phi­scher Idea­list – nach eige­nem Bekun­den kein Mar­xist, son­dern eine Art Hege­lia­ner. Er scheint die Welt der Finan­zen im Wesent­li­chen als unaus­sprech­lich und zur Welt der Geis­ter gehö­rend zu betrach­ten. Sie ist gewis­ser­ma­ßen nicht Teil »unse­rer Welt«, son­dern bestimmt die­se. Die Wall Street befin­det sich irgend­wo im Him­mel – und so ist das Gesche­hen dort viel­leicht tat­säch­lich frei von den irdi­schen Gren­zen der logi­schen Kohä­renz – wir sind »unten« auf dem »Boden« in der »Gesell­schaft selbst«. Für uns hier unten bie­tet Vighi jedoch nichts Kon­kre­tes oder Kohä­ren­tes. Man hat das Gefühl, dass die wei­te­re Lek­tü­re von Pas­sa­gen nur müh­sam wäre, aber der Ver­fas­ser die­ser Zei­len for­dert jeden Leser auf, das Inter­view gründ­lich durch­zu­ge­hen und zu sehen, ob er irgend­ei­nen tat­säch­li­chen »Kau­sal­zu­sam­men­hang« fest­stel­len kann, der kon­kret erklärt wurde.

Cui bono?

Wie steht es mit dem in der Zusam­men­fas­sung ver­spro­che­nen cui bono? Hat Vighi uns zumin­dest gehol­fen, die trei­ben­den Kräf­te jen­seits des aktu­el­len Pro­gramms zu ver­ste­hen und zu iden­ti­fi­zie­ren? Ganz im Gegen­teil. Obwohl Vighi auch hier all­zu kon­kre­te Behaup­tun­gen ver­mei­det, mit denen man sich aus­ein­an­der­set­zen oder die man wider­le­gen könn­te, ist das grund­le­gen­de Bild, das er mit Andeu­tun­gen und Anspie­lun­gen kon­stru­iert, in etwa so: Die Pro­ble­me in unse­rer »ultra-finan­zia­li­sier­ten« Wirt­schaft blie­ben nach der Kri­se von 2008 unge­löst und türm­ten sich wei­ter auf, bis es zu einem wei­te­ren Crash kam, des­sen ers­te wich­ti­ge Anzei­chen sich 2019 zu mani­fes­tie­ren began­nen. »Die Bank für Inter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich war die ers­te, soweit [Vighi weiß], die sozu­sa­gen die Alarm­glo­cke für die kom­men­de Kata­stro­phe läu­te­te.« Die »gro­ßen Akteu­re« ver­such­ten dar­auf­hin, das, was sonst zu einem wei­te­ren »2008« füh­ren wür­de, irgend­wie zu umge­hen, auf­zu­hal­ten oder abzu­mil­dern. Die dar­auf fol­gen­de Pan­de­mie, so wird ange­deu­tet, war irgend­wie ein Mit­tel zu die­sem Zweck.

Es lohnt sich eini­ge der hier ein­ge­schmug­gel­ten Annah­men zu unter­su­chen. Eine der augen­fäl­ligs­ten ist natür­lich, dass 2008 für die herr­schen­de Klas­se tat­säch­lich ein Pro­blem oder eine Kata­stro­phe war [3], die sie unbe­dingt ver­mei­den will. Natür­lich war die Kri­se von 2008, wie der elf­te Sep­tem­ber vor ihr und das der­zei­ti­ge Pro­gramm, ein sorg­fäl­tig insze­nier­tes Pro­gramm, das es der herr­schen­den Klas­se ermög­lich­te, mit unvor­stell­ba­rer Aus­beu­tung davon­zu­kom­men. Die ande­re ist etwas sub­ti­ler, aber bei nähe­rer Betrach­tung sehr auf­schluss­reich, ins­be­son­de­re in Bezug auf das wah­re Publi­kum von Vighis Intervention.

Es han­delt sich um den Gedan­ken, dass das aktu­el­le Pro­gramm der herr­schen­den Klas­se eine Reak­ti­on auf finan­zi­el­le Phä­no­me­ne war, die sie anschei­nend kaum kon­trol­lie­ren oder ver­ste­hen kann. Auf the­ma­ti­scher Ebe­ne trägt dies dazu bei, zumin­dest teil­wei­se zur Not­stands­pro­pa­gan­da zurück­zu­keh­ren und deren Grund­stim­mung zu ret­ten. Die­je­ni­gen, die nicht mehr bereit oder in der Lage sind, die Geschich­te zu glau­ben, dass die herr­schen­de Klas­se uns vor einer vira­len Apo­ka­lyp­se ret­tet, haben nun die Mög­lich­keit, so zu tun, als ob die herr­schen­de Klas­se uns vor einer finan­zi­el­len Apo­ka­lyp­se ret­ten wür­de. Tat­säch­lich erschei­nen in Vighis Dar­stel­lung die Orga­ni­sa­to­ren des Covid-Coups aus der herr­schen­den Klas­se fast wie hoch­ver­dien­te Tech­no­kra­ten, die durch Umstän­de, die sich ihrer Kon­trol­le ent­zie­hen, gezwun­gen wer­den, eine Rei­he wirk­lich außer­ge­wöhn­li­cher, unkon­ven­tio­nel­ler poli­ti­scher Maß­nah­men umzusetzen.

Ver­su­chen wir die Plau­si­bi­li­tät des­sen zu prü­fen, was jede der ver­füg­ba­ren Les­ar­ten von Vighis Dar­stel­lung nahe­legt: Die herr­schen­de Klas­se erkann­te irgend­wann um den Som­mer 2019 her­um, dass eine Kri­se unver­meid­lich war, und um sich selbst (und uns, wie sei­ne Dar­stel­lung immer impli­ziert) zu ret­ten, nutz­ten sie 1) das am zufäl­ligs­ten auf­tau­chen­de Virus in der Geschich­te der Mensch­heit oder 2) setz­ten eine Bio­waf­fe frei. [4] Die Kom­bi­na­ti­on aus Macht und Ohn­macht, Bos­heit und gutem Wil­len, Ver­schwö­rung und Sto­chas­tik, die die­se oder ande­re Inter­pre­ta­ti­ons­va­ri­an­ten impli­zie­ren, ist absurd und kann nie­man­den über­zeu­gen. Und genau das ist der Punkt.

Das Pro­dukt, mit dem Vighi hier hau­sie­ren geht, ist mit ziem­li­cher Sicher­heit nicht in der Lage, irgend­je­man­den zu über­zeu­gen. Es wird auch nicht pro­du­ziert, um dies zu tun. Die Behaup­tung des Ver­fas­sers ist, dass die eigent­li­che Ziel­grup­pe für die­ses Pro­dukt Men­schen sind, die bereits davon über­zeugt sind, dass Kern­ele­men­te der Pro­pa­gan­da­er­zäh­lun­gen rund um den Covid-Putsch falsch sind, und die ver­zwei­felt nach einer mehr mar­xis­tisch ange­hauch­ten und/​oder weni­ger unmo­di­schen ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Ver­pa­ckung für ihre eige­nen Ver­däch­ti­gun­gen suchen. Und was noch wich­ti­ger ist, eine, die sie mit Freun­den und (ehe­ma­li­gen) Genos­sen tei­len kön­nen, ohne dass es ihnen pein­lich ist.

Was stellt Vighi auf den Tisch?

Was haben sie davon, wenn sie die­ses offen­sicht­li­che Pro­dukt unkri­tisch über­neh­men? Wenn Vighi auch nicht viel Kohä­ren­tes zu sagen hat, so gelingt es ihm doch, viel zu tun. In dem Maße, in dem wir hier Vighis grund­le­gen­de Chro­no­lo­gie über­neh­men und die Not­wen­dig­keit einer detail­lier­ten Unter­su­chung lang­fris­ti­ger, umfas­sen­der Pla­nun­gen der herr­schen­den Klas­se umge­hen, unter­gra­ben wir unse­re Fähig­keit, das aktu­el­le Pro­gramm zu ver­ste­hen, und geben die Fähig­keit, jeman­den mit einer glaub­wür­di­gen und kohä­ren­ten Dar­stel­lung zu über­zeu­gen, völ­lig auf.

Anstel­le einer rigo­ro­sen mar­xis­ti­schen Ana­ly­se der gegen­wär­ti­gen Kam­pa­gne der herr­schen­den Klas­se zur Über­win­dung der Wider­sprü­che des Kapi­ta­lis­mus durch die Errich­tung eines faschio­iden, skla­ver­ei­ähn­li­chen Sys­tems wer­den die ech­ten Ein­sich­ten, die Vighi von ernst­haf­ten und ein­sich­ti­gen Kon­ser­va­ti­ven oder Liber­tä­ren wie Cath­ri­ne Aus­tin Fitts und John Titus über­nom­men hat, zu einem zusam­men­hangs­lo­sen, hege­lia­ni­sier­ten Kau­der­welsch ver­dreht, das impli­zit die anti­ra­tio­na­le Pro­pa­gan­da der Modern Money Theo­ry unter­mau­ert, wel­che mobi­li­siert wird, um den Green New Deal zu ver­kau­fen: einen Kern­be­stand­teil genau des von der herr­schen­den Klas­se orches­trier­ten Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­ses. Wie ein guter Hege­lia­ner ent­hält er sich jedoch jeder kon­kre­ten Vor­her­sa­ge dar­über, was die herr­schen­de Klas­se zu schaf­fen oder zu errei­chen ver­sucht, abge­se­hen von einem fast spon­ta­nen, reak­ti­ven, ver­zwei­fel­ten Kampf zur Auf­recht­erhal­tung des Katechon. Zu die­sem Zweck mobi­li­siert Vighi ver­mut­lich stän­dig sei­ne Meta­phern und Anspie­lun­gen, um die Angst vor die­ser schreck­li­chen Bio­waf­fe zu schü­ren, die sich auf dem Weg nach Bethes­da befin­det, um gebo­ren zu wer­den: das Unge­heu­er der Hyperinflation-Simbabwe-Weimar-Deutschland-Gain-Of-Function-Biowaffe.

Hier schließ­lich ist die Funk­ti­on von Vighi viel­leicht am deut­lichs­ten. Die Lin­ke – ein­schließ­lich des Teils von ihr, der den Covid-Coup durch­schaut hat – hat sich im All­ge­mei­nen mit der Sen­si­bi­li­tät iden­ti­fi­ziert, die in Maos berühm­tem Mot­to zum Aus­druck kommt: »Es herrscht gro­ße Unord­nung unter dem Him­mel, die Lage ist aus­ge­zeich­net.« Das bedeu­tet ein­fach, dass eine ech­te Kri­se für die herr­schen­de Klas­se immer eine Chan­ce für uns ist: ihre Fein­de, die Mas­sen, die sie stän­dig wei­ter ver­skla­ven und aus­beu­ten wol­len. Wo sich die Kri­ti­ker des Covid-Coups von der west­li­chen Lin­ken unter­schei­den, ist vor allem unse­re Ein­schät­zung, ob die letz­ten zwei Jah­re eine all­ge­mei­ne Kri­se für die herr­schen­de Klas­se dar­stell­ten. Wir unter­schei­den uns nicht dar­in, eine sol­che zu begrü­ßen. Vighi möch­te, dass wir die Kri­se fürch­ten, dass wir impli­zit das Gefühl haben, dass die herr­schen­de Klas­se uns alle irgend­wie vor einer Kata­stro­phe bewahrt (wie ungleich auch immer).

Die Main­stream-Lin­ken sind davon aus­ge­gan­gen, dass die Kri­se real war, dass das Virus die herr­schen­de Klas­se zu Fall zu brin­gen droh­te, ihr eine »wirt­schaft­li­che Schrump­fung« auf­zwang [5] und so das Schei­tern des Kapi­ta­lis­mus, die Vor­tei­le des Sozia­lis­mus und die Aus­sich­ten für unse­re bevor­ste­hen­de Befrei­ung auf­zeig­te. Wir hin­ge­gen haben gese­hen, dass die Macht und der Reich­tum der herr­schen­den Klas­se durch die Scha­ra­de mit dem Virus nur noch ver­grö­ßert wur­den; wir haben gese­hen, dass alle ihre zuver­läs­sigs­ten Pro­pa­gan­da- und Kon­troll­orga­ne uner­müd­lich dar­an gear­bei­tet haben, das Nar­ra­tiv von der Virus­kri­se vor­an­zu­trei­ben; und wir haben erkannt, dass die­se angeb­li­che Kri­se zwangs­läu­fig schon lan­ge in Vor­be­rei­tung war.

Denn selbst in ihren eige­nen Kri­sen erken­nen die Herr­schen­den Risi­ko und Chan­ce zugleich. Die Dyna­mik der Reich­tums­kon­zen­tra­ti­on und der Finan­zia­li­sie­rung hat für die herr­schen­de Klas­se die Auf­recht­erhal­tung und Repro­duk­ti­on ihrer selbst als Kapi­ta­lis­ten­klas­se zuneh­mend ris­kant gemacht; sie hat auch die Bedin­gun­gen der Mög­lich­keit für ihre Ver­an­ke­rung als Kas­te über einer neu­en und schreck­li­che­ren Form der Klas­sen­ge­sell­schaft geschaffen.

Dies und nichts ande­res ist für uns die Bedro­hung und die Kri­se: die erfolg­rei­che Durch­set­zung des Pro­gramms der herr­schen­den Klas­sen. Um die­ses Pro­gramm zu ver­tei­di­gen, wer­den Schar­la­ta­ne wie Vighi ein­ge­setzt. Auf die Fra­ge, was getan wer­den kann, bie­tet er am Ende sei­nes Inter­views nur ein paar klein­mü­ti­ge Ges­ten in Rich­tung der Schaf­fung alter­na­ti­ver Gemein­schaf­ten an, eine Art klein­bür­ger­li­che Fan­ta­sie, die er nicht ein­mal dazu bringt, sie direkt und ohne Umschwei­fe aus­zu­spre­chen. Dann teilt er uns mit, dass der ers­te Schritt dar­in besteht, ein gewis­ses Bewusst­sein zu schaffen.

Natür­lich ist die­ser ers­te Schritt längst von der Mas­sen­pro­test­be­we­gung voll­zo­gen wor­den, die seit zwei Jah­ren die Maß­nah­men auf der Stra­ße nicht nur kri­ti­siert, son­dern aktiv bekämpft, wäh­rend Vighi sei­ne phi­lo­so­phi­schen Fäden für den Phi­lo­so­phi­schen Salon [Online-Maga­zin, für das Vighi schreibt] spinnt. Vighi erwähnt die Pro­tes­te, den akti­ven Wider­stand der Arbei­ter­klas­se auf der gan­zen Welt nicht. Viel­mehr will er, dass wir uns vor dem unkon­trol­lier­ten Unter­gang der gegen­wär­ti­gen Ord­nung fürch­ten, vor der gefürch­te­ten Kri­se, die bei der Bank für Inter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich und jedem ande­ren Boll­werk der herr­schen­den Klas­se wirk­lich die Alarm­glo­cken läu­ten lässt. Denn unse­re Revo­lu­ti­on wird die wirk­li­che Kri­se sein, für die herr­schen­de Klas­se und auch für all die Para­si­ten, die sie in ihren Salons unterhält.

Das ist die Wahr­heit, die in der gemein­sa­men Erfah­rung vie­ler ange­sichts der Coro­na-Beschrän­kun­gen erkannt wird – dass sie das Gefühl haben, dass wir der Virus sind, der kon­trol­liert, iso­liert und aus­ge­rot­tet wer­den muss. Das sind wir in der Tat, wir sind der Virus, wir sind die Kri­se. Die ein­zi­ge, vor der sie wirk­lich Angst haben, und das aus gutem Grund.

Anmerkungen

[1] Arbeits­in­ten­si­ve Unter­neh­men mit nied­ri­gen Markt­zu­tritts­schran­ken sind äußerst wett­be­werbs­fä­hig und kön­nen auf­grund des gerin­gen Risi­kos hauch­dün­ne Gewinn­span­nen ver­kraf­ten. Das fami­li­en­geführ­te Restau­rant oder der Tex­til­aus­beu­ter­be­trieb beu­tet sei­ne Arbei­ter aus, weil der Preis für sei­ne Waren stän­dig unter ihrem Wert gedrückt wird. Sie zah­len zu viel für Hei­zung, Strom und tech­no­lo­gi­sche Inputs von stär­ke­ren, grö­ße­ren Kapi­tal­eig­nern. Die Behaup­tung, dass die hohen Gewin­ne von Micro­soft die Wert­theo­rie der Arbeit wider­le­gen, kommt dem Ver­such gleich, die New­ton­sche Phy­sik zu wider­le­gen, indem man den Abstieg einer Bow­ling­ku­gel mit dem einer Feder ver­gleicht. Eine leicht ver­ständ­li­che Dar­stel­lung eini­ger Schlüs­sel­ele­men­te der Preis­trans­for­ma­ti­on in der moder­nen Wirt­schaft fin­det sich unter: http://​www​.mid​ni​ght​no​tes​.org/​p​d​f​a​p​o​c​1​6​.​pdf

[2] https://​www​.you​tube​.com/​c​/​B​e​s​t​E​v​i​d​e​nce

[3] Übri­gens scheint Vighi nie von einer »herr­schen­den Klas­se« selbst zu spre­chen, was ein wei­te­rer wich­ti­ger Hin­weis dar­auf wäre, dass er kein Mar­xist ist. Viel­mehr bezieht er sich auf die »gro­ßen Spie­ler« oder die »Eli­te« oder die »Zen­tral­ban­ker« oder irgend­ei­nen ande­ren schlüpf­ri­gen Begriff, der eher zur Ver­schleie­rung als zur Erhel­lung bei­trägt und immer bes­ser zu einer struk­tu­rell anti­se­mi­ti­schen als zu einer klas­sen­ba­sier­ten Ana­ly­se passt. Es ist viel­leicht kein Zufall, dass in sei­nem gesam­ten Inter­view die ein­zi­ge Per­son, die er direkt nennt, der israe­lisch-ame­ri­ka­ni­sche Stan­ley Fisher ist, und auf­fal­len­der­wei­se nicht Fishers rein nicht­jü­di­sche Mit­au­toren des Doku­ments, mit dem er in Ver­bin­dung gebracht wird, und natür­lich auch nicht die über­wie­gend nicht­jü­di­sche Vor­hut der herr­schen­den Klasse.

[4] Groß­zü­gi­ge­re Leser wür­den die der Wahr­heit näher lie­gen­de Behaup­tung zulas­sen, dass die herr­schen­de Klas­se das Pest­spek­ta­kel aus nicht exis­tie­ren­den oder rela­tiv harm­lo­sen Krank­heits­er­re­gern insze­nier­te, aber Vighi ver­mei­det dies kon­se­quent. In sei­nem typisch vor­sich­ti­gen Stil ver­weist er auf das viel­leicht wirk­sams­te Gen­re der Kon­troll-Oppo­si­ti­on/­Dis­in­fo in Bezug auf den Covid-Coup, näm­lich die The­se vom Funk­ti­ons­ge­winn der Bio­waf­fe. Er fragt sich: »Covid, wenn es zufäl­lig pas­siert ist, dann ist es eine Art Wun­der für sie«. Wie bei den ver­schie­de­nen Vari­an­ten der Theo­rien über Labor­lecks oder vor­sätz­li­che Bio­an­grif­fe wer­den ent­schei­den­de Ele­men­te der Pro­pa­gan­da­er­zäh­lung, die gründ­lich ent­larvt wur­den, wie­der­be­lebt und unter­mau­ert: Das Virus ist real und furcht­bar gefähr­lich, und wahr­schein­lich waren vie­le der Maß­nah­men gerecht­fer­tigt, aber die Chi­ne­sen / die Atlan­ti­ker / die Wei­sen von Zion usw. usw. waren es.

[5] Die herr­schen­de Klas­se hat in der Tat schon lan­ge dar­auf ver­zich­tet, so etwas wie »Wirt­schafts­wachs­tum« anzu­stre­ben, wie der Autor die­ses Vor­trags Vighi auf­schluss­reich kom­men­tiert und, was noch wich­ti­ger ist, sei­nen Men­tor, Sla­voj Žižek, als einen der bös­ar­tigs­ten Agen­ten der Des­in­for­ma­ti­on und Pro­pa­gan­da der herr­schen­den Klas­se der gegen­wär­ti­gen Ära ent­larvt hat: https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​x​E​a​p​V​R​s​H​o​L​k​&​l​i​s​t​=​P​L​o​A​J​f​K​s​s​a​W​2​I​2​K​H​i​_​N​K​x​a​X​G​H​Z​S​h​W​3​r​a​2​n​&​i​n​d​e​x=1

Dies ist eine auf Basis von DeepL ange­fer­tig­te Über­set­zung des eng­li­schen, auch in der Mag­Ma erschie­nen Originals.

Bild: For­tu­n­a­to Depe­ro. The New Babel (1930). kitchener.lord (CC BY-NC-ND 2.0)

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